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20 Grundbesitzer verbieten Jagd

Schleswig-Holstein 20 Grundbesitzer verbieten Jagd

Die ersten Grundbesitzer in Schleswig-Holstein wollen die Jagd auf ihren Flächen verbieten. Dies ist jetzt auf Grundlage des neuen Bundesjagdgesetzes möglich. Das Umweltministerium arbeitet derzeit an einer Verordnung für die Unteren Jagdbehörden. Kritik wird vor allem an der möglichen Höhe der Bearbeitungsgebühren laut.

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Etwa 20 Grundbesitzer wollen Jäger von ihren Ländereien verbannen und haben Verbote beantragt.

Quelle: dpa (Symbolfoto)

Kiel. Etwa 20 Grundbesitzer wollen Jäger von ihren Ländereien verbannen und haben Verbote beantragt. Die Zulassungsverfahren sind kompliziert. Anrainer, Behörden und Jägerschaft müssen befragt werden. Die Antragsteller müssen ihren Wunsch nach einem Jagdverbot begründen. Kritiker dieser Praxis sprechen von einer „Gesinnungsprüfung“. Aus Sicht des Naturschutzbundes (Nabu) liegen die Hürden für das Jagdverbot – das Ausnahmen etwa bei Seuchen oder verletzten Tieren zulässt – zu hoch. „Wir haben das Gefühl, dass es darum geht, bewusst Steine in den Weg zu legen“, sagt Nabu-Vorstand Fritz Heydemann. So wurde ein Fall aus Nordfriesland bekannt, in dem die Kreisverwaltung einer Antragstellerin mitgeteilt hat, dass ihr Grundstück frühestens nach Ablauf des gültigen Jagdpachtvertrages im Jahr 2028 befriedet werden könne. Damit hält sich die dortige Behörde an die Vorgaben des Bundesjagdgesetzes, das eine frühere Befriedung nur in Ausnahmefällen zulässt. Aus Nabu-Sicht ist eine solche Frist jedoch ein Unding. Der Verein fordert das Recht auf ein Jagdverbot zum Ende des jeweils laufenden Jagdjahres.
Vor allem aber kritisieren die Naturschützer die möglicherweise hohen Bearbeitungsgebühren der Anträge. Laut dem Entwurf der künftigen Landesverordnung könnten diese zwischen 400 und 2000 Euro betragen. Je nach Aufwand sollen die Kreise entscheiden, welche Summe sie den Antragstellern berechnen. Der Nabu plädiert für eine gänzliche Befreiung von den Gebühren, da es sich bei der „Erklärung von Grundflächen zu befriedeten Bezirken aus ethischen Gründen“ um ein Grundrecht handelt. Dieses hatte ein Kläger aus Süddeutschland im vergangenen Jahr vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte erstritten. Der Nabu sieht dieses Grundrecht durch hohe Kosten mit einer abschreckenden Wirkung eingeschränkt. „Wir sollten es den Grundstückseigentümern so einfach wie möglich machen“, fordert Heydemann und unterstreicht, dass der Nabu nicht grundsätzlich gegen die Jagd sei. Vom grünen Umweltminister Robert Habeck fordert Heydemann in dieser Sache „Rückgrat und Stehvermögen“.
Der Minister bekräftigte dazu: „Ich begrüße es, dass Grundeigentümer, die aus ethischen Gründen die Jagd prinzipiell ablehnen, nun die Möglichkeit bekommen, ihre Flächen zu befriedeten Bezirken erklären zu lassen. Niemand, der aus ethischen Gründen die Jagd grundsätzlich ablehnt, sollte dazu gezwungen werden, einer Jagdgenossenschaft anzugehören.“ Die Gebührenordnung werde ergebnisoffen diskutiert. Erst nach der Anhörung werde entschieden, in welcher Gebührenspanne sich die Kreise bewegen dürften. Auch Habeck scheint mit der Gebührenfrage nicht sonderlich glücklich zu sein. „Der Gedanke, dass eine Gewissensentscheidung etwas kosten könnte, ist für mich befremdlich. Andererseits müssen die Kreise ihren Aufwand erstattet bekommen. Wir arbeiten an einer Lösung“, verspricht der Umweltminister.

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Ein Artikel von
Paul Wagner
Redaktion Lokales Kiel/SH

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