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Peter Doig oder Kiel ganz vorn

Kulturgut Peter Doig oder Kiel ganz vorn

Peter Doig zählt zu den höchstbezahlten Gegenwartskünstlern. Wir erzählen, wie es dazu kam, das Kiel gleich zwei Gemälde des schottischen Malers hat.

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Peter Doig 1998 in Kiel vor dem Bild „Okahumkee“.

Kiel. Das hatten meine Hauptstadtfreundinnen Kiel nicht zugetraut: „Ihr habt ja zwei Doigs!“, lautete anerkennend-gönnerhaft der Ritterschlag nach einem Besuch der Kieler Kunsthalle. Der Respekt ist berechtigt, denn der gebürtige Schotte malt nicht nur geheimnisvoll gute Bilder, Peter Doig zählt auch zu den Rekordbrechern des internationalen Kunstmarkts. Sein Gemälde Swamped, das ein weißes Kanu auf einer Wasserfläche in titelgebender Sumpflandschaft zeigt, brachte im Mai des vergangenen Jahres bei Christie’s in New York den sagenhaften Preis von 25,9 Millionen US-Dollar. Umgerechnet 23,08 Millionen Euro.

 Das Kanu sollte sieben Jahre später als Bildmotiv bei Doig wieder auftauchen: Eine Einstellung aus der US-amerikanischen Horrorfilm-Serie Freitag der 13. lieferte dem Maler die Inspiration für Canoe-Lake. Im Film markiert es den Moment, als der psychopathische Serienmörder Jason aus dem Wasser emporschießt, um die einzig Überlebende von hinten zu greifen und mit sich in die Tiefe zu reißen.

 Um die Geschichte über den Atlantik zurück nach Kiel zu bringen, braucht es die Erinnerung. Die dämmert nun Bild für Bild wieder auf. Erworben hatte Kiels damaliger Kunsthallendirektor Hans-Werner Schmidt die beiden Doig-Gemälde Okahumkee (1990) und das damals atelierfrische Bird-House 1995 bei der Berliner Galerie Contemporary Fine Arts. Peter Doig war zu dieser Zeit beileibe kein unbekannter Künstler, aber eine Solo-Show im Museum hatte er noch nicht vorzuweisen. Die Kunsthalle zu Kiel hatte die Nase also vorn, als sie dem Maler 1998 eine Einzelausstellung einrichtete. Und Doig gab bereitwillig Auskunft über die Wildnis als Lieblingsmotiv und sein Atelier im lauten London. Kooperationspartner waren damals die Londoner Whitechapel Art Gallery und die Kunsthalle Nürnberg. Sie zeigten die Schau unter dem Titel Blizzard seventy-seven im Anschluss. Hans-Werner Schmidt, heute Direktor des Museums der bildenden Künste in Leipzig, hatte Position bezogen für einen Künstler, der auf dem Markt heute zu den höchstgehandelten zählt – und damit vollständig außer Reichweite für die meisten Museen ist. Jens Christian Jensen, der das Haus in Kiel ab 1971 für die Moderne aufgestellt hatte, machte es vor. Weil die Lücken der klassischen Moderne ohnehin nicht zu schließen waren, setzte er auf Zeitgenössisches. Natascha Driever, Sprecherin der Kunsthalle, bringt Gerhard Richters Gemälde Abendstimmung von 1972 ins Spiel, das Jensen für die Sammlung für 6330 DM ankaufte. Heute wäre es unbezahlbar.

 Auf die Frage, ob solche Wertsteigerungen dem Museum Kopfzerbrechen bereiten, kommt aus der Kunsthalle eine gelassene Antwort. „Das ist nicht der Fokus, den wir als Museum haben“, sagt Natascha Driever. Gut so.

 Der 57-jährige Peter Doig, der als Kind mit seinen Eltern in Trinidad und dann in Kanada gelebt hatte, ist mit seiner Familie seit 2002 wieder auf der Karibikinsel heimisch. Interviews gibt er ungern – damals in Kiel, siehe oben, war er gesprächig.

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Ein Artikel von
Maren Kruse
Kulturredaktion

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