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Sumo-Erfolg mit 55 Kilo

17-jährige Ahrensbökerin Sumo-Erfolg mit 55 Kilo

Eine mehr als ungewöhnliche Sportart für ein 17-jähriges Mädchen. Doch die Ahrensbökerin Jasmin Thienemann fährt jetzt sogar zur Weltmeisterschaft nach Japan – im Sumo-Ringen.

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Mit vollem Körpereinsatz erklärt Trainer Heinz Jenkel seinem Schützling Jasmin Thienemann vor der WM in Japan noch einmal einige Sumo-Regeln.

Quelle: Michael Kaniecki

Ahrensbök. Wer an Sumo-Ringen denkt, hat wahrscheinlich halbnackte, übergewichtige Fleischberge mit Zopf und etwas weißem Stoff um die Hüften vor Augen. Mit ihren 55 Kilogramm, einer Größe von 1,78 Meter und einer schmalen, durchtrainierten Figur passt Jasmin Thienemann so gar nicht in dieses Bild. Und doch ist die 17-Jährige aus dem schleswig-holsteinischen Holstendorf (Gemeinde Ahrensbök) genau das – eine erfolgreiche Sumotori.

Heute reist die Schülerin in das Ursprungsland der Sportart. Im japanischen Osaka will sie am Wochenende Weltmeisterin in ihrer Gewichtsklasse bis 60 Kilogramm werden. Ob sie Chancen auf das Siegertreppchen habe, wisse sie nicht. „Das hängt stark von meinen bis zu 15 Gegnerinnen ab. Die lerne ich allerdings erst vor Ort kennen“, sagt die Zwölftklässlerin, die schon Vize-Europameisterin und zweimal Deutsche Meisterin war. Eine Medaille sei aber schon ihr Ziel.

Zum Sumo-Ringen kam Thienemann über Umwege: „Ich habe in Ahrensbök zunächst mit Judo angefangen. Damals war ich fünf Jahre alt.“ Später sei sie dann nach Sarkwitz (Gemeinde Scharbeutz) zu ihrem aktuellen Trainer Heinz Jenkel gewechselt. Dieser lehrte seinen Schützlingen die aus Japan stammende Form des Ringkampfs zunächst nebenbei. „2010 bin ich dann erstmals spontan zu einer Sumo-Landesmeisterschaft gefahren und landete prompt auf Platz 2.“ Angestachelt vom Erfolg wechselte sie schließlich vor drei Jahren komplett zu der Sportart.

Das Besondere am Sumo-Ringen sei das hohe Tempo. „Ein Wettkampf dauert in der Regel maximal zehn Sekunden.“ Bis dahin muss die zarte Schülerin ihre Gegnerin entweder aus dem Ring getragen, einfach weggeschoben oder schlicht aufs Kreuz gelegt haben. „Verloren hat diejenige, die als erstes den Boden außerhalb des kreisförmigen Rings betritt oder innerhalb des Rings mit einem anderen Körperteil als den Fußsohlen den Boden berührt. Haare zählen auch.“ Dabei käme es vor allem auf Geschwindigkeit, Technik und Konzentration an. Kraft spiele nur eine untergeordnete Rolle. „Es kann jemand auch viel stärker sein als ich. Wenn ich die richtige Technik einsetze, werfe ich sie trotzdem um“, sagt Thienemann.

Beim letzten Training vor der Weltmeisterschaft muss Thienemann noch einmal alles geben. Trainer Heinz Jenkel zeigt keine Gnade und verlangt seinem Schützling viel ab. Bereits die Aufwärmübungen sind schweißtreibend und kräftezehrend: Trotz alledem stemmt die Sportlerin ihren über 80 Kilo schweren Trainer souverän mit beiden Beinen und geht mehrfach in die Knie. „Du hast vergessen zu zählen. Also noch einmal von vorne“, ruft der 64-Jährige und zeigt sich unnachgiebig. Wer nicht hart trainiere, habe in großen Wettkämpfen keine Chance, sagt Jenkel. Und er muss es ja wissen. Schließlich habe er seine Ausbildung zum Sumo-Kampfrichter in Japan gemacht.

Um optimal vorbereitet zu sein, hat Thienemann in den letzten Monaten täglich eine Stunde lang zu Hause trainiert – Krafttraining mit eigenem Körpergewicht. „Zusätzlich hatten wir einmal pro Woche Techniktraining im Vereinsheim.“ Ihre Ernährung musste die angehende Gestalterin für visuelles Marketing für die anstehende WM nicht groß umstellen: „In Japan geht die Gewichtsklasse glücklicherweise bis 60 Kilogramm, in Deutschland nur bis 55. Das heißt, ich musste im Vorwege nichts abnehmen.“ Lediglich auf Lebensmittel, die den Muskelaufbau fördern, habe sie geachtet.

Mit ihrem außergewöhnlichen Hobby fällt Thienemann gerade in Vorstellungsrunden häufig auf: „Meine Klassenkameraden dachten anfangs immer, ich veräppele sie, wenn ich vom Sumo-Ringen erzählt habe.“ Doch allmählich hätten sie sich daran gewöhnt und sehen sogar einen großen Vorteil darin: „Endlich mal eine Frau, auf die man nicht aufpassen muss“, bekommt sie dann zu hören.

Derzeit gibt es rund 200 Sumo-Ringer in Deutschland. „Der Frauenanteil liegt bei 40 Prozent. Die Ältesten sind zwischen 40 und 50 Jahre alt“, sagt Heinz Jenkel, der neben seiner Trainertätigkeit auch Vizepräsident des deutschen Sumo-Verbands ist. Im Hinblick auf die WM zeigt er sich optimistisch: „Ich erwarte eine Goldmedaille.“

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Ein Artikel von
Jana Ohlhoff
Lokaldesk

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