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Fabel, Furcht und Farbenspiel

Wagners Musikdrama „Siegfried“ Fabel, Furcht und Farbenspiel

Wotan will’s noch einmal wissen. In Daniel Karaseks Siegfried-Inszenierung, Fortsetzung des entstehenden Ring-Zyklus an der Oper Kiel, ist der Göttervater kein passiv beobachtender Wandersmann, sondern ein Weltenlenker am unaufhaltsam rollenden Rad einer neu anbrechenden Zeit.

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Wotan will’s noch einmal wissen in Daniel Karaseks Siegfried-Inszenierung im Theater in Kiel.

Quelle: Olaf Struck

Kiel. Einen seiner berühmten Raben entsendet er ganz konkret personifiziert (zauberhaft klarer Waldvogel: Mercedes Arcuri), um seinen Erben Siegfried in die Spur zu setzen. Sowieso ist Thomas Hall in Erscheinung, Stimme und Sprachmächtigkeit so etwas wie das Oberhaupt eines enorm starken Sängerensembles. So entstehen imposante Momente, etwa, wenn er die taumelnde Erda (wunderbar farbsatt im tiefen Register: Tatia Jibladze) aus Schlaf und Versenkung herauf in das Gewirr längst erblindeter Erinnerungsfenster ruft, mit denen die Bühnengestalterin Chiharu Shiota sie ummantelt.

Alles andere geschieht einfach – wie im Märchen. Bradley Daley tourt nicht selten im Privatmodus über die Bühne, so unbedarft unkünstlich fällt sein Riesenbaby Siegfried aus. Sein Debüt in der kräftezehrenden Titelpartie ist sängerisch dagegen bestens gelungen. Im Finale trifft der Australier auf eine furchterregend nordische Walküre, mit der er seine Ängste vor der aufflammenden Liebe geradezu anrührend scheu austauschen kann. Die finnische Hochdramatische Kirsi Tiihonen gestaltet die schwierig gleißende Brünnhilde-Partie sehr souverän und ihrerseits ausdrucksstark verletzlich. Siegfrieds Gegner sind nicht minder überzeugend besetzt: José Montero (Mime), Jörg Sabrowski (Alberich), Timo Riihonen (Fafner).

Generalmusikdirektor Georg Fritzsch animiert die Kieler Philharmoniker zu einem mehrdimensional tiefengestaffelt aufgefächerten Wagner-Spektrum. Vor allem im dritten Akt ist der Klangregisseur Fritzsch hörbar ganz in seinem Element, fordert nun auch hitzige Dramatik und grellere Effekte. Kein Wunder also, dass sich das Premierenpublikum von so viel musikalischer Kompetenz und szenischer Fabel-Treue begeistert zeigt.

www.theater-kiel.de

(eine ausführliche Rezension lesen Sie am 13. März in unserer Print- und ePaper-Ausgabe)

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Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

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