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Mit Vorsatz in den Gegenverkehr?

Kiel Mit Vorsatz in den Gegenverkehr?

Hat ein 19-Jähriger aus dem Kreis Segeberg versucht, bei einem Suizidversuch im Pkw seines Vaters auf einer Landstraße bei Bad Bramstedt ein entgegenkommendes Ehepaar mit in den Tod zu reißen? Seit Dienstag muss sich der Heranwachsende wegen versuchten Totschlags und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr vor dem Kieler Landgericht verantworten.

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Seit Dienstag muss sich der Heranwachsende wegen versuchten Totschlags und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr vor dem Kieler Landgericht verantworten.

Quelle: dpa

Kiel. Wie der Angeklagte zum Prozessauftakt einräumte, hatte er sich am 6. April 2014 in suizidaler Absicht ans Steuer gesetzt. Bewusst ohne den Sicherheitsgurt anzulegen will der Heranwachsende die stark motorisierte Ford-Limousine zwischen den Dörfern Hingstheide und Mönkloh auf bis zu 180 km/h beschleunigt haben.

Nach seiner gestrigen Aussage vor der Jugendstrafkammer plante er jedoch, das Fahrzeug gegen einen Baum zu setzen. Dazu habe er die Strecke mehrfach abgefahren. „Ich hatte nie die Absicht, einem anderen Menschen zu schaden“, beteuert er. Doch als er „soweit war“, schoss er auf der linken Fahrspur frontal auf den Pkw des Ehepaares aus Hohenlockstedt zu.

Die Zeugen waren an jenem Sonntagnachmittag nach einem Ausflug auf der Heimfahrt. „Er kam mir auf meiner Spur entgegen, mir blieb nur die Ausweichmöglichkeit nach links“, berichtete der Bauleiter (55) am Dienstag. „Was macht der da?“ fragte sich entsetzt die Beifahrerin. „Er ist rechts an uns vorbeigeschossen, sehr, sehr schnell, mit weniger als einem Meter Abstand“, sagte die Ehefrau. „Er hat uns angeguckt mit großen Augen.“

Die angeblich aus Liebeskummer geplante Todesfahrt ging glimpflich aus. Während das Paar anhalten und unverletzt aus seinem unbeschädigten Pkw steigen konnten, landete der Angeklagte leicht verletzt in der Feldmark, kam nach Überfahren mehrerer kleinerer Bäumen in seinem demolierten Fahrzeug zum Stehen. Ein Totalschaden. „Wie erklär´ ich das meinem Vater?“, sei sein erster Gedanke gewesen.

Von dem „fürchterlichen Schreck“ hat sich das Ehepaar nach eigenen Angaben bald erholt, an einen Suizidversuch habe man nicht gedacht. Diese Absicht offenbarte der Angeklagte jedoch unmittelbar nach dem Unfall mehreren Zeugen, die sich um den erblassten Fahrer mit der gebrochenen Nase gekümmert hatten. „Er bestätigte mehrfach, dass er das entgegenkommende Fahrzeug treffen wollte“, gab damals ein Polizeibeamter zu Protokoll.

Ein Missverständnis? Der Angeklagte will nur allgemein seine Selbstmordabsicht mitgeteilt haben. An dem Prozess, für den die Jugendstrafkammer fünf weitere Verhandlungstage eingeplant hat, nimmt auch ein psychiatrischer Sachverständiger teil.

In einem vergleichbaren Fall hatte das Landgericht im Februar 2010 einen Familienvater aus Norderstedt zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Der hoffnungslos verschuldete Angeklagte war nach Zwangsräumung seines Hauses mit Frau und Kind im Pkw mit Absicht frontal in einen Sattelschlepper gerast. Alle drei überlebten.

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