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Wie gesund ist Schleswig-Holstein?

Bundesweit größte Studie Wie gesund ist Schleswig-Holstein?

Seit Oktober 2014 untersucht das Kieler Studienzentrum als eines von bundesweit 18 Einrichtungen per Zufallsprinzip ausgewählte Schleswig-Holsteiner nicht nur auf Herz und Nieren: Im Rahmen der Erhebung „Nationale Kohorte“ (Nako) erfasst der Gesundheitsscheck auch Blutdruck, das Riechvermögen oder die Kraft in den Händen. Bisher aber haben sich erst etwa 900 von mehr als 3000 angeschriebenen Teilnehmern testen lassen.

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Andrea Koch, Mitarbeiterin am Studienzentrum, misst bei dem Probanden Udo Kock den Blutdruck. Die Untersuchungen und Befragungen dauern zwischen drei und fünf Stunden.

Quelle: Frank Peter

Kiel. 10000 Frauen und Männer aus Kiel und der Region hoffen die Forscher bis 2018 einbinden zu können. Das Kieler Studienzentrum in der Kinderklinik will unter anderem mit einem Tag der Offenen Tür im Oktober kräftig die Werbetrommel drehen, damit so viele Menschen wie möglich mitmachen. Denn eines steht fest: Nur wenn die Teilnahmebereitschaft und damit die Daten-Sammlung ausreichend groß sind, kann das Ziel erreicht werden, mehr Erkenntnisse über Volkskrankheiten wie Diabetes, Demenz, Krebs und Schlaganfall zu gewinnen. „Wir wollen verstehen, wie erbliche Faktoren und der Lebensstil zusammenwirken“, erklärt Prof. Wolfgang Lieb, Direktor des Instituts für Epidemiologie und Leiter des Studienzentrums.

 Wie hört, sieht und riecht der Durchschnittsbürger? Wie hängen die Sinnesfunktionen mit Krankheiten zusammen? Wie verteilen sich welche Muster in der Gesamtbevölkerung, um Aufschluss über die Entstehung einer Krankheit, aber auch Vorsorge und Nachbehandlung geben zu können? Sind die erhobenen Daten ausgewertet, wollen die Wissenschaftler am Ende auch Empfehlungen etwa zur Ernährung geben können, sagt Dr. Sabrina Schlesinger, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Epidemiologie. All das funktioniert jedoch nur dann, wenn die Daten möglichst vieler und unterschiedlicher Menschen zusammenkommen.

 Doch nicht jeder, der sich dafür interessiert, kann mitmachen: Die Teilnehmer, zwischen 20 und 69 Jahren, werden per Zufall ausgewählt, um einen repräsentativen Querschnitt durch die Gesellschaft abzubilden. Ist die erste Phase der Studie in vier, fünf Jahren abgeschlossen, werden alle Teilnehmer noch einmal zur zweiten Runde eingeladen. Nur so lassen sich aussagekräftige Vergleichsdaten gewinnen. Sollten Teilnehmer umgezogen sein, wendet sich das dann zuständige Studienzentrum an sie. Ein ausgeklügeltes Verschlüsselungsverfahren schließt nach Angaben des Zentrums einen Missbrauch der Daten aus.

 Für den früheren Drucker und Jugend-Fußball-Trainer Udo Kock ist die Erhebung „einfach eine tolle Sache, bei der man nichts falsch machen kann“: Als Proband erhält er eine intensive kostenlose Gesundheitsüberprüfung, die sich zwischen drei und fünf Stunden hinzieht. Befragung, Ultraschallbilder, Blutdruck-Messung, Blut- und Urin-Proben, die Zusammensetzung des Körperfetts und vieles mehr. Nur die Übungen zur Merkfähigkeit und Konzentration fielen dem 68-Jährigen nicht so leicht.

 „Ich fühle mich gesund, habe nur Probleme mit dem Rücken, weil ich viel Fußball gespielt habe“, meint er. Und eigentlich sei er kein Typ, der zum Arzt gehe. Doch das Mammut-Projekt im Dienst der Wissenschaft zu unterstützen, hat ihn motiviert – neben der Ermutigung durch seine Töchter. „Will man eine der Untersuchungen nicht, kann man sie ja ablehnen. Ich habe aber alles mitgemacht, da ich wissen will, was auf mich in den nächsten Jahren zukommen könnte.“ Würden sich aus seinen Daten und Werten Auffälligkeiten ergeben, gibt eine Ärztin Auskunft. In jedem Fall bekommen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen Untersuchungsbericht für ihre Hausärzte mit.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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