19 ° / 7 ° heiter

Navigation:
Reizvolles Spiel zwischen Zeigen und Nicht-Zeigen

Biografische Inszenierung im Bunker D Reizvolles Spiel zwischen Zeigen und Nicht-Zeigen

Wie wird ein politisches Leben zur Kunst? Wolfgang Meyer-Hesemann wagt einen Versuch mit einer biografischen Inszenierung zwischen Fotoausstellung und Installation. „Die Innenausstattung der Macht“ nennt der Staatssekretär a.D, seit 2009 künstlerisch als Fotograf unterwegs, seine Ausstellung im Bunker D der Fachhochschule Kiel.

Voriger Artikel
Ralf Klöter: Nun Hamburg statt Kiel
Nächster Artikel
Schriftsteller Julian Barnes erhält Siegfried-Lenz-Preis

Aktendeckel, Brillen, Hirschgeweihe: In Wolfgang Meyer-Hesemanns vermeintlich schnörkelloser Schau „Die Innenausstattung der Macht“ schlummert Hintersinn.

Quelle: bos: Björn Schaller

Kiel. Mit leiser Ironie blickt er zurück auf elf Jahre im Schaltzentrum ministerialer Behörden. Dabei kommen seine Aufnahmen der Dinge, die ihn damals begleiteten, einer sachlichen Aufzählung gleich. In der nüchternen Reihung schicker Aktenkoffer, simpler Kulis und blank geputzter Schuhe liegt eine gewisse Verallgemeinerung. Handelt es sich hier um privates Eigentum oder um Allerwelts-Fundstücke?

 In der vermeintlichen Schnörkellosigkeit schlummert Hintersinn. In Vitrinen fristen verdorrte Büropflanzen ihre letzten Stunden, darunter verbreiten edle Füllfederhalter, signiert von Politikergrößen, bescheidenen Glanz. Von echtem Glamour keine Spur. An den Seiten stehen hölzerne Aktenböcke mit leeren Umlaufmappen, deren unleserlich kryptische Aufschriften grafische Rätsel aufgeben. Den ausgebildeten Juristen, der „schon immer“ mit Leidenschaft fotografiert hat, reizt das Spiel zwischen dem Zeigen und Nicht-Zeigen, zwischen Entblößen und Verstecken. „Meine eigene Person soll hier nicht im Mittelpunkt stehen“. Ausgediente Jahresplaner in schwarzen Lederumschlägen hat er wie erlegte Beute in Glasvitrinen ausgelegt – weggeschlossen wegen des Dienstgeheimnisses. Einen hat er für ein Video durchfotografiert, die Notizen geschwärzt, was den Bildern grafischen Reiz verleiht.

 Und dann sind da noch die diversen Brillen. In großformatigen Aufnahmen an den Stirnseiten der Räume prominent platziert, scheinen sie den Betrachter aus leeren Augen zu beobachten. Dazwischen hängen Hirschgeweihe – mausetoter Ausdruck maximalen Spießertums. „Man darf auch gern an Platzhirsche denken“ , so Wolfgang Meyer-Hesemann schmunzelnd. Er habe seinen Job damals gern gemacht, sagt er. „Für mich waren es wichtige Jahre.“ Und jetzt sind sie Kunst. Irgendwie.

  Sokratesplatz 1. Eröffnung Donnerstag, 18 Uhr. Bis 27. Juli. Geöffnet mittwochs 10-20 Uhr sowie nach Vereinbarung unter: bunker-d@fh-kiel.de

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Anzeige
ANZEIGE
Mehr aus Nachrichten: Kultur 2/3