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Leicht und tiefgründig zugleich

Zum Tode von Elsbeth Arlt Leicht und tiefgründig zugleich

Ihre Stimme wird fehlen: Die Künstlerin und ich kannten uns nur flüchtig. Entweder dennoch oder gerade deshalb bat sie mich, eine Laudatio auf sie zu halten. Anlass war die Verleihung des Kunstpreises des Landes Schleswig-Holstein. Ein Nachruf von Anette Hüsch.

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Ihre Stimme war visuell, schriftlich und akustisch stets präzise und eindeutig: Elsbeth Arlt 2012 in ihrem Flensburger Atelier

Quelle: Marco Ehrhardt

Flensburg. Aus den Vorbereitungen zu dieser Laudatio wurde ein fortdauerndes Gespräch über die Kunst. Über die Kunst an sich und ihre im Speziellen. Über Konzepte und die Freude am Regelwerk und dessen Durchbrechen. Wir führten unser Gespräch immer wieder – klar und kurz, heiter und ernst.

 Es gelingt nicht allen Künstlerinnen und Künstlern gleichermaßen (und muss es auch nicht), das eigene Werk, das im Falle von Elsbeth Arlt oft genug Worte zu Bildern und Bilder zu Parolen erklärte, mit Worten zu flankieren. Ihr gelang es scheinbar mühelos. Und das hatte viel mit ihrer Fähigkeit zu tun, durch die beobachtende Distanz, mit der die Künstlerin dem Wesen der Dinge nachspürte und der eigenen Existenz gegenüber trat, ganz bei sich zu sein. Diese innere Haltung erlaubte Elsbeth Arlt, sich in zahlreichen medialen Formen auszudrücken: Video, Performance, kleine Aquarelle, großformatige Leinwände und Kunst-am-Bau-Projekte gehörten dazu. Sie selbst trat dahinter gleichermaßen zurück wie dadurch in Erscheinung. Angesiedelt im hohen Norden, der ihre emotionale und geografische Heimat war, lud Elsbeth Arlt sich immer wieder Intellektuelle und Künstler wie Albrecht Dürer, André Gide oder Gertrude Stein in ihr Werk ein.

 Die geistige Flinkheit und die Verschmitztheit, mit der sie sich selbst und dem Leben an sich begegnete, machten das Gespräch mit ihr so anregend; so leicht und tiefgründig zugleich. Das haben viele Künstlerinnen und Künstler erfahren, auch viele meiner Kolleginnen und Kollegen im Land, die mit ihr arbeiten durften. Ihre Stimme, die visuell, schriftlich und akustisch stets präzise und eindeutig war, wird fehlen. Und sie wird bleiben.

 Elsbeth Arlt würde die Wiederholungen in diesem kurzen Text, der ein Nachruf sein muss, wohl verzeihen oder zumindest anerkennen, aus welchem Zustand heraus sich dieses Stilmittel der Hilflosigkeit erklärt: Sie wird fehlen, diese zarte und starke, kluge und furchtlose Person, deren umfangreiches und vielschichtiges Werk bleiben wird. – Und die sich für mich nicht denken lässt ohne ihren Ehemann Jochen Arlt. Ihm und der ganzen Familie gelten meine Gedanken in diesen Tagen, in den ersten Tagen, in denen Elsbeth Arlt fehlt.

 Die Autorin Anette Hüsch ist Direktorin der Kunsthalle zu Kiel. Sie hielt 2012 die Laudatio für die Landeskunstpreisträgerin.

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