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Sicherer Ort für kulturelles Erbe

Zentralmagazin in Schleswig Sicherer Ort für kulturelles Erbe

Das Volkskundemuseum auf dem Schleswiger Hesterberg ist geschlossen, die Theaterpläne sind beerdigt und dennoch herrscht Betrieb auf dem Gelände: Für 6,1 Millionen Euro wird hier nun das Zentralmagazin der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen etabliert. Und Exponate aus Molfsee spielen hier eine besondere Rolle.

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Der Neubau des Zentralmagazins soll mit geschlossener gräulicher Ziegelfassade hinter dem denkmalgeschützten Körnerhaus auf dem Hesterberg errichtet werden.

Quelle: Visualisierung Hermann Scheidt

Schleswig. Denn, so formulierte der kaufmännische Geschäftsführer Guido Wendt: „Wir können das kulturelle Erbe Schleswig-Holsteins doch nicht länger kaputtregnen lassen“. Endlich können nun wichtige Sammlungsstücke aus dem neuen Landesmuseum für Volkskunde in Molfsee unter Dach und Fach, oft auch vom Dachboden fachgerecht in ein Regalfach des Magazins verlagert werden.

 Die Volkskunde werde rund 60 Prozent der Flächen des künftigen Zentralmagazins belegen, schätzt Wendt, Archäologie, Kunst und Kulturgeschichte vor allem von der Gottorfer Schlossinsel werden weitere Flächen nutzen. Denkbar wären auch weitere Mieter: So wurden auch schon Sondierungsgespräche mit der Kunsthalle Kiel geführt, deren Depot aus allen Nähten platzt. Die Umsetzung des bis 2025 angelegten Masterplans für die Schlossinsel bringt zeitweise zusätzlichen Flächenbedarf mit sich, wenn das Schloss im Inneren zukunftsgerecht umgestaltet wird.

 Neben den vorhandenen, mittlerweile für rund 400000 Euro schadstoffsanierten Gebäuden, die sich auf dem Hesterberg rund um das zentrale Körnerhaus gruppieren, steht ein Neubau im Zentrum der Planungen. Vom Kieler Architekturbüro bbp in Kooperation mit einem Berliner Büro entworfen, soll er sich als kompakter (und später auch erweiterbarer) Kubus im denkmalgeschützten Gebäudeensemble behaupten. Der Ziegelmauerbau umfasst auf zwei jeweils rund 4,50 Meter hohen Geschossen rund 1600 Quadratmeter Magazinfläche, abteilungsübergreifend unten für Exponate aus Metall, oben für Holz. Er wird durch eine natürliche, kontrollierte Belüftung klimatisiert, um eine konstante Innentemperatur und eine konstante Luftfeuchte zu erreichen. 3,2 Millionen Euro soll der Neubau kosten – die gesamte Herrichtung des Zentralmagazins ist auf 6,1 Millionen Euro veranschlagt und durchfinanziert: Das Land steuert 4,9 Millionen Euro bei, die Stiftung muss 1,2 Millionen Euro selbst erwirtschaften.

 Noch sind vornehmlich die Logistiker am Zug, denken in Paletten und (Hoch-)Regalen, suchen Raum für die bisher nach Jübek ausgelagerten Kutschen oder auch Holzpuppen vom Molfseer Dachboden. Im als Lager schon bewährten Körnerhaus wird ein Lastenaufzug eingebaut. Nebenan muss auch eine Wärmekammer für von Schädlingen befallene Objekte noch eingerichtet werden. Generell geht es um Effizienz nicht nur bei der Lagerung, sondern auch beim Energieverbrauch und damit den Betriebskosten. Und es geht auch darum, dass ein Magazin „die Forschungs- und Entwicklungsabteilung eines Museums“ ist, unterstreicht Wendt die Bedeutung des Vorhabens. Rund zehn Millionen Objekte aller Abteilungen sollen auf dem Hesterberg unterkommen – auf künftig gut 8000 Quadratmetern Lagerfläche. So viel Fläche, so viel Geld: Aber „das Magazin ist die Grundlage für alles, was wir planen, auf Gottorf wie in Molfsee,“ sagt Wendt.

 In drei Jahren soll das Zentralmagazin voll nutzbar sein, bereits Ende 2016 dürfte der Neubau stehen – dort, wo zeitweise auch ein Theaterneubau neue Perspektiven für den Spielort Schleswig hätte eröffnen können. Aber Plan B, der das Zentralmagazin auf 9000 Quadratmeter Bestandsflächen in Rendsburg vorsah, ist vom Tisch. Bei den Landesmuseen hadert man nicht mit der Entscheidung der Schleswiger Kommunalpolitik. Woanders schon. Immerhin: Ganz wird der Hesterberg der breiten Öffentlichkeit nicht entzogen. Führungen durchs Zentralmagazin sollen künftig immer wieder Einblicke hinter die Kulissen der landesmusealen Vielfalt gewähren.

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Ein Artikel von
Konrad Bockemühl
Ressortleiter Kulturredaktion