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Schein und Schutzlosigkeit

Drei Künstler im Anscharpark Schein und Schutzlosigkeit

Das Ernst-Barlach-Gymnasium feiert in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag – unter anderem mit einem Festprogramm, das Schüler von einst einbindet, um die Bandbreite der Schule darzustellen. Jetzt legt eine Ausstellung im Anscharpark das Augenmerk auf die Bildende Kunst.

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Barlach 3.0: Volker Tiemann, Julia Bornefeld und Ilka Kollath (rechts) im Atelierhaus des Anscharparks.

Quelle: ehr - Marco Ehrhardt

Kiel. „Im Abiturjahrgang 1983 gab es einen Leistungskurs, aus dem einige professionelle Künstler hervorgegangen sind“, erzählt Schulleiter Christian Stegmann. Zwei davon – Ilka Kollath und Volker Tiemann – leben noch immer in Kiel. Dritte im Bunde ist Julia Bornefeld. Die hat zwar seit 25 Jahre ihren Lebensmittelpunkt in Südtirol, ist jedoch noch immer „sehr gut“ mit den beiden ehemaligen Mitschülern befreundet.

 Barlach 3.0. heißt die Gemeinschaftsschau, deren Exponate nicht zufällig so gut miteinander harmonieren. „Wir haben uns im Vorfeld getroffen und überlegt, was zusammenpasst“, sagt Volker Tiemann, der wie seine Kolleginnen an der Muthesius Kunsthochschule studiert hat. „Bei mir sehen die Dinge immer nach etwas aus, das sie eigentlich nicht sind“, so der Koblasa-Schüler und raffinierte Holzbildhauer über seine hintersinnig humorvolle Kunst. Auch im Atelierhaus dürften seine listigen Arrangements manchem Besucher ein Lächeln ins Gesicht zaubern. So wirft etwa der rote – freilich hölzerne – Gummiring auf dem kleinen Podest im Eingangsbereich Fragen auf, genauso wie der entschlossen dreinblickende Miniaturbuddha, der auf einer Luftmatratze schwebt, oder die rosafarbene Luftschlange, die sich von einer kopfüber gehängten Garderobe ringelt.

 Ganz andere Töne schlägt Ilka Kollath an. Verletzlichkeit, Schutzlosigkeit und das Verlassensein sind Themen ihrer Video-Installationen, die direkt vom Auge ins Herz gehen. Da ist etwa eine Schaukel, unter die sie das Bild einer Puppe auf den Boden projiziert. Kleidungsstücke werden von oben auf den schutzlosen Körper gelegt, dazu klingt von ferne Kinderlachen und das Geräusch eines Hubschraubers. Nomadin lautet der Titel einer in ein Trekking-Zelt gestellten Arbeit mit einem Video, das den Schemen einer alten, schwer bepackten Frau zeigt. Auf ihren Stock gestützt, schreitet die scheinbar durchsichtige Gestalt in tiefem Sand durchs Bild. „Das Durchsichtige gibt ihr eine gewisse Leichtigkeit“, so Kollath, „die verlangsamte Bewegung eine Würde.“

 Die Kunst von Julia Bornefeld öffnet Assoziationsräume, die angesichts der abstrakten, grafisch geprägten „soft sculptures“ bis in die Welt des Unterbewusstseins vordringen. Melaton 45 nennt sie nach einem Schlafmittel eine Arbeit, in der schmale Säcke, genäht aus dem Inlettstoff von Betten, von einem metallenen Rahmen hängen wie überdimensionale Tropfen. Um das Wechselspiel aus Verstecken und Offenbaren, aus Haut und Hülle geht es in den Arbeiten Bornefelds, die wie Kollath Trägerin der Brockmann-Preises der Stadt Kiel ist. „Manchmal spiegeln sie auch seelische und physische Befindlichkeiten“.

Atelierhaus, Heiligendammer Str. 15. Eröffnung heute, 18 Uhr. Bis 4. Dezember. Do/Fr 15-18 Uhr, Sa/So 14-18 Uhr

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