11 ° / 3 ° Regenschauer

Navigation:
Der Klang der unsichtbaren Stadt

Vor der Premiere Der Klang der unsichtbaren Stadt

In den Gassen der Seiltänzer, Musikanten, Philosophen, kleinen Neurosen und Zweideutigkeiten ist richtig was los. Dort treibt sich Rudolf Stibills Romanfigur Roman Sürtiker herum, schweift durch eine eigentlich unsichtbare Stadt, indem er zugleich er selbst und unverwandt auch jeder andere sein kann.

Voriger Artikel
Von Danzig über Bremen nach Kiel
Nächster Artikel
Böll und Grass: Freunde trotz verschiedener Ansichten

Hans-Christian Hoth, Julian Arp und Caspar Frantz gestalten einen musikliterarischen Theaterabend.

Quelle: Theater Kiel

Kiel. Schon seit 1985 treibt sein Wortwitz den Kabarettisten, Schauspieler und Autor Hans-Christian Hoth immer wieder gerne solistisch auf die Bühne.

 Die surrealistische Lyrik des 1924 in Graz geborenen Dichters, der in Rendsburg einst Hoths prägender Deutschlehrer war, soll am Sonntag im Kieler Schauspielhaus in einer Art „Vexierspiel“ der Künste erstmals auch musikalisch bespiegelt werden. Wie zuletzt im amüsanten Duo-Abend Endlich Musik! findet sich der Wahlkieler dabei mit dem gebürtigen Kieler, jetzt in Berlin lebenden und in Leipzig lehrenden Pianisten Caspar Frantz für einen gerafften 80-Minuten-Streifzug durch La ville imaginaire zusammen. Der Musiker bringt dabei seinen langjährigen Duo-Partner als Cellisten mit: „Julian Arp und ich sind beide sehr literaturaffin“, erzählt Frantz im Vorgespräch. „Man deutet die Musik und den Text gegenseitig – sozusagen durch verschiedene Brillen, die man aufsetzt und die zum Teil auch sehr schnell wechseln. So entsteht eine spannend neuartige Interaktion.“

 Hoth schwärmt von der Neuverzahnung einer Auswahl aus dem 63-Gedichte-Zyklus bei dem Projekt: „Es gibt Sequenzen, die wie die Faust aufs Auge passen und überraschende Akzente setzen. Das Spiel von Caspar und Julian, das merke ich in den Proben, zieht mich richtig hinein in eine tiefere Schicht des Textes.“ Das Cello-Klavier-Duo steuere komplette Sätze von Werken zwischen Schubert und Webern als „Kontaktpunkte“ bei. Stücke von Debussy, Fauré, Janacek, Ravel, Saint-Saens oder de Falla sollen Brücken bilden oder werden zur klingenden Grundlage von melodramatischen Textüberlappungen. „Durch die Wörter erlebt man Pausen und Momente des Innehaltens in der Musik tatsächlich ganz anders“, so Frantz.

 Man ist sich einig: Der 1995 in Rendsburg verstorbene Stibill, selber ein beachtlicher Pianist, Freund Alfred Brendels und langjähriger Autor für den Österreichischen Rundfunk, habe gerade aus dem Munde des 1946 auf Anregung des surrealistischen Maler-Freundes Graf Hugo von Schönborn erschaffenen Sürtiker eine besonders musiknahe Wortspiel-Poesie kultiviert.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Anzeige
ANZEIGE
Mehr aus Nachrichten: Kultur 2/3