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Der bewegte Patient: Teilnehmer gesucht

Bewegungstherapie nach Krebserkrankung Der bewegte Patient: Teilnehmer gesucht

Nutzt eine Bewegungstherapie nach einer Krebserkrankung? Um das heruaszufinden, werden Teilnehmer für eine wissenschaftliche Untersuchung gesucht.

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Betreut onkologische Patienten am UKSH, denen eine unterstützende Bewegungstherapue verordnet wird: Dr. Thorsten Schmidt (Mitte).

Quelle: Maximilian Hermsen/UKSH

Kiel. Ruhe ist nicht die erste Patientenpflicht und eine heute nur noch selten ausgesprochene Empfehlung. Dass Bewegung in vielen Fällen die bessere Therapie ist, weil sie Komplikationen verhindern und heilsame Stoffwechselprozesse begünstigen kann, haben viele Studien gezeigt. Patienten nach Herzinfarkt oder Bandscheiben-Operation werden deshalb früh bewegt und zur Bewegung angehalten.

In der Onkologie, der Krebsheilkunde, erforschten Wissenschaftler den Zusammenhang von körperlicher Aktivität und Krebs zuerst an Frauen. „Frauen sind offener der Thematik gegenüber“, sagt Dr. phil. Thorsten Schmidt. Hinzu komme, dass die Fallzahlen beim Mammakarzinom höher seien. „Höhere Fallzahlen ermöglichen eine höhere Studiendichte.“ Und so einen höheren Evidenzgrad: Je mehr Studien bestimmte Ergebnisse bestätigen, desto belastbarer werden die gewonnenen Erkenntnisse und die daraus abgeleiteten Therapieempfehlungen. „Einer der am besten erforschten Faktoren ist die Lebensqualität, auf die Sport einen positiven Effekt hat“, sagt Schmidt. Der 36-Jährige ist seit zwei Jahren Leiter Supportivangebote Sport- und Bewegungstherapie und betreut alle onkologischen Patienten am UKSH, Campus Kiel, denen eine solche unterstützende Therapie verschrieben wurde. „Ob zum Ende einer Studie oder einer Therapie – oft sagen Patienten, sie würden gerne weitermachen.“ Oft sei die Stimmung unter den Teilnehmer(inne)n „sehr schön, und sie passen gut aufeinander auf.“ Einige ehemalige Krebspatienten kommen bereits über fünf Jahre zum Sport auf den UKSH-Campus Kiel.

 Zusammen mit Priv.Doz. Dr. Carsten Maik Naumann, Leitender Oberarzt der Kieler UKSH-Klinik für Urologie und Kinderurologie, rekrutiert und sucht Sportwissenschaftler Schmidt zurzeit Prostatakrebspatienten. Nach Angaben der Deutschen Krebshilfe ist „in den letzten Jahren (...) die Zahl der Neuerkrankungen stetig gestiegen und wird für das Jahr 2014 auf 70 100 geschätzt.“ Wenn wegen eines Tumors der Vorsteherdrüse diese operativ entfernt (Prostatektomie) oder bestrahlt wird, kann die Lebensqualität durch zwei Folgen schwer beeinträchtigt werden: Inkontinenz und Impotenz. Auch deshalb sind Männer dieser Thematik gegenüber nicht offen.

 Die wenigen Studien, die es gibt, zeigen laut Schmidt, „dass ein Krafttraining und auch ein Ausdauertraining parallel zur strahlentherapeutischen oder antihormonellen Behandlung bei Prostatapatienten positive Effekte haben.“ Wissenschaftlich aber noch nicht untersucht, obwohl aus der Praxis bekannt, ist, dass eine Kräftigung der Bauch-, Rücken- und Beinmuskulatur diejenige der Beckenbodenmuskulatur unterstützt – und die wird zur Wiedererlangung der Kontinenz dringend benötigt.

 „Deshalb müssen wir eine solche Studie machen“, erklärt Schmidt und betont: „Die Patienten, die an unserer Studie teilnehmen, brauchen keinerlei sportliche Voraussetzungen mitzubringen.“ Auch das Alter ist offen. Wie bei jeder Studie entscheiden deren Leiter nach vorher festgelegten Ein- und Ausschlusskriterien, wer für eine Teilnahme infrage kommt und wer nicht. „Jeder, der sich bei uns meldet, bekommt eine Beratung“, so Schmidts Zusage. Beratung, Teilnahme an der Studie und der Sport danach sind kostenlos – eine 100-prozentige Finanzierung über Spendengelder ermöglicht es. Die Spenden kommen unter anderem aus dem Benefiz-Cup „UKSH setzt Segel gegen Krebs“,der am 20. September zum zweiten Mal vor Schilksee stattfinden wird, und aus dem Benefiz-Konzert „Musik gegen Krebs“ im Januar dieses Jahres. Zudem hat Thorsten Schmidt einen Verein für Gesundheit und Rehabilitation am UKSH gegründet. „Mit dem Verein können wir ab dem 1. August auch eine Reha-Sportverordnung abrechnen.“ Auf dieser Basis – verordnet würde Bewegungstherapie für ein Jahr einmal pro Woche – will Schmidt im Anschluss an die Studie eine reine Männersportgruppe für Onkologie-Patienten gründen.

 Teilnehmer gesucht

 60 Männer, bei denen in den letzten drei Monaten nach Abschluss der Spontan-Rehabilitation (zwölf bis 18 Monate nach Prostatakrebs-OP) keine Besserung eingetreten ist. Ausschlusskriterien sind akute Infektionen, schwerwiegende Herzerkrankungen oder neurologische Störungen. Weitere Informationen und Anmeldung bei Dr. Thorsten Schmidt, Tel. (0431) 597 2180.

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Ein Artikel von
Christian Trutschel
Lokalredaktion Kiel/SH

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