18 ° / 14 ° wolkig

Navigation:
Alkohol, die unterschätzte Gefahr

Aktionswoche Alkohol, die unterschätzte Gefahr

Menge, Häufigkeit, Wirkung: Noch immer kursieren viele Irrtümer in den Köpfen der Konsumenten. In der Aktionswoche Alkohol informieren Selbsthilfegruppen, Suchtberater, Ärzte, Apotheker und Freiwillige bis zum 21. Juni über die Gefahren des Alkoholkonsums.

Voriger Artikel
Sofa in Flammen: Mann erleidet Rauchgasvergiftung
Nächster Artikel
Apfelplantagen pestizidbelastet

Dieter Pietsch klärt als betrieblicher Gesundheitsmanager nicht nur in der Aktionswoche in Firmen über Alkohol auf.

Quelle: Ulf Dahl

Kiel. Die Präventionskampagne wendet sich an alle, die Alkohol trinken – das sind über 90 Prozent der Bevölkerung. Dieter Pietsch arbeitet als Bezugstherapeut in einer Übergangseinrichtung für Alkoholkranke und berät Unternehmen in betrieblicher Suchthilfe. KN-online wollte von ihm wissen: Was sind die häufigsten Irrtümer beim Thema Alkohol?

Ein Liter Bier täglich ist okay!

Falsch. Alkoholkonsum ohne Risiko gibt es nicht. Grundsätzlich sollte es mindestens zwei alkoholfreie Tage pro Woche geben. An den anderen Tagen sind für Männer täglich maximal 20 Gramm reiner Alkohol erlaubt, bei Frauen maximal zehn Gramm. Das macht für Männer täglich einen halben Liter Bier oder ein Viertel Wein. Für Frauen 0,1 Liter Wein und 0,2 Liter Bier. Eine Flasche Wodka müsste bei Männern mindestens 22 Tage lang reichen, bei Frauen 45 Tage. „Beim sogenannten Komasaufen konsumieren Erwachsene und Jugendliche, deren Organismus deutlich weniger verträgt, diese Menge aber an einem Wochenende“, so Pietsch.

Bis 0,5 Promille ist Autofahren kein Problem!

Falsch. Schon bei 0,3 Promille kann ein Fahrfehler und ein Unfall mit Folgen zu einer Straftat werden. Es drohen Entzug der Fahrerlaubnis, Geldstrafen, Bußgelder, sogar Haftstrafen. „Auf der Kieler Woche ein Liter Bier trinken und dann selbst nach Hause fahren, geht also gar nicht“, sagt Pietsch. Besonders aufpassen sollten Fahranfänger (Probezeit oder jünger als 21 Jahre): Wird Alkohol im Blut festgestellt, wird die Probezeit zwei Jahre verlängert und ein Seminar fällig.

Eine Stunde warten, dann kann ich wieder Autofahren!

Falsch, denn erst nach einer Stunde ist der Promillewert auf dem Höchststand. Ob im Schlaf oder wach – der Körper kann nicht mehr als 0,1 bis 0,2 Promille pro Stunde abbauen. Bei einem halben Liter Bier dauert das also etwa zehn Stunden.

Ein Gläschen dürfen auch Schwangere trinken!

Das ungeborene Kind trinkt jeden Schluck mit. Schon kleinste Mengen können seine Organe und Nerven unumkehrbar schädigen. Alkohol ist deshalb Gift für Ungeborene und kann sogar Fehlgeburten begünstigen. Pietsch rät deshalb zu absolutem Alkoholverzicht in der gesamten Schwangerschaft: „Am einfachsten fällt das, wenn der Partner mitzieht.“

Der Alkohol verdunstet beim Kochen!

Stimmt nur teilweise. Alkohol verdunstet ab 78 Grad schneller als Wasser, aber die Lebensmittel halten ihn fest. Nach 15 Minuten sind etwa noch 40 Prozent Alkohol im Essen.

Ein Schnaps hilft bei der Verdauung!

Eine alte Mär. Ein Schnaps nach der Mahlzeit beeinflusst die Magensäure. Dadurch benötigt der Körper sogar länger als ohne Alkohol, um die Speisefette im Magen abzubauen.

Rotwein ist gut für Herz und Gefäße!

Hier gibt es widersprüchliche Studien. Eine schützende Wirkung fürs Herz ist beim Alkohol im Rotwein nicht nachgewiesen, wohl aber bei den Flavonoiden. Die sind aber auch im Traubensaft oder in Tee enthalten. „Der Alkohol reduziert diesen Effekt eher. Grundsätzlich begünstigt Alkohol bis zu 60 verschiedene Erkrankungen“, sagt Pietsch.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

KN-KSV-Liveticker

Verfolgen Sie alle Spiele von Holstein Kiel im KN-KSV-Liveticker.

Anzeige
ANZEIGE
Mehr aus Nachrichten: Norddeutschland 2/3