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Ohne Abstriche volles Programm

Landestheater Schleswig-Holstein Ohne Abstriche volles Programm

Man ist guter Dinge beim Landestheater Schleswig-Holstein. Im Foyer des Flensburger Hauses stellte Peter Grisebach gestern die Planung für die Saison 2015/16 vor.

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Das Landestheater geht demonstrativ auf Jung und Alt zu: Hier die Puppentheater-Produktion „Das Piratenschwein“ nach Cornelia Funke mit Sonja Langmack.

Quelle: Henrik Matzen/Landestheater Schleswig-Holstein

Flensburg. „Ohne jede Abstriche“, so der seit fünf Jahren erfolgreich amtierende Intendant, biete man „an allen Standorten volles Programm – auch in Schleswig!“. Und das soll, so hofft er, auch mittelfristig so bleiben. Ende des Monats beginnen Verhandlungen mit der wichtigen Ersatzspielstätte im Slevighus, nach dem 26. Juni wird dann klar sein, ob man die an die Stelle des inzwischen abgerissenen Theaters an der Schlei getretenen Räumlichkeiten bis 2019 nutzen kann.

Grisebach hat aktuell das Actori-Gutachten im Rücken, das ihm die Stabilität des totgesagten Landestheaters nach seinem Rezept bis 2025/26 bescheinigt. Außerdem verzeichnet er in der laufenden Saison eine „sensationell gute“ Wirtschaftslage der Institution, denn das drohende und im Etat deshalb fest eingeplante Defizit von 835000 Euro habe auf der Welle des Erfolgs komplett vermieden werden können. Außerdem habe sich eine Wiederbesetzungssperre für offene Stellen und die Aufgabe der risikoreichen Open-Air-Events im Schlosshof von Gottorf bezahlt gemacht. Jetzt stehe sogar eine Eigenkapitaldecke zur Verfügung, um etwas freier planen zu können. Mit Hilfe von Finanzpartnern könnte sich der Intendant in der Zukunft dann sogar wieder Open-Air-Aufführungen in Flensburg oder Rendsburg vorstellen.

„Biete so viel wie möglich Unterschiedliches“, bleibt Grisebachs Rezept. Mit Verdis La Traviata setzt er in der Musiktheater-Sparte auf einen italienischsprachigen Hit. Die virtuose Titelpartie soll Elvira Hasanagic singen, die zuletzt als Donizettis Lucia gefeiert wurde. Mozarts Figaros Hochzeit wird dagegen auf Deutsch gesungen. „Wir haben bei der deutschsprachigen Così viele dankbare Reaktionen geerntet“, so Grisebach. Klassische-Moderne-Rarität der Saison ist Werner Egks komische Gogol-Oper Der Revisor. Für Unterhaltung wird mit Kálmáns Operette Csárdásfürstin und dem Musical Crazy for you gesorgt. Mit letzterem swingt erstmals ein George-Gershwin-Evergreen am Landestheater. Die Tanz-Chefin Katharina Torwesten choreografiert Tschaikowskys vielleicht bestes Ballett Dornröschen. Außerdem blickt sie auf das Rokoko und seine Gefährlichen Liebschaften.

Solch eigenständige „Neuerfindungen“ prägen auch den Schauspiel-Spielplan. Es werden die Rainer-Werner-Fassbinder-Satire Lola und Thomas Manns Felix Krull für die Bühne adaptiert, außerdem spürt eine selbsterprobte „Doku-Fiktion nach David Graeber“ dem seit 5000 Jahren gesellschaftspolitisch aktuellen Thema Schulden – Von Moral, Macht, Wahn und Witz nach. Eher selten gespielte Klassiker wie Goethes Götz von Berlichingen (Regie führt mit Oliver Niehaus ein interessanter Newcomer) oder Shakespeares Ende gut, alles gut treffen auf Lustspiel-Vergnügungen wie Kristof Magnussons Männerhort oder Hermann Essigs Die Glückskuh. Für das ernste Gegengewicht sorgen Ibsens Baumeister Solness und eine spezielle Kammerspiel-Fassung von Schillers Maria Stuart.

Diese Trauerspiel-Komprimierung auf nur fünf Schauspieler und inszeniert von der spannend hellsichtigen Marie Bues dient zugleich als Brücke in den schulischen Deutsch-Unterricht. Grisebachs Team setzt verstärkt sowieso auf ein junges und ganz junges Publikum. Weil die Nachfrage von Schulen auffällig zugenommen hat, wird auch personell nachgerüstet, um das „Publikum von morgen“ mit dem Theater verführerisch in Kontakt zu bringen: Es wird ein zweiter Theaterpädagoge eingestellt. Mit Pinocchio, der Kinderoper The two Fiddlers von Peter Maxwell Davies oder dem Klassenzimmerstück Heldentat und Monstertod zur griechischen Sagenwelt geht das Landestheater in Vorleistung – und tauscht sich dann erstmals in Kooperation mit dem Theater Kiel und seiner Werftpark-Sparte aus.

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Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

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