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Fiktive Stadtansichten

Vladimir Sitnikov im Bunker D Fiktive Stadtansichten

Zielort Berlin nennt Vladimir Sitnikov seine vierte Ausstellung im Bunker D der Fachhochschule Kiel. Fiktiven Stadtansichten hat er mit technischer Brillanz auf hauchzartes Japanpapier getuscht und gezeichnet.

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Vladimir Sitnikov zwischen Häuptern steinerner Helden und Stadtansichten in flüchtiger Hängung.

Quelle: ehr - Marco Ehrhardt

Kiel. Fantastische Objekte tummeln sich in der Berliner Altstadt, schweben über dem Bodemuseum, rotten sich im Spreebogen zusammen wie eine Kolonie Außerirdischer oder flankieren historische Gebäude als Kunst am Bau. Manche sehen wie Satellitenschüsseln aus, andere wie Ballons und Zeppeline oder erinnern, verschachtelt zusammengesetzt aus spitzen und runden Elementen, an das Kieler Denkmal zum Matrosenaufstand.

 „Modernität trifft Historie“, sagt Vladimir Sitnikov, der die fiktiven Stadtansichten mit technischer Brillanz auf hauchzartes Japanpapier getuscht und gezeichnet hat. Zielort Berlin nennt er seine vierte Ausstellung im Bunker D der Fachhochschule Kiel. Er präsentiert sie in bewusst flüchtiger Hängung – die großformatigen Blätter, von denen einige direkt im Raum schweben, bewegen sich bei jedem Luftzug. Der aus Moskau stammende Künstler, seit 1996 in Kiel zuhause, versteht sie als Szenenbilder „vor einer historischen Kulisse, die Lust auf Veränderung hat.“ Riesengroß schweben dazwischen die gezeichneten Häupter steinerner Helden, wie herangezoomt vom Dach des Zeughauses – pathetisch und martialisch als Symbol für die Verbindung von Politik und Kunst, Macht und Tod.

 „Schon bevor ich nach Deutschland kam, hatte ich ein Bild von Berlin in mir“, sagt Sitnikov, „eine Traumvorstellung, die sich nicht mit der Realität deckte.“ Entsprechend fiktiv ist das Umfeld, das er für seine vor Ort gezeichneten Stadtansichten erfindet. Einige der futuristischen Objekte in knallrot, als Modelle im Nebenraum ausgestellt, sind tatsächlich von Hans-Jürgen Breustes Denkmal im Kieler Ratsdienergarten inspiriert. Kein Wunder, hatte der heute 58-Jährige die Skulptur während seiner Kieler Anfangsjahre in der alten Muthesiusschule doch von seiner Werkstatt aus direkt im Visier. Verbunden durch zarte, geschwungene Linien oder übermalt mit Graffiti, finden die Objekte von 1996 gut 20 Jahre später in den pseudohistorischen Berlin-Zeichnungen neue, spannende Bedeutung,

 Bunker D, Schwentinestr. 11. Eröffnung heute, Donnerstag, 18 Uhr. Bis 1. März. Geöffnet mittwochs 10-20Uhr und nach Vereinbarung unter bunker-d@fh-kiel.de

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