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Der Platz der Ringe

Muthesius Kunsthochschule Der Platz der Ringe

Zwei aufeinanderliegende Ringe aus Stahl, nicht ganz perfekt in ihrer runden Form, sollen künftig den Platz vor dem Verwaltungsgebäude der Muthesius Kunsthochschule an der Kieler Legien- und Wilhelminenstraße prägen. "Frei Hand" heißt der preisgekrönte Entwurf von Regine Schulz.

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Gute Laune aus der bunten Tüte

Freihand konzipierte Regine Schulz (25) ihren Gestaltungsentwurf, der nun in zwei Stahlringen auf dem Platz vor dem Muthesius-Verwaltungsgebäude umgesetzt werden soll.

Quelle: fpr: Frank Peter

Kiel. Schulz' Entwurf verweist auf den Ausgangspunkt der Skulptur, der in der freien Zeichnung liegt. Und er bezieht sich ausdrücklich auf die Freiheit als notwendige Bedingung für künstlerisches Schaffen und die Lehre an einer Hochschule – nach Johan Stuart Mill: „Das Genie kann nur in einer Atmosphäre der Freiheit frei atmen“.

 Nach neunstündiger Sitzung hat eine sechsköpfige Jury aus Hochschulmitgliedern und Kuratoren aus Kiel und Hamburg den Entwurf der 25-jährigen Masterstudentin aus Elmshorn den ersten Preis (1600 Euro) zugesprochen und damit auch seine Realisierung. 15 Arbeiten galt es zu sichten, von Studenten zwischen dem 3. und dem 12. Semester entworfen. Muthesius-Präsident Arne Zerbst spricht von einem so hohen Niveau, „dass eigentlich jede Arbeit einer Realisierung würdig gewesen wäre“. Der interne Wettbewerb wurde von Prof. Elisabeth Wagner (Bildhauerei) initiiert und richtete sich an alle Studierenden der Freien Kunst mit dem Ziel, „eine künstlerische Arbeit zu entwickeln, die auf die Kunsthochschule und ihre architektonischen, funktionalen und inhaltlichen Merkmale aufmerksam macht“.

 Bis zum Oktober soll nun die Siegerarbeit auf dem ehemaligen „Schmuckplatz“ der Hochschule umgesetzt werden und damit auf dem unbelebten Grauraum mit der bunten Bauklotz-Skulptur einen neuen Akzent setzen. Der Kreis, den Regine Schulz auch als Sinnbild für Fortschritt sieht, steht dort, wo vor dem Krieg ein Brunnen stand – und greift damit dessen Form auf. Aus der leichten Zeichnung wird eine drei Tonnen schwere Skulptur: zwei leicht versetzte, jeweils 20 cm hohe, schwarze Stahlringe, die mit einem Durchmesser von 18 Metern über den triangelförmigen Vorplatz leiten und den freien Raum erfahrbar machen sollen.

 Sabrina Schuppelius (31, Masterstudentin Freie Kunst) bekam für ihre Arbeit Ausstellung den zweiten Preis (800 Euro). Sie verschiebt ein Drittel der konischen Form des Vorplatzes um 80 Zentimeter in Richtung Legienstraße. Mit diesem dezenten Eingriff schafft sie einen Dialog zwischen öffentlichem und Hochschulraum. Augenfälliger ist der skurrile Tennisplatz von Wanja Kotschi (25, Bachelorstudent Freie Kunst), der verzerrt in die Form des Vorplatzes eingepasst wird – bildhauerisch umgesetzt mit einem „Netz“ aus Stahl auf ziegelroter Fläche: dritter Preis (400 Euro).

 Initiatorin Elisabeth Wagner kann sich letztlich für jeden der Entwürfe begeistern. Die Modelle zeigen vielseitige Kreativität, wobei sich alle Teilnehmer intensiv nicht nur mit der künstlerischen Idee, sondern auch mit Material, Umsetzung und dem Kostenrahmen (12600 Euro) auseinandergesetzt haben. So reproduziert das Erbstück von Julian Böhlendorf einen alten Eichenschrank, womöglich von Hermann Muthesius, in Corten-Stahl und öffnet ihn tageszeitabhängig für Einsichten oder auch gewagte Blicke. Hannes Nienhüser wiederum platziert unter dem Titel Say Cheese eine überdimensionale Hand, die uns an einem entsprechenden Selfie-Stick einen Spiegel vorhält. Daniela Takeva plant mit Zikkurat einen sieben Meter hohen Turmbau analog zu Babel und schafft mit einem goldenen Arbeitstisch ganz oben auch die Assoziation eines Elfenbeinturms.

 Die Kunst Lounge von Reza Ghadyani ist ein riesiges, farbiges Schneckenhaus, in dessen Inneren kleine Ausstellungen zu sehen und (nicht nur Meeres-) Geräusche zu vernehmen sein sollen.

 In A Space without Pillows platzieren Hannah Bohnen und Linda Dethlefs vier überdimensionale Beton-Sitzkissen auf dem Vorplatz, während Linn Johanna Johannsen in ihrer interaktiven Installation Platz für Farbe mit einem orangefarbenen Kreideautomaten zur farbgebenden Kreativität mit Kreide ermuntert, um den Platz fluktuierend aufzuwerten.

www.muthesius-kunsthochschule.de

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Ein Artikel von
Konrad Bockemühl
Ressortleiter Kulturredaktion

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