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Im Fluss der Assoziationen

Waterscapes Im Fluss der Assoziationen

Der Ursprung allen Lebens ist Wasser seit Jahrhunderten ein elementares Thema in der Kunst. Wie diese Tradition heute fortgesetzt wird, zeigt die Stadtgalerie mit der deutsch-finnischen Ausstellung Waterscapes.

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Von bizarrer Schönheit sind Tuula Närhinens aus Müll zusammengesetzten Objekte, die wie organisches Material in übergroßen Reagenzgläsern dümpeln.

Quelle: Marco Ehrhardt

Kiel. Wasserlandschaften in der Gegenwartskunst. Zehn künstlerische Positionen setzen sich in Bildern und Videoarbeiten, Installationen und Fotografien mit dem weit gefassten Themenspektrum auseinander – selten ironisch, manchmal kritisch, oft poetisch und bisweilen nachdenklich. Ausgewählt wurden die Arbeiten von Kuratorin Ritva Röminger-Czako, nicht zum ersten Mal mit einem deutsch-finnischen Projekt in der Stadtgalerie zu Gast.

 Wasser kann schön sein, bedrohlich und bedroht. Es kann pflegen und zerstören, tragen und töten. Im Foyer der Stadtgalerie macht es (auch) Musik. Klang- und Installationskünstler Heiko Wommelsdorf lässt eine Kakophonie aus Tropf-Geräuschen erklingen, abgelauscht nach heftigen Regengüssen von Fallrohren in der Stadt. Auf die potentielle Gefahr, die von dem nassen Element ausgeht, verweist der Muthesius-Absolvent mit Türmen aus Sandsäcken. Dazu dringt ein undefinierbares, dumpfes Gurgeln ans Ohr, „gefischt“ mit dem Unterwassermikrophon aus der Elbe bei Lauenburg kurz nach der Jahrhundertflut.

 Vergleichsweise heiter geht es im ersten Galerieraum weiter. Hier hat Antti Laitinen ein Segelboot aus Baumrinde platziert, mit drei Meter Länge ein Ungetüm, dessen Schwimmfähigkeit man bezweifeln möchte. Wären da nicht die Videoaufnahmen und Fotos, die den Künstler in Aktion zeigen – segelnd von Finnland nach Estland. Ganze 19 Stunden dauerte der künstlerischer Selbstversuch, unternommen aus reiner Neugier – ohne naheliegende politische Hintergedanken. Die finden sich eher in Stefan Stößels 56-teilige Fotoserie. Seine Aufnahmen zeigen Frachter und Schlepper auf dem Rhein, deren klingende Namen in der Reihung eine absurde Erhabenheit vorgaukeln. Einen Sinn fürs Skurrile beweist Sebastian Stumpf, der in seinen Videos als experimenteller Performer im urbanen Raum mit kühnen Brückensprüngen und reglosen Pfützenbädern zum Schmunzeln einlädt.

 Nachdenklich wird es bei Jaakko Heikkilä. Mit einer malerischen Fotoserie, die in Venedig entstanden ist, verweist der als Dokumentarfotograf bekannt gewordene Künstler aus Kukkola auf den drohenden Verfall der Lagunenstadt. Spiegelungen der Paläste im Wasser des Kanals hat er mit der Kamera festgehalten. Die Konturen der historischen Architektur scheinen sich von Bild zu Bild aufzulösen. Die atmosphärische Dichte dieser Serie setzt sich dank einer geschickten Ausstellungsdramaturgie von Raum zu Raum fort. Das Moment der Auflösung findet sich auch in den Ölgemälden von Tiina Heiska. In ihren melancholischen Seelenlandschaften wird das Wasser zur Bühne, auf der verschwommene Figuren wie Traumgestalten agieren. Die Poesie der Gemälde findet wiederum ein Echo in den vielschichtigen, abstrakten Collagen von Anett Stuth sowie in einem sensiblen Video von Elina Brotherus. Die renommierte Videokünstlerin inszeniert sich hier als Schwimmerin in endlos weiter Seenlandschaft. Aufgenommen zu unterschiedlichen Tageszeiten rücken die immer gleichen, lautlosen Bilder das fragile Verhältnis von Mensch und Natur in den Fokus.

 Auf andere Weise erzählerisch sind die Gemälde und Zeichnungen von Tilo Baumgärtel. Wie Illustrationen aus dem Märchenbuch wirken die wilden Wasserlandschaften des Leipzigers, der seine surrealen Bildwelten durch expressive Farbgebung akzentuiert. Mit dem Reiz des Geheimnisvollen spielt auch Tuula Närhinen. Mit ihren spannenden Zeichnungen, Videos und Skulpturen erweitert die Künstlerin aus Helsinki das Ausstellungsmotto, indem sie eine Lanze für die Umwelt bricht.

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