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„Ich male, um sie zu besitzen“

Wenzel Hablik im Museum Itzehoe „Ich male, um sie zu besitzen“

„Ich male, um sie zu besitzen. Ich buhle um sie durch Kunst“, notiert Wenzel Hablik 1905 über das Porträt seiner Freundin Grete Sattler. Kein zartes Objekt der Begierde, sondern die Augen einer selbstbewussten Frau schauen den Betrachter an. Die vibrierend-expressive Bildnis-Studie ist eines von 70 Porträts von Wenzel Hablik, mit der das Museum in Itzehoe jetzt ein bislang weitgehend unbekanntes Kapitel des visionären Künstlers aufblättert.

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Die Bildnisse Wenzel Habliks wurden bislang kaum gezeigt: Museumsvolontärin Katharina Gräber wartet mit Entdeckungen auf.

Quelle: Michael Kaniecki

Itzehoe. Denn ich habe vieles mit Herzblut gemalt lautet der Titel der Schau, mit der ein doppeltes Jubiläum begangen wird: Vor 30 Jahren legten die Töchter des 1934 verstorbenen Künstlers mit ihrer Stiftung den Grundstein für das Museum, das in diesem Jahr seit 20 Jahren besteht. Dass Habliks künstlerisches Universum immer noch Raum für aufregende Entdeckungen bietet, zeigte sich zuletzt an den freigelegten Wandmalereien in seinem ehemaligen Wohnhaus in der Talstraße 14. Museumsleiterin Katrin Maibaum freut sich, dass sie im reichen Bestand nun den Blick auf die Porträts richten kann. Museumsvolontärin Katharina Gräber hat sich intensiv und mit sichtlicher Freude mit dieser Facette des Hablikschen Werks befasst und spürt in der von ihr kuratierten Ausstellung rasanten stilistischen Wandlungen nach.

 Schon ab 1905 während seiner Prager Akademiejahre malt Hablik immer häufiger Porträts. Seine Modelle sind zunächst Weggefährten, Studienkollegen und immer wieder Frauen. Schwärmerische Verliebtheit verbindet den Maler nicht selten mit seinem Gegenüber, zuweilen aber auch unglückliche Liebe. Für Gertrud Spitz, eine Freundin aus seiner Heimatstadt Brüx, habe Hablik geradezu gebrannt, sagt Katharina Gräber. Sie sei verlobt gewesen, die Beziehung aussichtslos, der Maler litt: „Ich habe Gertrud gemalt, schreibt Hablik in sein Tagebuch, „unseliges Wahnbild meiner Hände, wie’s höhnisch mir entgegengrinst – ein Fluch der Freude, die den Pinsel schwingt ...“ Schwer in Worte zu fassen, die expressive Intensität und leuchtende Farbkraft, der dynamische, fast nervöse Duktus, mit dem Hablik der Faszination für diese Frau Ausdruck gibt. Wie Flammen legen sich die Pinselspuren eng an das Gesicht der Frau mit dem hochgesteckten Haar. Die Seelentiefe Munchs ist da zu spüren und die nervöse Spannung Vincent van Goghs, dessen Malerei Hablik zwei Jahre zuvor auf der Ausstellung der Wiener Secession gesehen haben muss. Aber das war nur eine, die persönliche, eher private Seite seiner Porträtmalerei, sagt die Kuratorin und verweist auf ungleich akademischere Bildnisse, mit denen sich Hablik die Gunst seiner Auftraggeber sichern wollte, aber stets an sich und seinem Können zweifelte.

 Unbegründete Zweifel. Als sich Hablik dank seines Mäzens Richard Biel 1907 in Itzehoe etabliert hatte, folgten auch Porträtaufträge. Rar dagegen sind Selbstporträts des Künstlers. In einer Zeichnung karikiert er sich als Grimassen schneidenden kahlköpfigen ewiger Zigarrenraucher. Seine Auftritte im beschaulichen Itzehoe hätte man gern erlebt. Ja spleenig, das sei er wirklich gewesen, lächeln die beiden Kunsthistorikerinnen. Verschiedenfarbige Kniestrümpfe zu kurzen Hosen und dann und wann ein Kranz aus Brennnesselblättern auf dem Haupt. Wie gern wäre man ihm in dieser Kleinstadt begegnet.

 Wenzel Hablik Museum, Itzehoe, Reichenstraße 21. Bis 8. November. Katalog 15 Euro. Di-Sa 14-17 Uhr, So 11-17 Uhr. Info und umfangreiches Begleitprogramm: www.wenzel-hablik.de

 Alte Sorgen und neuer Rückenwind

 Gerade hat es festlich sein Jubliäum begangen, zu dem auch Kulturministerin Anke Spoorendonk nach Itzehoe gekommen war: Das Wenzel Hablik Museum in Itzehoe besteht 20 Jahre und hat sich „einen festen Platz in der Reihe der Kunstmuseen des Landes erobert“, so die Ministerin. Museumsleiterin Katrin Maibaum freuen solche Signale aus Kiel, denn die Diskussion um den Fortbestand des Hauses in der Reichenstraße liegt kaum sechs Monate zurück. Als zum Jahresende ein Defizit von 10000 Euro aufgelaufen war und der Kreis Steinburg die Übernahme negativ beschied, ist erneut eine Diskussion über die Existenzberechtigung des Museums entbrannt, „die uns sehr überrascht hat“, so Katrin Maibaum. Zum Glück sei der Rückhalt in der Bevölkerung groß, der Förderverein habe viele neue Mitglieder gewonnen und unterstützt das Hablik-Museum Jahr für Jahr mit 10 000 Euro. Dennoch fürchtet Maibaum auch künftig solche Turbulenzen. „Schon wegen des Mindestlohns werden die Kosten steigen“, sagt die Kunsthistorikerin, die das Haus seit 2009 leitet. Aktuell genießt Maibaum aber den Rückwind, den das Museum im Jubiläumsjahr erfährt. Die Kulturstiftung des Landes hat das Projekt ebenso unterstützt wie die Sparkasse Westholstein und die Itzehoer Versicherung, die die Restaurierung von zwei Porträts der Schau finanziert haben.

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