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Neujahrsblech mit Bravi-Echo

World Brass in Kiel Neujahrsblech mit Bravi-Echo

Im Zuge seiner 20. Neujahrskonzerttournee macht das Ensemble World Brass am Sonnabend zum ersten Mal in Kiel Station. Dort ist das Parkett zum 4. Streiber-Meisterkonzert gar nicht so schlecht besetzt.

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Im Zuge seiner 20. Neujahrskonzerttournee macht das Ensemble World Brass am Sonnabend zum ersten Mal in Kiel Station.

Quelle: Julia Baier

Kiel. Dennoch betont Posaunist und Moderator Shawn Grocott lieber noch einmal, dass man am Sonnabend in der Berliner Philharmonie gespielt habe. Soll heißen: World Brass bedeutet auch World class – nur für den Fall, dass sich das im Norden Deutschlands noch nicht herumgesprochen hat. Mit dem musikalischen Eröffnungszug, Michael Praetoruis’ Terpischore hatte das 1995 gegründete Ensemble ohnehin schon in diese Richtung gepeilt. Die zehn Bläser entfachten hier auf der Basis eines weichen Grundklangs vielfältig schillernden Glanz und balancierte Feierlichkeit. So wohltemperiert hört man das nicht oft.

Es folgt Jan Koetsiers Mundus Juventus, eine „Hymnische Fantasie für 10 Blechbläser“, in der diese zunächst effektvoll an- und abschwellen, um sich dann sportlich ins Zeug zu legen. So hat World Brass bereits nach der ersten Konzertviertelstunde überzeugend demonstriert, dass es sowohl in technischer wie in stilistischer Hinsicht wendig zu agieren weiß. Zeit für den ersten Klassik-Hit: In der Brass-Version wird aus Claude Debussys Klavierstück Claire de Lune ein delikat ausmusiziertes Kleinod, in dem sich aus dem Wechselspiel von Trompeten und Posaunen ein reizvoller Raumklang ergibt und die Bläser mit ihren Harmon-Dämpfern das hier beschriebene Mondlicht mühelos einfangen. Die Masques des Komponisten geraten dann zu einem rasanten Parcours, in dem neben der Dynamik erneut die Plastizität des Sounds fasziniert. Mit Edvard Griegs Peer-Gynt-Suite bleibt World Brass auf Publikumserfolgs-Kurs, allerdings mischt sich gerade in die populäre Morgenstimmung auch mancher nicht ganz lupenreine Ton. Spätestens im akzentuiert umgesetzten Arrangement von In der Halle des Bergkönigs macht das Ensemble diese Trübungen mit starkem Pianissimo-Spiel und einer mitreißenden Klimax aber wieder wett.

Nach der Pause werden Shawn Grocotts Moderationen dann noch ein wenig launiger und sowohl auf wie auch vor der Bühne taut man zusehends auf. Tom Harrolds Skirill bringt mit seinen rauen Growls schon einen ansteckenden Jazz-Vibe ins Spiel, bei den strahlkräftig tönenden Edith-Piaf-Klassikern Sous Le Ciel De Paris und La vie en rose wird dann im Parkett schon kräftig mitgenickt. In Lorenz Raabs No Strings attached kann Grocott die Zuhörer mit einem seelenvoll swingenden Posaunensolo zu Extra-Applaus herausfordern, nach dem ersten Sacred Concert von Duke Ellington nehmen Beifall und Bavi-Dichte von Zugabe zu Zugabe stetig zu. Drei stattliche Encores – darunter eine stürmische Mambo-Version des Hummelflugs – lassen sich World Brass entlocken. Die Quote spricht für sich.

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