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Von Vorgängern und Nachfolgern

Theater Kiel sucht kaufmännischen Direktor Von Vorgängern und Nachfolgern

Eigentlich wollte man am Kieler Theater kein großes Theater um dieses Thema machen. Nun kommt es doch anders als erwartet: Am Wochenende erscheint auch in den Kieler Nachrichten die Stellenausschreibung für die Position des kaufmännischen Direktors am Theater Kiel.

Kiel. . Seine beiden Mitstreiter im Vorstand, Generalintendant Daniel Karasek und Generalmusikdirektor Georg Fritzsch, wollen sich von Amtsinhaber Jörn Sturm trennen. Diese Entscheidung mag ihnen fristgemäß bereits vor gut einem Jahr nicht leicht, aber doch leichter gefallen sein, weil um sie herum bereits ein Name im Spiel gewesen sein dürfte, der als Nachfolger bestens geeignet schien.

 Weil er bereits der Vorgänger war: Ralf Klöter, der Ende 2011 von Kiel ans Nationaltheater Mannheim wechselte, um dort die Position des geschäftsführenden Intendanten zu übernehmen, soll 2015 leise, aber klare Signale gen Kiel gesandt haben, dass er Sehnsucht nach Norden verspüre – schließlich hat er auch noch ein Haus im Umland. Klöter war geschätzt und beliebt am seinerzeit reibungslos in die neue AöR-Rechtsforum überführten Theater. So sehr, dass man hellhörig war und die Personalie in den vergangenen Monaten beherzt und einvernehmlich verhandelte.

 Jörn Sturm, der nach wie vor in Hamburg seinen Hauptwohnsitz hat und damit die vom Intendanten gern zitierte Residenzpflicht nicht im gewünschten Umfang erfüllt, musste sich derweil damit arrangieren, dass er nach fünf Jahren erfolgreicher Arbeit seinen Platz im Führungstrio räumen muss. Für den Wunschkandidaten Klöter. – Von wegen: Kurz vor dem letzten Segen der Aufsichtsgremien kam jetzt, knapp ein Jahr vorm Antrittstermin, völlig überraschend ein Rückzieher aus Mannheim. Dumm gelaufen. Nun muss schnellstens gesucht werden: Alles auf Anfang...

 Die Absage vom Neckar dürfte die Kieler nachhaltig brüskiert haben. Sicher hätte Ralf Klöter gewisse Gehaltseinbußen gegenüber den größeren Bühnen in Baden Württemberg in Kauf genommen, weil die privaten Prioritäten und die Sympathie zu Kiel überwogen. Irgendetwas anderes wird ihm kurz vorm Ziel zum Zweifel Anlass gegeben haben – gerade als in Hamburg die Stelle des geschäftsführenden Direktors im Führungsquartett der Staatsoper ausgeschrieben war. Eine Top-Position, ebenfalls im Norden. Nachvollziehbar, wenn auch Jörn Sturm unter den gegebenen Umständen die Herausforderung in der Hansestadt sehen würde, wo er bis 2012 schon die Geschäfte auf Kampnagel geführt hatte. Er bringt aus Kiel gute Referenzen mit. Doch vorerst hat er hier trotz eines naheliegenden Risses im Führungstrio nicht nur mit Blick auf manch wichtige bauliche Maßnahme noch allerhand abzuarbeiten.

 Irrungen und Wirrungen um Posten und Partien gibt es auch am Theater – auf wie hinter der Bühne. Happy End hier wie dort nicht ausgeschlossen.

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Ein Artikel von
Konrad Bockemühl
Ressortleiter Kulturredaktion

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