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Holdrio again

Otto in der Sparkassen-Arena Holdrio again

„Sso lange war isch ohne eusch, mir fehlte das Applausgeräusch“ carpendalet der 68-jährige Mann im Paillettensakko und Flügelmütze, dann stimmen alle ein: „U-u-uhh-u-u, isch sag Holdrio Again“. Da ist er wieder: Otto Waalkes, etwas älter – wie wir alle, aber nach wie vor bereit zum Blödeln – wie wir alle.

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Otto Waalkes in der Sparkassen-Arena: Etwas älter, wie wir alle, aber nach wie vor bereit zum Blödeln.

Quelle: kpb:KAI-PETER BOYSEN

Kiel. -Zumindest wie die 3000 Zuschauer, die die Sehnsucht nach Songparodien, neuen Hänsel- und-Gretel-Variationen, Mitmach-Fabeln oder Neuem aus der unendlichen Weite ottonischer Englischübersetzungen in die Sparkassen Arena geführt hat. Vielleicht möchte man aber auch einfach nur in Erinnerungen schwelgen, im Otto-Sprachfundus wühlen und gemeinsam „Dänen lügen nicht“ singen. Aber auch Otto lügt nicht: „Da sitzt du aber schlecht, das ist genau meine Spritzrichtung“, warnt er, setzt die Flasche erst an den Mund, dann ans Ohr und schickt das mundwarme Nass gen erste Reihe. Nur keine Altersmilde.

 „Ich spiele jetzt ein Lied für einen Mann, der mir sehr am Herzen liegt – das bin ich selber“ witzelt er mit scheinbar schüchterner Kinderstimme und verschmitztem Lächeln. Es folgt „Friesenjung“, frei nach Stings „Englishman in New York“. Weniger glimpflich ergeht es Totos „Africa“, es wird zu „Arschgesicht“, auch der Schlagerklassiker „Dich gibt`s nur einmal für mich“ wird fachgerecht zerlegt.

 Immer wieder beachtlich ist Ottos Musikalität, sei es beim, trotz Schrammeln, immer groovigen Fingerpicking oder bei einer komplexen Percussion- Einlage mit Händen und Becher zum Gesang. Zwischen den Songs kleine Gags wie: „Mein Großvater fuhr immer sehr langsam, der wurde nicht geblitzt, der wurde gemalt“, dann wechselt der nach wie vor quirlige Komiker die Kopfbedeckung und auf geht`s zum Ottifantenbacken in Ottos Bäckerei – mit viel Mehl und Wasser für die ersten Reihen.

 Gute Tradition ist auch der Englischkursus, aber da heißt es wieder „Ebay,ebay, ebay – üben, üben, üben“, sonst kann man „She likes to twitter – sie zwitschert gern einen“ oder „Is this a Sony Ericsson? – Ist das Ihr Sohn Erich?“ „ No, this is a Samsung Galaxy – Nein, das ist Samson, der Außerirdische“ nicht folgen.

 Otto ist Kult, aber er versteht es auch geschickt, sich ständig neu zu erfinden, so ist er durch die „7 Zwerge“-Filme oder die Synchronisation von Sid, dem Faultier aus den „Ice Age“-Filmen, auch den Jüngsten ein Begriff. Als er alle Kinder nach vorn bittet, um einen Ottifanten in Empfang zu nehmen, findet sich ein beachtlicher ABC-Schützenverein vor der Bühne ein.

 Dann wird gemeinsam weitergesungen: „Über den Wolken“ im Billigflieger oder bis zum Zungenbruch, wenn aus „Guantanamera“ „Tadschikistanisch – tschetschenisch tadschikistanisch“ wird. Mit seinem ehemaligen Hamburger WG-Genossen Udo Lindenberg (als Einspieler von Otto selbst parodiert) nimmt er als „Dr. U und Dr. O“ die Schönheitschirurgie aufs Korn, dann folgt die umjubelte „Hänsel und Gretel“-Märchenstunde mit Hits wie „Pfefferkuchenland“ (Purs „Abenteuerland“) oder die Sido-Hexenvariante „Sie hebt ab (ist lange nicht geflogen)“.

 „Vergesst mich nicht“ ruft Otto zum Schluss und man möchte ihm antworten: Nein, keine Sorge, du hast den Rock`n Roll in die deutsche Komik gebracht, und der ist bekanntlich unsterblich.

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