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Ärzte: Betreutes Schlafen soll Kassenleistung bleiben

Schleswig-Holstein Ärzte: Betreutes Schlafen soll Kassenleistung bleiben

Michael Mühlthaler hat den Eingriff im Mare Klinikum in Kronshagen gut überstanden. „Ein Riss am Kreuzband“, sagt der 29-Jährige Kieler und kann schon wieder lächeln, als sein Operateur, der Unfallchirurg Dr. Frank Pries, am Abend erneut nach ihm sieht. Dass die Krankenkassen das Ambulante Operieren nicht mehr wie bisher fördern und deshalb Patienten für eine Übernachtung nach dem Eingriff 129 Euro zahlen müssen, hält der Patient allerdings für „eine sehr unglückliche Entwicklung“.

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Dr. Frank Pries schaut abends bei Michael Mühlthaler vorbei, den er mittags mittels Athroskopie operiert hat. Der Patient hat sich bewusst für eine ambulante OP entschieden und liegt damit im Trend. „Die Nachfrage war noch nie so groß“, sagt Pries.

Quelle: pae

Kiel. Das sieht man auch bei der Techniker Krankenkasse so. Sie fördert als einzige gesetzliche Kasse das ambulante Operieren weiter über einen Integrativen Versorgungsvertrag. Folge: Wer bei der TK versichert ist, muss für das Betreute Schlafen weiterhin nichts bezahlen. „Das führt dazu, dass zwei Patienten in einem Zimmer übernachten und feststellen: Der eine zahlt für die Betreuung in der Nacht, der andere nicht. Und wir müssen das dann erklären“, sagt Dr. Ralf W. Schmitz, Ärztlicher Leiter im MVZ Chirurgie in Kiel. Auch Lars Prinzhorn von der Ärztegenossenschaft fordert deshalb wieder einen Vertrag für alle Kassen. „Das Betreute Schlafen nach einem ambulanten Eingriff eignet sich nicht dafür, dass einzelne Kassen damit Werbung für sich machen. Es sollte eine Kassenleistung für alle sein.“

 Das fordert auch Dr. Karl-Heinz Gnutzmann von der Praxisklinik Kronshagen. „Heute können wir mehr ältere und kränkere Patienten als früher ambulant operieren. Wenn ich aber Patienten mit erhöhtem Blutungsrisiko wie von den Kassen gefordert gleich nach Hause schicke, weiß ich schon, was mir der Richter später sagt.“stü

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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Ambulante Operationen
Foto: Dr. Karl-Heinz Gnutzmann

Immer mehr Schleswig-Holsteiner lassen sich lieber ambulant als im Krankenhaus operieren. Wer anschließend noch eine Nacht in ärztlicher Obhut verbringt, muss dies seit 1. April selbst bezahlen. Patienten sind verärgert – doch die Krankenkassen weigern sich, den Fördervertrag zu verlängern.

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