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Erkundungstour im Mittelalter

Wagners „Rienzi“ in Kiel Erkundungstour im Mittelalter

„Wir haben die Essenz!“: Kiels Zweiter Kapellmeister Michael Nündel dirigiert am Mittwoch die konzertante Premiere von Richard Wagners früher Oper Rienzi – und hat die unbestrittenen Längen durch Kürzungen auf zwei kompakte Stunden eingedämmt.

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Der Dirigent Michael Nündel, Zweiter Kapellmeister an der Kieler Oper, führt in der Choroper „Rienzi“ auch den Philharmonischen Chor mit dem Opernchor zusammen.

Quelle: Björn Schaller

Kiel. Der Dramaturg Ulrich Frey sorgt mit einem eigens für die Fassung erstellten Moderationstext für Überleitungen. Während der Komponist selber gerne über seinen Dresdner „Schreihals“ Rienzi geschimpft hat, sieht Nündel auch jenseits der herrlichen Ouvertüre „starke Seiten“ in der Musik. Er begeistert sich für die „stilistische Vielgestaltigkeit“, die an Haydns Schöpfung beim Friedensboten, Freischütz-Momente, vor allem aber viel Belcanto biete, „verzierungsreicher Gesang mit sparsamer Begleitung“. Nündel hat in der Kieler Fassung das pompös Politische in der Geschichte über den glücklosen letzten römischen Volkstribunen Cola di Rienzo eingedämmt, entfernt sich dadurch etwas von der Grand Opéra à la Paris.

 „Manchmal scheint der reife Wagner in der technisch allemal anspruchsvollen Partitur auf, 16 Takte Parsifal, etwas Ring, mystische Farben.“ Spannend findet der Dirigent auch, dass Wagner im Liebespaar den Adriano als Mezzosopran-Hosenrolle schreibt und das am Rathausplatz auch tatsächlich so besetzt werden kann. Ansonsten möchte er aber auch bewusst „kriegerische harte“ Anklänge, etwa „die eher rohe Instrumentation, wenn Rom in Flammen aufgeht“ herausarbeiten und auf eher mittelalterliche Tonmalerei setzen.

 Sung Kyu Park hat die herausfordernde Aufgabe, die berühmt-berüchtigte Titelpartie zu singen. Von den Wagnerrollen, die er bisher verkörpert hat, sei die des römischen Heerführers eindeutig die „italienischte“, gibt der Koreaner im Vorgespräch zu bedenken. Für seine heroische Persönlichkeit und Gesangsphrasen in hoher Tessitura, sprich überwiegend hoher Lage, sei eine sichere Technik nötig. Park vergleicht den Rienzi mit Verdis Radames in Aida: „Auch das ist keine reine Kraftmeierei, sondern fordert auch weiche, kantable Passagen. Mit dem Radames reüssierte Park in Kiel und gab hier sein Deutschland-Debut. Im Nachhinein amüsiert ihn noch der Unterschied zu italienischen Opernhäuser, die er zuvor gewohnt war: „In Deutschland wird viel mehr geprobt, die Individualität des Sängers und der Stimme berücksichtigt. In Italien weiß jeder gleich, wie eine bestimmte Partie zu klingen hat – wie bei Corelli oder wie bei Bergonzi ...“ Park, der derzeit in Catania auf Sizilien den Samson in Saint-Saens’ Oper singt, begeistert sich für Partien, die auf einem großen Orchesterapparat strömen und trotzdem lyrische Momente zulassen. Besonders liebt er deshalb Massenets Werther.

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Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

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