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Auferstanden aus dem Matsch

Wacken Open Air 2015 Auferstanden aus dem Matsch

Wacken und seine 75000 Besucher liefen am Wochenende wieder fast rund. Der Boden war noch tief und Gummistiefel das Schuhwerk der Wahl, aber die Gemüter erhellten sich bereits am Freitag zusehends. Auf dem Gelände bildeten sich wieder einige Inseln zum Hinsetzen oder -legen und auf den Bühnen reichten sich die etablierten Acts wie Dream Theater, Opeth, In Flames, Sabaton oder Judas Priest den stählernen Staffelstab.

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Die Progmetalgötter Dream Theater um Gitarrenheld John Petrucci gehören eher zum Hirn des Metalkörpers.

Quelle: Michael Kaniecki

Wacken. Egal wie geradezu zwanghaft das mediale Bild der dem Matsch trotzenden, permanent feiernden Metalgemeinde kolportiert wurde, am Mittwoch und Donnerstag hatten die Metal-Jünger schwer am (umgedrehten) Kreuz durch den Schlamm zu tragen.

Die Wolken haben sich verzogen, beim Wacken-Festival steht wieder gute Laune auf dem Programm.

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Doch die Sonne kam, und mit ihr auch die Szenegrößen im Stundentakt, wie beispielsweise die schwedischen Prog-/Deathmetaller Opeth. Sänger und Gitarrist Mikael Åkerfeldt ist ein Mann mit feinem Humor, der das Publikum mit: „Guten Tag! Mein Hund ist dunkelblau“ begrüßte und mit „maybe we have to see you again soon“ verabschiedete. Dazwischen lag eine gute Stunde edler Kompositionen zum Chillen in der Abendsonne oder massiven Headbangen.

Auch die Progmetalgötter Dream Theater um Gitarrenheld John Petrucci gehören eher zum Hirn des Metalkörpers. Sie feierten ihre Wacken-Premiere mit rhythmisch hochkomplexen und solosatten Songs wie „Metropolis Pt. 1: The Miracle And The Sleeper“ und als Sänger James LaBrie die Ballade „The Spirit Carries On“ anstimmte, flossen in den ersten Reihen echte Metallertränen, die das restliche Publikum mit respektvollem Applaus oder Belustigung quittierte.

Auf dem Wacken Plaza war die Bodensituation noch ähnlich mies wie am Donnerstag, aber ein blauer Himmel ist ein blauer Himmel… Auf den dortigen beiden Zeltbühnen bescherten Bands wie Cannibal Corpse, Morgoth oder die knüppelharten Suicide Silence den Deathmetal-Freunden Glücksmomente. Auch das erst 14-jährige Gitarrentalent Nik Kai beeindruckte durch fortgeschrittene Spielkultur.

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Eine Frau mit dem Pseudonym "Dr. Blood" n Wacken.

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Vor den Hauptbühnen herrschte abends ein riesen Andrang. So auch beim Gig von Black Label Society. Die Band von Zakk Wylde, dem Ex-Gitarristen von Ozzy Osbourne spielte einfachen und schwermütig beladenen Metal der tiefer gestimmten Sorte. Herr Wylde legte ein dreckiges Old-School-Gitarrensolo hin und zollte dem verstorbenen Gitarristen Dimebag Darrell mit sanfter Stimme am Piano Respekt.

Ein echtes Meister-Feuerwerk brannten In Flames auf der True Metal Stage ab, mit enormer Stilvielfalt legten Sänger Anders Fridén im Overall („Seit ich 40 bin, trage ich weiß“) und seine Mannen das Gelände in Schutt und Asche. Am Sonnabend prügelten unter anderem die Deathmetaller Bloodbath in blutiger Optik drauflos, abends pilgerten die Massen zu Sabaton aus Schweden.

Die Metalszene ist eine Familie und das Wacken Open Air ein Haus, in dem wie früher die Alten mit unterm Dach wohnen und respektvoll behandelt werden, so genießen Bands wie Running Wild mit ihrem Hymnen-Piratenmetal  Kultstatus und werden ebenso verehrt wie Judas Priest und ihr Sänger Rob Halford. Dass diese Bands nicht mehr die entfesselte Dynamik früherer Jahre haben, ist klar, aber sie haben mit gesät, was heute in enormer Vielfalt blüht, und wer einmal die Schönheit hinter jeder noch so harten Fassade entdeckt hat, bleibt ihr erlegen. Der rasend schnelle Ausverkauf des W:O:A trotz fehlender (und teurer) „Superbands“ und deren Egos beweist dies jedes Jahr aufs Neue.

Das sind die Bilder vom Wacken-Festival 2015.

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Musik
Jetzt wird endllich gerockt in Wacken.

Metal-Bands von Brasilien bis Schweden haben den Fans beim Wacken Open Air am Freitag eingeheizt. Mit Symphonic Metal begeisterte die niederländische Band Epica bereits am Vormittag, als sie den Fans nach einer durchfrorenen Nacht eine Pyroshow lieferte.

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