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Amrum: Gedenkfeier für Sebastian

Alltag kehrt langsam zurück Amrum: Gedenkfeier für Sebastian

Sebastian stirbt auf Amrum beim Buddeln am Strand. Der Junge erstickt in einem Sandloch. Es war ein tragischer Unfall, sagt die Polizei. Am Sonntag ist eine Gedenkfeier für den toten Zehnjährigen geplant. Auf der Insel ist inzwischen wieder Alltag eingekehrt.

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Quelle: Um Sebastian wird getrauert (Archiv).

Amrum. Während die Kripo auf dem Festland fieberhaft untersucht, wie es zu dem tödlichen Unglück des zehnjährigen Sebastian kommen konnte, ist auf Amrum scheinbar der Alltag wieder eingekehrt. Die Fähren zu der Nordseeinsel sind bis Montag ausgebucht, sagte eine Sprecherin der Wyker Dampfschiffs-Reederei am Samstag. Der Grund: Nordrhein-Westfalen ist am Wochenende als neuntes Bundesland in die großen Ferien gestartet.

Der Albtraum aller Eltern: Seit Sonntag herrscht Ungewissheit über das Schicksal des kleinen Sebastian. Überall wird auf der Nordseeinsel Amrum nach dem Kind von Urlaubern aus Österreich gesucht. Die Polizei greift nach jedem Strohhalm.

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Bei Sonne und Wolken im Wechsel stauen sich daher auf dem Festlandshafen in Dagebüll Autos mit Kennzeichen wie DU (Duisburg), HAM (Hamm) und LIP (Kreis Lippe). Viele Urlauber sind Stammgäste. «Sie kommen jedes Jahr wieder, um sich hier einmal richtig zu erholen und den Alltag hinter sich zu lassen», weiß Frank Timpe, Chef der Amrum Touristik. Auf jeden der knapp 2300 Insulaner kommen im Sommer fünf Feriengäste, die die Hektik auf dem Festland gegen die Idylle der Amrumer Dünenlandschaft eintauschen wollen.

 Doch in diesem Jahr hat die Insel ihre Unschuld verloren: Der scheinbar friedliche Sandstrand hat den zehnjährigen Sebastian aus Österreich «verschluckt». Der blond gelockte Junge aus einem kleinen Ort bei Wien erstickte in einem selbst gebuddelten Sandloch, ergab die Obduktion. Es war ein Unfall, sind sich die Ermittler sicher: «Ein Fremdverschulden ist ausgeschlossen», sagte Polizeisprecherin Kristin Stielow.
   An diesem Sonntag will die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde St.-Clemens eine Gedenkfeier für das Kind veranstalten. Treffen ist nach Angaben von Pastorin Friederike Heinecke um 18.00 Uhr am Piratenschiff am Wittdüner Strandübergang. Dort war der Junge aus Österreich am vergangenen Sonntag gestorben. Zwar haben Helfer der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft DLRG rund 100 Meter oberhalb des Spielplatzes ihren Ausguck. Doch zusammengestellte Strandkörbe hatten den Blick verdeckt, so dass offensichtlich niemand den Tod des Kindes bemerken konnte.
   Zuletzt sei Sebastian gegen 16.30 Uhr im Ferienhaus bei seinen Eltern gewesen, sagte Polizeisprecherin Stielow. Der Junge bettelte seine Eltern an, noch einmal zu dem rund 200 Meter entfernten Spielplatz gehen zu dürfen. Gegen 17.00 Uhr ging er los, als sein Vater ihn eine Stunde später um 18.00 Uhr abholen wollte, war das Kind verschwunden. Da war das Loch, in dem der Zehnjährige um sein Leben gekämpft hatte, schon nicht mehr zu sehen.
Warum Hinweisschilder nur mahnen, dass brütende Vögel nicht gestört und Deiche nicht zerstört werden dürfen, jedoch nirgendwo vor den tückischen Gefahren des Sandes warnen, erklärt ein Einheimischer: «Jeder weiß, wenn der feine Sand trocken ist, rutscht und rieselt er, dann fließt er fast wie Wasser.» Und schiebt nach kurzem Nachdenken hinterher: «Wenn der Sand wirklich so gefährlich ist, wäre schon früher etwas passiert.»
Amrums Gäste sehen das offenbar ähnlich: In den Autos, die sich in Dagebüll vor den Fähren sammeln, sieht man alles eingepackt, was Kinder zum fröhlichen Buddeln am Strand brauchen: Bunte Eimerchen und Schaufeln aus Plastik für die Kleinen beziehungsweise aus Holz und Blech für ihre älteren Geschwister. Und auch am Piratenschiff auf der Insel buddeln bereits wieder Kinder.

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Notfälle
Polizisten graben unter dem Klettergerüst "Piratenschiff".

Die Kriminalpolizei hat am Freitag ihre Ermittlungen zum tragischen Tod des zehnjährigen Sebastian auf der Nordseeinsel Amrum fortgesetzt. Dazu gehört auch die Frage, ob der Junge aus Österreich beim Spielen im Sand eine Schaufel benutzt oder mit den Händen gebuddelt hat, sagte die Husumer Polizeisprecherin Kristin Stielow.

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