15 ° / 3 ° wolkig

Navigation:

Festival in der Räucherei Lockerer Groove mit dem Blues

Alle Jahre wieder wird die Kieler „Räucherei“ zum Blues-Tempel: Die bereits 18. Auflage vom Internationalen Bluesfestival hat für ein „volles Haus“ gesorgt, und wohl niemand hat sein Kommen bereut. Der programmliche Dreier-Mix hat gepasst, allen voran Lil’ Jimmy Reed als US-Urgestein des Zwölftakters, der für einen gelungenen Auftritt überschäumenden Applaus erhält.

Voriger Artikel
"Die einzige Konstante ist die Veränderung"
Nächster Artikel
Dialog im Dunkeln

Einfach authentisch: Lil’ Jimmy Reed, bürgerlich Leon Atkins, in der Räucherei.

Quelle: Michael Kaniecki

Kiel. Genau wie man sich klischeehaft den schwarzen Bluesmusiker aus den Baumwollfeldern von Louisiana vorstellt, sitzt oder steht er nun leibhaftig auf der Bühne und nimmt dankbar die Beifallssalven entgegen. Immer wieder taucht ein Lächeln in seinem Gesicht auf, doch für Zwischenmoderationen ist Little Jimmy Reed offenbar zu schüchtern. Die Besucher gieren aber eh nur nach Rootsmusik, also kein Problem! Neuerdings werden dem Gitarristen und Harpspieler mit der immer noch kräftigen Stimme über 80 Lenze attestiert, im Internet gibt es aber auch durchaus jüngere Altersangaben für ihn. Geht es um seine musikalische Darbietung, können alle nur den Hut ziehen. Ob nun griffige eigene Kompositionen (Early In The Morning), mitreißend vorgetragene Klassiker wie Hoochie Coochie Man, It Hurts Me Too sowie Honest I Do (aus der Feder seines Vorbilds, dem 1976 verstorbenen „großen“ Jimmy Reed, das auch die frühen Rolling Stones coverten), oder sein Spaziergang mit der E-Gitarre durchs Publikum als aufmunternder Showteil: Lil’ Reed, bürgerlich Leon Atkins, ist einfach authentisch und hat nicht von ungefähr etliche Auszeichnungen im Mutterland des Blues eingeheimst. Sein Spiel an der Telecaster ist zwar optisch eher unspektakulär, aber dennoch vom Feinsten - besonders, wie er es versteht, prägnante Töne in die Länge zu ziehen. Immer wieder liefert er sich ein kleines Solo-Battle mit dem nicht minder in die Jahre gekommenen Bob Hall am E-Piano, der beweist, warum er zu Englands besten Boogie-Woogie-Pianisten gehört. Mit stoischer Ruhe begleitet Hilary Blythe die beiden mit ihrem akustischen Rock Steady-Minibass. Am Schlagzeug hilft Dirk Seiler aus, der eigentlich mit Smoking Wolf angereist ist und sich nun eine doppelte Gage verdient.

 Das Trio um Smoking Wolf alias Wolfgang Döhr aus Duisburg hatte als Opener des Abends zuvor das Publikum in lockere, groovige Bluesrocklaune versetzt. Der Festival-Abschluss ist dann der vielseitigen Wentus Blues Band aus Finnland vorbehalten. Das Quintett mit dem großartigen Sänger Juho Kinaret (vom kratzigen Satchmo bis zum blitzsauberen R & B) kann auch bis weit nach Mitternacht noch vor erstaunlich großer Durchhalte-Kulisse seine Fertigkeiten präsentieren, die dann auch mal die Bluesspur verlassen und sich Richtung Jazz, Soul und Prog-Rock orientieren.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Anzeige
ANZEIGE
Mehr aus Nachrichten: Kultur 2/3