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Die neue Basis der Landesmuseen

Zentralmagazin Die neue Basis der Landesmuseen

Zentralmagazin, das klinge zunächst nicht wirklich sexy, räumte Kulturministerin Anke Spoorendonk gestern ein. Aber die Sammlung sei nun mal die Forschungs- und Entwicklungsabteilung eines Museums, sagte Direktor Claus von Carnap-Bornheim von der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen: Rund 80 Prozent dessen, was seine Museen zu bieten haben, lagerten im Magazin. Nur rund 20 Prozent werde in Ausstellungen sichtbar. Grund genug, die Grundsteinlegung für den Neubau des Zentralmagazins auf dem Schleswiger Hesterberg am Donnerstag als „Meilenstein“ und „Tag der Freude“ zu feiern.

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Die Wärmekammer ist auch für den Erntewagen der erste Schritt ins Zentralmagazin.

Quelle: Frank Molter

Schleswig. Zumal der 3,2 Millionen Euro teure Depot-Neubau auf dem Gelände des vor 18 Monaten geschlossenen Volkskundemuseums längst nicht alles ist, was sich seit dem Beschluss getan hat, unweit der Schlossinsel ein hochmodernes Zentralmagazin für alle drei Landesmuseen, für die Kunst und Kulturgeschichte, für die Archäologie und die Volkskunde anzusiedeln. Neben dem dominierenden „Körnerhaus“ wurden für rund 2,7 Millionen Euro zwei weitere Gebäude im Sinne der anspruchsvollen Aufgabenstellung hergerichtet. Da ging es etwa um Entlüftung, einen neuen Schwerlastenaufzug, Alarm- und Feuermeldeanlagen, auch Schadstoffsanierungen und (Hoch-)Regallager. Eine „Wärmekammer“ in einem ehemaligen Werkstattgebäude als „Vorstufe“ jedweder Lagerung organischer Stoffe ist ebenfalls schon in Betrieb: Was ins Magazin kommt, muss frei von Schädlingen sein. Das betrifft kleine Werkzeuge genauso wie große Kutschen, von denen bis 2018 hier rund 50 Einzug halten werden.

 Das Gros, rund 70 Prozent der künftig 8000 Quadratmeter Depotfläche auf dem gesamten Areal kommt der Volkskunde zugute. Vor allem gibt es endlich sachgerechte Lagermöglichkeiten für die bislang allenfalls notdürftig untergebrachten Sammlungsstücke des Freilichtmuseums Molfsee. Doch aus Kiel war nicht nur Museumsdirektor Wolfgang Rüther angereist, sondern auch Kunsthallenchefin Anette Hüsch: Die Kunsthalle hat Depotflächen in dem 1600 qm großen, zweistöckigen Magazinneubau angemietet, will rund 400 Quadratmeter in einer Gemäldezuganlage nutzen.

 Der helle Ziegelmauerbau, der von den Büros bbp (Kiel) und Scheidt Kasprusch (Berlin) entworfen, bietet besonders empfindlichen Exponaten ideale klimatische Bedingungen – mit vergleichsweise wenig Elektronik. Im 4,5 Meter hohen Erdgeschoss können Gegenstände aus Metall bei weniger als 40 Prozent Luftfeuchtigkeit lagern, im Obergeschoss Holz mit bis zu 55 Prozent Luftfeuchtigkeit. Nicht zuletzt durch eine Photovoltaikanlage auf dem Dach sei das ein „Plus-Energie-Haus“, sagt der Kaufmännische Direktor Guido Wendt. Ende 2016 soll der Neubau – „ einbruchsicher fast wie Fort Knox“ – übergeben werden, nach Austrocknung und Einrichtung der Klimazonen beginnt dann nach und nach der Bezug.

 Insgesamt 4,9 Millionen Euro hat das Land für die fachgerechte Lagerung von Kunst- und Kulturgütern zur Verfügung gestellt. Eine weitere Million Euro erhält die Stiftung Landesmuseen erneut von der Hamburger Hermann Reemtsma Stiftung im Rahmen des von ihr initiierten Bündnisses „Kunst auf Lager“. Je zur Hälfte fließt diese Summe in den Neubau sowie in den Aufbau eines digitalen Inventarisierungsprogrammes: Auch da gibt es noch viel zu tun. Bisher ist nur rund 1,5 Prozent des Stiftungs-Bestandes digital erfasst. Wenn jetzt ohnehin jedes Exponat angefasst werden muss, um es sachgerecht zu lagern, macht die Verbindung Sinn. Kulturministerin Anke Spoorendonk wies noch auf eine andere Verzahnung hin: Um die Volkskunde im Lande zu modernisieren, müsse man einerseits die Sammlung sichern, andererseits stelle das Land zehn Millionen Euro für das neue Ausstellungshaus im Molfsee bereit, um das kulturelle Erbe auch sichtbar zu machen.

 So ganz im Hintergrund bleiben will man aber auch auf dem Hesterberg nicht. Über Führungen soll das Zentralmagazin öffentlich zugänglich sein: „Transparenz gehört zu unserem Anspruch musealer Arbeit“, sagt der Stiftungsdirektor. Wegen der Transparenz übrigens überweist die Stiftung auch über 50000 Euro zurück ans Land: Die Bestandssanierung sei etwas günstiger gewesen, als geplant. Neben „einzigartiger Qualität“ strebt man das nun auch für den Neubau an.

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Ein Artikel von
Konrad Bockemühl
Ressortleiter Kulturredaktion

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