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Notrufe aus Berlin landen in Neukirchen

Kummer mit der Vorwahl Notrufe aus Berlin landen in Neukirchen

Walter Botte ist genervt. Bei dem Friseur in Neukirchen im Kreis Nordfriesland landen regelmäßig Anrufer und Faxe, die für die Polizei Berlin bestimmt sind.

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Thomas Dose, stellvertretender Bürgermeister von Neukirchen, sieht durch die Ähnlichkeit der Telefonnummern ein Problem für den Datenschutz.

Quelle: Michael Kaniecki

Neukirchen. Auch andere Bürger in der 1300-Seelen-Gemeinde bekommen Irrläufer – seit Jahren. Die Folgen: Ärger, Störung der Nachtruhe und Zusatzkosten für die Nordfriesen. Verzögerungen im Ernstfall für die Anrufer. Und die Weitergabe geschützter Daten von Unbeteiligten.

 Vor zwei Jahren ging es bei Ingrid Andresen los. „Es war ein Fax aus Holland, es ging um eine gestohlene Kamera“, sagt die 61-jährige Bäckersfrau. Danach seien an schlechten Tagen 15 Irrläufer gekommen. Als sie davon im Dorf erzählte, wurde schnell klar, dass auch andere betroffen waren.

Ingrid Andresen. Foto: Michael Kaniecki

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 In allen Fällen war der eigentliche Adressat die Polizeibehörde in Berlin. Deren Telefonnummern beginnen alle mit 4664. Die Vorwahl von Neukirchen ist 04664. „Offenbar sind viele Anrufer aufgeregt, wählen eine Null vorweg und landen dann in Neukirchen. Und bei Faxgeräten wird vielleicht die Berliner Vorwahl vergessen“, meint Bürgermeister Peter Ewaldsen. Sein Sohn werde selbst nachts wach geklingelt. „Auch Hilferufe sind dabei.“

 Das kennt auch Walter Botte. Erst am Vortag hatte er einen verstörten kleinen Jungen am Telefon. „Dem habe ich erklärt, dass er die Berliner Vorwahl wählen muss. Das ist nach meiner Erfahrung auch innerhalb von Berlin der beste Weg, damit Anrufer nicht wieder bei mir landen.“ Dem Friseur stellen sich inzwischen die Nackenhaare hoch, wenn sein Telefon einen Anruf aus Berlin anzeigt. „Ich muss ja drangehen, sonst verzögere ich vielleicht die Hilfe. Außerdem hört es sonst ja nicht auf zu klingeln.“ Sein defektes Faxgerät hat er sicherheitshalber nicht mehr reparieren lassen. Zu oft sind Vernehmungsprotokolle, Fahnungsaufrufe, Zeugenaussagen und andere Unterlagen mit persönlichen Daten in dem Friseursalon gelandet. „Das immer weiterzuleiten, kostet einfach zu viel Geld und Zeit“, findet der 61-Jährige.

Walter Botte. Foto: Michael Kaniecki

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 Das findet auch ein anderer Neukirchner, der kürzlich 70 Faxseiten bekam. Bei Erich Petersen waren es zwar nur zwölf Seiten, aber die hatten es in sich: Nach einer Unfallflucht wollte die Berliner Polizei einen Liste mit allen Halter eines bestimmten Autotyps in der Farbe Schwarz haben. Die Liste des Bundeskraftfahrtamtes in Flensburg landete in Neukirchen. Ein Versehen, heißt es in Flensburg, wo man Erichsens Rufnummer nun intern gesperrt hat. Doch für den stellvertretenden Bürgermeister von Neukirchen, Thomas Dose, reicht das nicht: „Wenn immer wieder, also vorhersehbar, persönliche Daten in falsche Hände gelangen, ist das ein Fall für den Datenschutz.“

Eine Anfrage der Kieler Nachrichten beim Datenschutzzentrum ist noch nicht beantwortet. Die Telekom hat immerhin eingeräumt, dass ohne technische Prüfung nicht ausgeschlossen werden kann, dass die Irrläufer doch systembedingt sind. Niels Hafenrichter von der Telekom sagte zu, dass dies nun geprüft wird. Sonst blieben nur neue Rufnummern. Das lehnt die Polizei in Berlin ab, aber auch Bürgermeister Ewaldsen in Nordfriesland: „Berlin ist der Verursacher, Berlin muss das lösen. Können sie das nicht allein, sollen sie die NSA fragen. Die weiß doch alles.“

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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