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Betrüger bei Au-pair-Stellen

Altenholz Betrüger bei Au-pair-Stellen

In diesen Tagen beenden viele junge Menschen mit ihren Prüfungen die Schule – und suchen für die Zeit danach eine ganz andere persönliche Herausforderung.

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Jule Paarmann kann wieder lachen. Gerade noch rechtzeitig hatten die 19-Jährige und ihre Eltern gemerkt, dass die netten Mails der vermeintlichen Au-pair-Familie aus New York gefälscht waren. Seriöse Agenturen kennen diese Masche. Sie raten, grundsätzlich niemals Geld an fremde Personen zu bezahlen und auch nicht auf zweifelhafte E-Mails zu antworten. Gegebenenfalls sollte man sogar Anzeige bei der Polizei erstatten.

Quelle: Frank Peter

Altenholz. Eine Möglichkeit bieten seit Jahrzehnten Au-pair-Stellen in aller Welt. Dabei leben junge Menschen bei einer Gastfamilie im Ausland, bekommen Unterkunft und Taschengeld, können Erfahrungen in fremden Kulturen sammeln und Sprachen lernen. Doch immer wieder versuchen Geschäftemacher, Kapital aus den Träumen junger Leute zu schlagen. Die 19-jährige Jule Paarmann wäre fast auf Betrüger hereingefallen.

 Schon seit Anfang des Jahres hatte sich Jule Paarmann aus Altenholz auf diesen Sommer gefreut. Mit dem Abitur in der Tasche sollte es in die Welt hinaus gehen. „Am liebsten nach London“, sagt Jule, die sich vor einigen Monaten bei einer Au-pair-Agentur angemeldet hatte. Kurz darauf wurde die Schülerin über ihr Facebook-Profil kontaktiert. Eine Familie aus der Nähe von New York machte ihr ein tolles Angebot. Fast 1800 Dollar Taschengeld sollte sie pro Monat bekommen, wenn sie ein Jahr lang in den USA auf die Kinder der Familie aufpasse.

 „Anfangs war ich schon ein wenig skeptisch“, sagt Jule. Aber dann hat die Familie persönliche Dinge geschrieben, Fotos mit Papa und Kind sowie vom Haus der Familie geschickt und regelrecht um die Schülerin geworben. „Hello Jule“, hieß es immer wieder in den freundlichen E-Mails, die irgendwann auch eine neue Vermittlungsagentur ins Spiel brachten. Die Altenholzerin wurde gebeten, Unterlagen auszufüllen und ärztliche Bescheinigungen zu besorgen. Aber: Auch dies ist üblich bei der Vermittlung von Au-pairs. „Alles sah echt seriös aus“, erinnert sich Jule.

 Doch eines Abends erreichte sie eine seltsame Mail von der vermeintlich so netten Familie. „In einem ganz schlechten Englisch stand da, dass ich so schnell wie möglich 1600 Dollar überweisen soll.“ Die Rede war von Vermittlungs- und Bearbeitungsgebühren, Auslagen und Kosten für das Visa. Jule und ihre Eltern wurden skeptisch und zahlten nicht. Die neue Vermittlungsagentur war plötzlich auch nicht mehr zu erreichen und auf Bitten nach einer Videoschaltung per Skype reagierte die vermeintliche Gastfamilie überhaupt nicht mehr. „Ich war richtig traurig, als ich merkte, dass es nur ums Geld ging“, sagt Jule, die inzwischen alle Mails gelöscht hat.

 Kein Einzelfall. Große Agenturen wie Au-pair-World warnen genau vor dieser Masche. Beim sogenannten „Scam“ werde versucht, sowohl ahnungslose Au-pairs und als auch Gastfamilien zu betrügen. Häufig werde – wie bei Jule – der Kontakt über soziale Netzwerke aufgenommen und eine ideale virtuelle Kulisse aufgebaut. Dann folgten Geldforderungen für vermeintliche Auslagen wie eine Arbeitserlaubnis oder Visa. Wer zahlt, sehe sein Geld nie wieder. Der Rat: Grundsätzlich sollte man niemals Geld an fremde Personen bezahlen und auch nicht auf unseriöse E-Mails antworten. Im Zweifel sollte Anzeige bei der Polizei erstattet werden.

 Stefan Jung vom Landeskriminalamt rät Betroffenen, die in eine Falle getappt sind, E-Mails und Schriftverkehr aufzuheben, damit die Polizei Ermittlungsansätze hat. Interessierte sollten auf seriöse Agenturen setzen, die bereits seit vielen Jahren Au-pairs vermitteln. Mund-zu-Mund-Propaganda oder Erfahrungsberichte von Bekannten seien die besten Quellen. Auch sollte man skeptisch werden, wenn Angebote zu verlockend klingen. Auf keinen Fall sollten Zahlungen über sogenannte Finanz-Transferdienste laufen. „Dafür gibt es einfach keinen Grund.“ Jule hat ihren Traum trotz der schlechten Erfahrungen nicht aufgegeben. Über neue Kontakte versucht sie derzeit, eine Au-pair-Stelle bei einer echten Familie zu finden.

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Ein Artikel von
Paul Wagner
Redaktion Lokales Kiel/SH