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Uraufführung zu Kinderarmut

Werftparktheater Uraufführung zu Kinderarmut

Jedes fünfte Kind wächst in Deutschland unterhalb der Armutsgrenze auf, das war erst kürzlich das Ergebnis einer Studie. Die Kieler Regisseurin Anne Spaeter und die Schauspielerin und Autorin Anne Clausen haben deshalb diese Problematik zum Thema ihres neuen Theaterstücks am Werftparktheater gemacht.

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Sie freuen sich auf die morgige Premiere: Anne Spaeter (Regie, links), Anne Clausen (Buch) und Sibylle Meyer (Ausstattung, rechts).

Quelle: bos: Björn Schaller

Kiel. Kiel. Jedes fünfte Kind wächst in Deutschland unterhalb der Armutsgrenze auf, das war erst kürzlich das Ergebnis einer Studie. Immer mehr Familien sind davon betroffen, auch in Schleswig-Holstein. Die Kieler Regisseurin Anne Spaeter und die Schauspielerin und Autorin Anne Clausen haben deshalb diese Problematik zum Thema ihres neuen Theaterstücks für Kinder ab 10 Jahren gemacht. Eigens für das Werftparktheater haben sie es entwickelt. Echt arm lautet der Titel, am kommenden Freitag wird es uraufgeführt.

 „Armut ist für Kinder was anderes als für die Eltern. Sie wachsen mit einem Defizit auf, das ja nicht nur ein materielles ist und das auch später nur schwer wieder aufgeholt werden kann“, sagt Anne Clausen. Die Grundvoraussetzungen fehlten, um Selbstbewusstsein aufzubauen, auch die Zuversicht, die andere Kinder haben, fehle, erzählen Clausen und Spaeter. In Teamarbeit ist das Stück entstanden, fast ein Jahr haben sie gemeinsam daran gearbeitet. Beide haben lange recherchiert, mit Sozialarbeitern und Lehrern gesprochen und festgestellt, „wie sehr wir das Ausmaß unterschätzt haben“.

 In Echt arm geht es nicht nur um materielle Armut, sondern auch um emotionale, um Vernachlässigung: Johnny und Pamela gehen in eine Klasse, sie sind zwölf Jahre alt und können sich eigentlich nicht leiden. Pamela hält Johnny für eine „arme Wurst“, weil seine Mutter nicht viel Geld hat. Johnny zieht Pamela damit auf, dass sie wie ein Junge sei, auch weil sie schnell wütend wird und dann schon mal zuschlägt. Ihre Eltern haben zwar Geld, dafür sind sie aber nie da. Weil beide nicht mit auf die Klassenfahrt dürfen, treffen sie sich bei der gemeinsamen (Straf-)Arbeit im Schulgarten, unter der Aufsicht von Petr, der die Kinder so nimmt, wie sie sind und ihnen auf unbeschwerte Art von seinem Leben als Straßenkind in Rumänien erzählt. Dabei entwickelt sich langsam eine Freundschaft zwischen den beiden Außenseitern.

 Trotz des ernsten Themas ist Echt arm kein trauriges Stück, sondern versprüht Leichtigkeit und Witz. Das ist Anne Clausen und Anne Spaeter wichtig: „Wir wollen ja auch kein Dokumentartheater machen, sondern unterhalten.“ Dabei ist Kinderarmut nicht das einzige Problemfeld, das sie thematisieren. Auch die Folgen des Ceausescu-Regimes und das Leben mit Depression werden angesprochen. „Eigentlich könnte man mit jeder dieser Geschichten ein Theaterstück füllen“, sagt Anne Spaeter. In Echt arm wollen die Macher aber nicht alles erklären, sondern auch zum Weiterfragen und Weiterdenken anregen.

www.theater-kiel.de

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Ein Artikel von
Anne-Kathrin Steinmetz
Lokalredaktion Kiel/SH

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