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Alterndes Land sucht neue Wege

Bürgerengagement Alterndes Land sucht neue Wege

Die Alterung der Gesellschaft schreitet unaufhaltsam voran. Fachleute sind sich einig, dass besonders die ländlichen Regionen stark unter der Überalterung leiden werden. Eine Initiative für Bürgerschaftsengagement in Schleswig-Holstein setzt genau hier an.

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Quelle: bos (Symbolfoto)

Kiel/Rendsburg. Die Menschen werden immer älter, die Jungen ziehen aus den Dörfern weg. Doch trotz dieser negativen Entwicklung steigt das Interesse an mehr Bürgerengagement in den ländlichen Regionen. Das liege vor allem an der älteren Bevölkerung, sagte Holger Wittig-Koppe vom Wohlfahrtsverband der Paritätische in Kiel. Bei einer Tagung in Rendsburg zum demografischen Wandel im Land präsentiert er am Donnerstag die Ergebnisse der Initiative Bürgernetzwerke in Schleswig-Holstein, die vor rund einem Jahr ins Leben gerufen wurde. Sie begleitet und berät selbst organisierte Nachbarschaftsprojekte und gemeindeübergreifende Netzwerke.

„Es scheint ein Riesentrend zu sein, das sich die Alten engagieren und die Gemeinden mehr auf solche Initiativen setzen wollen“, sagte Wittig-Koppe. In mehreren Workshops berät sein Team Gemeinden zur Wiederbelebung sozialer Strukturen, Modernisierung von Vereinen sowie Bürgermobilitätsprojekte. Besonders in den vergangenen fünf Jahre sei das Interesse an derartigen Bürgerprojekten enorm gestiegen.

Mit dem Projekt „Bürgernetzwerke für Schleswig-Holstein“ sollen die Dörfer auch für junge Leute wieder attraktiv werden. „Wir erleben immer öfter in Schleswig-Holstein, dass Dörfer anfangen auszubluten, die Infrastruktur bricht immer mehr ab und es wird immer unattraktiver hier zu leben“, sagte Wittig-Koppe. Nur mit finanzieller Unterstützung durch die Politik werde dieser Prozess nicht zu stoppen sein — „sehr wohl aber durch das soziale Engagement aller Generationen.“

Ob in der Flüchtlingshilfe, im Zusammenleben mit Menschen mit Behinderungen oder in einem Mehrgenerationenhaus — „viele wollen mehr machen als nur Kaffee kochen und stricken“, sagte Wittig-Koppe.

In Harrislee, Fehmarn, Nordfriesland und anderen Gemeinden in Schleswig-Holstein wurden derartige Projekte vor einem Jahr gestartet und ziehen immer mehr Interessierte an. „Viele empfinden die Welt um sich herum als sehr unsicher und suchen deshalb vermehrt nach Sicherheit und Geborgenheit“, sagte Wittig-Koppe. Gerade diese finde man eben auch bei Nachbarn und innerhalb der Gemeindestrukturen.

Heute ist jeder Fünfte in Deutschland 65 Jahre oder älter, 2060 wird es jeder Dritte sein. Die Zahl der Menschen über 80 wird sich laut Prognosen bis dahin verdoppeln. „Die Menschen werden immer älter, nach Pensionsantritt haben sie noch rund 20 Jahre zu leben und sind fit“, sagte Wittig-Koppe. „Die wollen die meisten nicht auf der Couch verbringen, sondern sich auch noch engagieren.“ Besonders die derzeitige Rentner-Generation habe neben einer hohen Qualifizierung auch als 68er-Bewegung ein großes Bewusstsein für gesellschaftliche Verantwortung erlebt. „Die Alten sind eine Chance, weil sie einfach Zeit haben“, sagte Wittig-Koppe.

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