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Wortgewaltiger Schlagabtausch

Rap-Battle im Orange Club Wortgewaltiger Schlagabtausch

Eigene Texte, fremde Beats und improvisierte Reime: Auf der Bühne im Orange Club der Traum GmbH mussten sich am Freitag fünf Künstler in fast allen Rap-Disziplinen beweisen. Am Ende des ersten „Spit ya Speech“-Wettbewerbs zählten nicht die Kraftausdrücke, sondern Flow und Style.

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Junjo M wurde unter tosendem Applaus zum Sieger gekürt.

Quelle: Michael Kaniecki

Kiel. Von allen Teilnehmern konnte nur einer Jury, Moderatoren und Publikum restlos begeistern. Der Kieler Junjo M flowte sich gekonnt durch die erste Runde, obwohl er die für den Abend geschriebenen Texte, wie er im Rap zugab, vergessen hatte. Dadurch improvisierte er souverän und als einziger unter Einbeziehung der von der Jury vorgegebenen Worte noch bevor die eigentliche Freestyle-Session begann.

Seine Konkurrenten Enescoba, Mart Li, Ako und Samo trumpften in der Vorrunde mit schleppenden, basslastigen Beats und aggressivem Habitus auf. Eben echter Gangster-Rap, der sich um Drogen, Waffen und das eigene Viertel, vorwiegend Kiel-Mettenhof („M-Town“) dreht. Doch was im ersten Durchgang noch die Mehrheit überzeugte, schlaffte spätestens in der zweiten Runde ab. Dort galt es, 32 Zeilen auf einen fremden Beat vorzutragen. Es schien den Vieren deutlich schwerer zu fallen, auf die klassischen Oldschool-Beats zu rappen, als auf die eigens mitgebrachten langsameren Trap-Beats. Für Junjo M jedoch ein echtes Heimspiel. Auch seine eigenen Songs sind inspiriert vom 90er-Jahre-Sound, der auf Samples aus Jazz und Funk basiert.

Richtig spannend wurde es erst im Finale beim Freestyle-Battle-Rap. Auge um Auge, Zahn um Zahn, standen sich Enescoba und Junjo M gegenüber. Anfänglich konnten beide MCs noch mit kräftig pointierten Seitenhieben, die vom Publikum mit Johlen belohnt wurden, überzeugen. Trotzdem blieb Junjo M seinem Gegenüber immer eine spitze Bemerkung voraus („Du versteckst dich auf der Bühne hinter deinem Camouflage-Hemd“). Und das ganz ohne Macho-Attitüde, sondern mit Wortwitz („Küsst du mit diesem Mund etwa deine Mama?“). Spätestens nach der A-cappella-Runde war eigentlich jedem im Saal klar, dass der Boom-Bap-Rapper gewonnen hat. Um alle Zweifel zu beseitigen, stiegen beide dann doch noch in einen letzten Schlagabtausch, bevor Junjo M unter tosendem Applaus zum Sieger gekürt wurde.

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