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Engel mit Donauwellen-Charme

Wiener Sängerknaben zu Gast im Kieler Schloss Engel mit Donauwellen-Charme

Es gibt nur wenige Ensembles in der Musikwelt, die eine ungebrochene Tradition seit dem 15. Jahrhundert vorzuweisen haben. Die Wiener Sängerknaben versuchen dieser Tage, das Publikum in 17 deutschen Städten in Erstaunen zu versetzen. Beim Auftakt der Weihnachtskonzert-Tournee in Kiel war das sofort der Fall.

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Das Weihnachtskonzert der Wiener Sängerknaben endete nicht im Engelsstimmen-Kitsch, sondern begeisterte mit fröhlich jubilierender Frische.

Quelle: Wiener Sängerknaben

Kiel . Es gibt nur ganz wenige Ensembles in der Musikwelt, die eine ungebrochene Tradition seit dem 15. Jahrhundert vorzuweisen haben. Die Wiener Sängerknaben wurden im hochmittelalterlichen Jahr 1498 gegründet. Ein Viertel ihrer heute 100-köpfigen Besetzung entsenden sie dieser Tage auf Tournee, um das Publikum in 17 deutschen Städten in Erstaunen zu versetzen. Beim Auftakt der Weihnachtskonzert-Serie im ordentlich besuchten Kieler Schloss hat das am Freitag schon mal hervorragend geklappt.

Schon beim Einmarsch mit einem Salve Regina war klar, dass hier stimmbildnerisch bestens trainierte und damit mühelos raumfüllende Sopran- und Altstimmen am Werk sind. Weitgehend auswendig gesungen wurden so auch komplexe Renaissance-Sätze von Monteverdi oder Giovanni Croce, sogar das wahrlich heikle Laudi alla Vergine Maria aus den Quattro pezzi sacri von Giuseppe Verdi nicht nur bewältigt, sondern mit Zug ausgestaltet und zum Leuchten gebracht.

Der Sängerknaben-Kapellmeister Jimmy Chiang, ein Amt, das übrigens auch einmal Kiels ehemaliger Generalmusikdirektor Walter E. Gugerbauer ausgeübt hat, entfesselte die jungdynamische, oft unverzagt solistisch aktive Energie der Knaben, ohne je dirigentisch oder am Flügel die Kontrolle zu verlieren. Besonders schön klangen die Beiträge jener Wiener Klassiker Haydn ( Abendlied zu Gott) und Mozart ( Sub tuum Praesidium), die selber mal als Stimmen oder Leiter der Wiener Sängerknaben aktiv waren. Höhepunkt: das bezaubernde Pueri concinite des Wiener Hofkapellmeisters Johann Ritter von Herbeck mit seinem hinreißend rein, bewegend schlicht und strahlkräftig klar gesungenen Sopransolo. Und war das nur klischeehafte Einbildung, oder haben die Donauwellen-Knaben in ihrem gut zu Kiel passenden Matrosen-Outfit tatsächlich das köstliche Arrangement des Johann-Strauß-Walzers Tausend und eine Nacht mit jenem einzigartigen „Wiener Charme“ gesungen, den sie im Text beschwören?

Die zweite Konzerthälfte war dann beliebten Weihnachtsliedern gewidmet. Das hätte schwer im Engelsstimmen-Kitsch enden können, begeisterte aber mit fröhlich jubilierender Frische und wirklich pfiffigen Arrangements des Künstlerischen Leiters Gerald Wirth.

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Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

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