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Nördliche Begegnungen

Wachholtz Verlag stellte Detlef Kraacks Buch zur Geschichte Schleswig-Holsteins vor Nördliche Begegnungen

Geschichte lebt von den Menschen, die sie machen. Deshalb hat der Historiker Detlev Kraack im Buch "Begegnungen" 132 Persönlichkeiten aus der Geschichte Schleswig-Holsteins gesammelt.

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Schleswig-holsteinisches Lesebuch: (v. li.) Wachholtz-Verleger Olaf Irlenkäuser, Autor Detlev Kraack, Ministerpräsident Torsten Albig.

Quelle: bos: Björn Schaller

Kiel. 14 Herzöge, zwölf Schriftsteller, sechs Könige und fünf Ministerpräsidenten – die Zahlen stehen für die bunte Mischung an Persönlichkeiten aus Schleswig-Holstein, die der Historiker Detlef Kraack in dem Band Begegnungen versammelt. Eine Landesgeschichte in 132 Lebensbildern aus zwölf Jahrhunderten, die der Autor gestern mit Ministerpräsident Torsten Albig und Geschäftsführer Olaf Irlenkäuser im Wachholtz Verlag in Kiel vorstellte. Bewusst ausschnitthaft, quer durch Künste, Politik, Kultur- und Geistesgeschichte – und passend zum Jubiläum 70 Jahre Bundesland Schleswig-Holstein sowie dem ersten Tag der Landesgeschichte, der im Juni in Rendsburg stattfindet.

 Den Anfang der knapp verdichteten Porträts, die jeweils von einer ganzseitigen Abbildung begleitet werden, macht der Missionar Ansgar, den es im 9. Jahrhundert von der Normandie an die Nordsee trieb, wo er zum ersten Erzbischof von Hamburg wurde. Der dänische König Harald Blauzahn, in dessen Regierungszeit das Bistum Schleswig entstand, ist ebenso dabei wie Auguste Viktoria, die spätere Ehefrau Wilhelms II. Mit dem Historiker Friedrich Christoph Dahlmann oder dem Juristen Theodor Olshausen bekommt hier mancher gängige Kieler Straßenname Gesicht und Geschichte, während Emil Nolde, Katharina die Große, Thomas Mann und Willy Brandt selbstverständlich zu den prägenden Größen des Landes gehören. Aber auch Lilli Martius gehört dazu, die erste Kustodin der Kieler Kunsthalle.

 Detlef Kraack ging es darum, so im Vorwort, „grundlegende Problemfelder der landesgeschichtlichen Entwicklung“ zu erfassen. Dazu gehört die Mischung der Ethnien und Kulturen im Früh- und Hochmittelalter ebenso wie der deutsch-dänische Nationalitätenkonflikt im 19. Jahrhundert. Bei aller Konzentration auf die „großen Persönlichkeiten“ aber hat der Historiker auch Menschen entdeckt, die eher zu den Unbeachteten gehörten wie Bauer Gottschalk aus Nortorf (12. Jahrhundert), von dem die Aufzeichnungen seiner „Jenseitsvisionen“ überliefert sind. Außerdem habe er „Bösewichte und Lichtgestalten“ nebeneinander stellen wollen. So fanden Admiral Dönitz und der Literat Hans Friedrich Blunck, Mitglied des der Nazi-Ideologie nahestehenden „Eutiner Dichterkreises“ und Präsident der Reichsschrifttumskammer, Eingang in das Buch.

 Ein illustres Puzzle, dem, wer will, anhand der beigegebenen Literaturliste im Einzelnen weiter nachspüren kann. Und ein „Bilderbuch“, das ohne das Bildmaterial der Landesbibliothek und den Einsatz von Direktor Jens Ahlers so kaum denkbar gewesen wäre. Dass die Auswahl nur lückenhaft sein kann, ist dem Autor bewusst. Schauspielergrößen wie Hans Söhnker oder Gustaf Gründgens fehlen da ebenso wie die Schriftstellerin Fanny zu Reventlow oder der Kinderbuchautor James Krüss. Grund genug, wie Ahlers vorschlägt, das Projekt doch bald fortzusetzen.

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