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Schneidiger und durchdachter Pop

Von Wegen Lisbeth Schneidiger und durchdachter Pop

"Von Wegen Lisbeth", das ist unbeschwerter Indie-Pop, der sich dank variationsreichem Keyboard quietschfidel windet, mit schneidigen Melodien überzeugt und sofort zum Tanzen ansteckt. Am Freitag war das Berliner Pop-Quintett zu Gast im Max Nachttheater Kiel.

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"Von Wegen Lisbeth" im Max Nachttheater.

Quelle: Björn Schaller

Kiel. Dem Ambiente entsprechend sitzt das zahlreich erschienene Publikum im behaglich eingerichteten Apartment des Max Nachttheater als Fil Bo Riva, unterstützt von seinem Gitarristen Felix, seine sich steigernden Folk-Pop-Perlen wie Killer Queen oder Like A Hit spielt. Zurückhaltend, zart, zerbrechlich. Das Berliner Pop-Quintett Von Wegen Lisbeth konterkariert diesen ersten Eindruck des Abends. Kaum die Bühne geentert, werden zu Vor Deiner Tür vor der Bühne die Hüften geschwungen.

Dieser erste Song zeigt schon direkt auf, für was Von Wegen Lisbeth stehen: Unbeschwerter Indie-Pop, der sich dank variationsreichem Keyboard quietschfidel windet, mit schneidigen Melodien überzeugt und sofort zum Tanzen ansteckt. „Hallo Kiel, hier ist locker noch ein Meter Platz“, ruft Sänger Matthias Rohde. Alles rückt nach vorne und weiter geht’s. Die anfängliche Zurückhaltung im Raum fällt wie ein roter Vorhang, nicht zuletzt durch das Händchen der Band für schmissige Refrains.

Auffällig zudem die breite Instrumentierung. Zum Einsatz kommen im Laufe des Konzertes neben der üblichen Bandbesetzung unter anderem ein Wok, Triangel, Casioboards, Rassel und Xylophon. Die Berliner schaffen es immer wieder ihren eigenen Stil zu dehnen und zu sich selbst zurückzufinden. Dabei bleiben sie stets fintenreich und verspielt. Es fetzt bei Kavka Luise, knarzt bei US-Studie. Das Liebeslied Drüben Bei Penny verschleppt nur kurzweilig Tanz und Tempo. Die gewitzten Texte fügen sich treffend ein, die das Leben der Generation Y analysieren, zuweilen gar auseinander nehmen. Der erste kleine Hit und letzte Song im Set Sushi richtet sich etwa gegen alle, die ihr Essen auf Facebook posten.

Die Paradedisziplin der Band: Den Trash um sie herum aufsaugen, in ein poppiges Gewand wickeln, und launisch wiedergeben. Die Rufe nach der Zugabe folgen prompt und nehmen, laut Sänger Matthias, der Band den „Rockstar Moment“. Die Band bleibt auf der Bühne, legt mit 14 Tage Testversion noch einmal fetzig nach. Lange vorbei die Zeiten, als sie in der siebten Klasse über Maracuja-Joghurt und Schokoladenmüsli sangen. Den Humor beibehalten ist daraus durchdachter Pop geworden und auch wenn der Rockstar-Moment noch fehlt, so ist er nur eine Frage der Zeit.

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