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Keime: Wirkstoff entschlüsselt

Uni Kiel Keime: Wirkstoff entschlüsselt

Im weltweiten Kampf gegen multiresistente Keime macht die Entdeckung aus einem Labor der Kieler Universität neue Hoffnung. Dem Forscherteam unter Leitung von Professor Joachim Grötzinger ist es gelungen, die Grundlagen für eine ganz neue Art von Wirkstoffen zu entschlüsseln. Auch gegen die gefährlichen Bakterien, die das UKSH wochenlang in Atem hielten, könnte die Entdeckung helfen.

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Biochemiker Prof. Joachim Grötzinger spricht von sensationeller Wirksamkeit.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel. Forscher vom Biochemischen Institut der CAU haben eine vielversprechende Waffe gegen tödliche Bakterien entwickelt. „Diese Art von Molekülen ist ein Hoffnungsschimmer im weltweiten Kampf gegen multiresistente Keime“, sagt Erfinder und Forschungsgruppenleiter Prof. Joachim Grötzinger. Die Wissenschaftler haben natürliche und synthetische Moleküle verbunden und mit diesem Verfahren sogenannte „Chimäre Defensine“ geschaffen. Aufgrund ihrer Beschaffenheit können gefährliche Mikroorganismen nur schwer Resistenzen gegen das neue Designer-Molekül entwickeln. „Das Team von Professor Grötzinger hat es geschafft, das Beste aus zwei Welten zu vereinen und etwas noch Besseres zu schaffen“, bestätigt Dr. Alexandra Cordeiro Baumgartner, Biochemikerin bei der landeseigenen Patentverwertungsagentur PVA SH, die sich um die zugehörigen Patente und den Schutz der Entwicklung kümmert. In den USA ist die Kieler Erfindung bereits patentiert worden, das Patentverfahren für Europa läuft.

 Der entstandene Wirkstoff mit dem Projektnamen „C5“ entwickelte in ersten Tests extrem hohe antibakterielle Aktivität. „Außerdem ist sein Wirkungsspektrum sehr breit angelegt“, erklärt Forscher Grötzinger. Auch gegen den multiresistenten Keim Acinetobacter baumannii, der vor wenigen Wochen am Universitätsklinikum Kiel aufgetreten war und mit mehreren Todesfällen in Zusammenhang gebracht wird, ist die Entwicklung offenbar wirksam. Für einen Test hatte Prof. Grötzinger seinem Kollegen und Infektionsexperten Prof. Rainer Podschun vom Institut für Medizinische Mikrobiologie des UKSH einige bei minus 80 Grad Celsius eingelagerte Proben geschickt. Der Mikrobiologe setzte „C5“ im Labor gegen Keime von infizierten UKSH-Patienten ein. Vor wenigen Tagen bekam Grötzinger die vielversprechenden Testergebnisse per Mail. „Wir waren total überrascht, wie sensationell der Stoff anschlägt“, freut sich der Wissenschaftler.

 Die Kieler hoffen jetzt, dass das Bundesforschungsministerium das nötige Geld für weitere Testreihen zur Verfügung stellt. Nur so könnte das Stadium der Grundlagenforschung verlassen werden und aus „C5“ in einigen Jahren ein schlagkräftiges Antibiotikum für den medizinischen Einsatz entstehen. Das will Grötzinger möglichst gemeinsam mit den Pharmakologen der CAU entwickeln.

 Weltweit suchen Forscher nach wirksamen Strategien gegen die Ausbreitung multiresistenter Keime. Sie zählen nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu den größten Bedrohungen des 21. Jahrhunderts. Seite 15 Kommentar Seite 2

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Ein Artikel von
Paul Wagner
Redaktion Lokales Kiel/SH

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