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Himmlisches mit Harfe

Jugendchor der Oper Kiel Himmlisches mit Harfe

Bewegend Zartgezupftes: Das weibliche Vokalensemble des Jugendchores an der Oper Kiel glänzte mit Harfe und Repertoire von Benjamin Britten und Franz Schubert im ausverkauften Audimax-Foyer der Kieler Universität. Unter der Leitung von Moritz Caffier gelang am Sonntagmorgen eine stimmige Musikfreunde-Matinee.

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Irrwitziger Ausflug ins All

Kiel. Mit dem An die Musik gewidmeten Reim „oft hat ein Seufzer, deiner Harf’ entflossen, den Himmel bessrer Zeiten mir entschlossen“ verstanden es die Freunde Franz Schubert und Franz von Schober, ihrem Künstlerkreis eine Art geheimes Motto an die Hand zu geben – vielsagend und doch unzensierbar durch die Restaurationswächter des Metternichsystems unmittelbar nach dem Wiener Kongress. Der Satz wurde am Sonntagmittag nun zum Fazit einer wahrhaft „stimmigen“ Musikfreunde-Matinee im ausverkauften Foyer des universitären Audimax.

Birgit Kaar, Kiels philharmonische Harfenistin mit Linzer und Wiener Wurzeln, transformierte den Klavierpart ausgewählter Schubert-Seufzer einfühlsam in Zartgezupftes. Was mindestens genauso gut funktionierte, wie entsprechende Versuche mit der Gitarre. Der Bariton Tomohiro Takada bewies einmal mehr seine enorme Fähigkeit, Stilgefühl, Stimmschönheit und Ausdrucksmacht in Einklang zu bringen. Und es gelang ihm, in berühmten Liedvertonungen wie dem Rellstab- Ständchen oder Rückerts Sei mir gegrüßt! immer wieder herauszuschälen, dass es hier meist nicht allein um unerfüllte Liebe, sondern auch um existenzielle Weltflucht geht.

Einer der Höhepunkte des Konzerts aber entstand durch die schon fast halbszenische Idee, Schuberts Tod und das Mädchen und die Frauenchor-Rarität Coronach als Totenfeier zusammen zu spannen. Zumal das Warum-so-früh-Thema mit dem zartströmenden Solo von Mae Dettenborn (als ängstlich sterbendes Mädchen) und dem Vokalensemble des Jugendchores an der Kieler Oper gerade dafür eine besonders bewegend „authentische“ Klangfolie über dem mollschwarzen Harfengrund bot.

Zu Beginn aber, anmoderiert von Selke Harten-Strehk, hatte eine Hommage an Benjamin Britten begeistert: Das Glasperlen- und Tautropfenspiel von Birgit Kaar an der Konzertharfe, vom Landesmusikrat gerade als „Instrument des Jahres“ ausgerufen, verschmolz aufs Schönste mit der quecksilbrigen Frische des Jugendchor-Vokalensembles, um eine zwischen Gregorianik und Moderne changierende Weihnachtsfeier besonderer Art zu zelebrieren. Noch rechtzeitig vor Mariä Lichtmess erklang Brittens reich irisierende Ceremony of Carols unter der sichtlich inspirierenden Leitung von Moritz Caffier – mal mühelos Text- und Rhythmus-flink, mal zerbrechlich innig und mal in himmlisch strömender Leuchtkraft.

Der Energiestrahl des jungen Frauenchors wunderte einen nicht mehr, sobald man frappiert erlebte, welche Vielzahl bereits gut durchgebildeter Stimmen hier und da mit solistischen Sonderaufgaben betraut werden konnten.

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Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

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