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Entwaffnender Charme

Werftparktheater Entwaffnender Charme

Um eine ungewöhnliche Freundschaft geht es in Ein Schaf fürs Leben, das am Sonntag im Werftparktheater Premiere hat. Anne Spaeter führt Regie in dem Stück nach dem gleichnamigen, 2004 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichneten Kinderbuch der niederländischen Autorin Martigen Matter.

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Auch wenn der Wolf (Tom Keller) mal zupackt entwickelt das Schaf (Marie Kienecker) keine Angst.

Quelle: Marco Ehrhardt

Kiel. Gertrud Pigor, im Werftpark-Theater auch als Regisseurin präsent und bekannt für ihre plastischen Bilderbuch-Bearbeitungen, hat die tierische Geschichte theatertauglich gemacht.

 Im Mittelpunkt stehen Vertreter zweier Tierarten, die sich im wirklichen Leben eher nicht so freundschaftlich gesonnen sind. Wolf stapft übellaunig durch den pfotennässenden Schnee und schiebt Kohldampf. Seine Laune erhellt sich, als er Schaf entdeckt, das fröhlich im Stall hockt und Strohhalm-Mikado spielt. Da müsste doch was gehen, denkt sich Wolf – und wird von dem arglosen Grasfresser freundlich willkommen geheißen. Überhaupt verblüfft ihn sein lustig blökendes Gegenüber im Laufe des knapp einstündigen Spiels immer wieder. „Die überraschenden Wendungen sind immer wieder ein Thema “, so die Regisseurin, der es großen Spaß macht, mit Stereotypen zu spielen, um sie gleich dann wieder aufzubrechen.

 Tom Keller und Marie Kienecker erfüllen als gefräßiger Wolf und dämliches Schaf zwar einerseits die Klischees, sollen jedoch durch spontanes Handeln für Überraschungen sorgen. „Natürlich geht von Wolf eine latente Gefährlichkeit aus. Das ist wichtig für die Spannung“, sagt Anne Spaeter. „Und dass sich da ein paar Schreckmomente nicht vermeiden lassen, ist ganz in Ordnung.“ Doch vor allem lebt das Stück für Kinder ab vier Jahren von seinem Sprachwitz. „Die treibende Kraft ist dabei das Schaf, das Wolf vorbehaltlos gegenübertritt und ihn mit seinem verspielten Charme buchstäblich entwaffnet.“

 Ture Rückwardt hat den beiden Protagonisten vier Songs nach Texten von Gertrud Pigor auf den Leib komponiert – von Dramatik im Stil des Italo-Western bis zum swingenden Jazz mit Rumba-Elementen. In der Musik spiegeln sich die typischen Charaktereigenschaften der Tiere, ganz so wie sie in der Eingangssequenz, die als Schattenspiel gestaltet ist, beschrieben werden. „In erster Linie handelt das Stück zwar von einer Freundschaft“, so die Regisseurin. „Doch ohne den Zeigefinger zu erheben, erzählt Gertrud Pigor auch von Offenheit und Toleranz und davon, dass es sich lohnt, den Blick über den Tellerrand zu wagen.“

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