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Wagemutig und akrobatisch

BMX-Fans in Kiel Wagemutig und akrobatisch

Turndown, Barspin, Tailwhip: Der Europaplatz in der Kieler Innenstadt gehörte am Sonnabend den BMX- und Mountainbike-Fans. Zum Weltspieltag hatten die Biker das Areal vor der Sparkassen-Arena in einen Parcours verwandelt und beeindruckten die Zuschauer jenseits des rot-weißen Absperrbandes mit wagemutigen Stunts und akrobatischen Sprüngen.

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Die Sprünge beim BMX-Contest auf dem Kieler Europaplatz waren schlichtweg atemberaubend und spektakulär.

Quelle: Frank Peter

Kiel. „Unsere Straße ist zum Spielen da“, war das Motto des Weltspieltages 2015. Ziel der gemeinsamen Aktion des Deutschen Kinderhilfswerks und seiner Partner im Bündnis „Recht auf Spiel“ ist es, auf die Problematik in vielen Kommunen hinzuweisen, die spielende Kinder und Jugendliche mehr und mehr aus dem Stadtbild verdrängen, zu wenig Geld in geeignete Freizeitangebote stecken oder aufgrund leerer Kassen und hohem Investitionsstau Spielplätze komplett abbauen.

 Ein Problem, das auch die Kieler Biker-Szene kennt. Zuletzt wurden Plätze in Gaarden und Holtenau aufgelöst. Hinzu kommen Rivalitäten zwischen BMX-Fahrern und Skateboardern. „In Heikendorf dürfen wir die Anlagen nicht mehr nutzen, auch im neuen Uni-Park müssen Biker draußen bleiben“, bedauerte Christoph Behrend. Umso glücklicher waren seine Mitstreiter und er, an prominenter Stelle für den Sport werben zu können. „Auch wenn die Wellenform des Europaplatzes ideal für BMX ist, sind wir hier nicht gern gesehen“, so der 17-Jährige, der zum Aktionstag noch zusätzlich Rampen für die Fahrer und ihre wendigen Mini-Räder gebaut hatte.

 Die Idee hatte Sooke Dittbrenner vom Kinder- und Jugendbüro der Landeshauptstadt gehabt. „Das Motto des Weltspieltages passte einfach hervorragend, sich diesmal einer etwas älteren Zielgruppe zu widmen“, erläuterte der 35-Jährige. In der Szene kam die Idee eines BMX-Contests mitten in der Stadt hervorragend an, die Mitglieder des Vereins „Flachland Freeride“ unterstützten den Tag. Trotz widrigen Wetters war auch das Interesse der Kieler groß. Hunderte verfolgten den die Aktionen.

 Den ganzen Tag über gab es aber nicht nur spektakuläre Vorstellungen: Wer wollte, durfte sich auch selbst einmal auf den Rädern versuchen. „Es ist ein toller Sport“, warb Jesse Schneider, selbst Fahrer seit vielen Jahren. „Die wichtigsten Voraussetzungen sind natürlich Spaß am Biken und Ehrgeiz, Tricks immer und immer wieder zu üben – bis sie sitzen“, berichtete der 22-Jährige: „Prellungen, Bänderdehnungen und Schürfwunden hingegen hatte ich schon dutzendfach.“ Trotz Schmerzen und Blessuren könne er sich kein besseres Hobby vorstellen.

 Eine Auffassung, die Marcel Profittlich teilt. Der 27-Jährige ist seit mehr als zehn Jahren Profi-Biker. „Leben kann ich von meinem Sport zwar nicht, aber zumindest wird mir das Equipment finanziert und ich sehe eine Menge, bin regelmäßig in Deutschland und im benachbarten Ausland bei Contests dabei“, berichtete der Kieler. Ganz günstig ist das BMX-Rad-Fahren nämlich nicht: „Für den Anfang sollte man schon 400 Euro Minimum ausgeben“, sagte Jesse Schneider. „Richtige Biker bauen sich ihre Räder ohnehin individuell zusammen.“ 1700 Euro sei allein sein Gefährt wert. „Nach oben hin gibt es aber keine Grenzen.“

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