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Kifferland Schleswig-Holstein

Cannabis Kifferland Schleswig-Holstein

In der Hasch-Szene hat Schleswig-Holstein einen guten Ruf. Vor gut 20 Jahren sorgte ein Lübecker Richter dafür, dass Kiffer ihren Joint straffrei rauchen können. Kurz danach machte das Kieler Kabinett bundesweit Schlagzeilen, weil es Cannabis über Apotheken verkaufen wollte.

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In der Hasch-Szene hat Schleswig-Holstein einen guten Ruf.

Quelle: Oliver Berg/dpa

Kiel. Auf einem ähnlichen Trip ist die derzeitige rot-grün-blaue Koalition. Ihre Pläne, darunter ein „drug checking“, sind bisher allerdings gescheitert.

Als Vater der liberalen Drogenpolitik made in Schleswig-Holstein gilt der Lübecker Top-Jurist Wolfgang Neskovic. Der Richter legte dem Bundesverfassungsgericht 1992 ein erstinstanzliches Drogenurteil (zwei Monate Haft für zwei Gramm Haschisch) vor, erinnerte an den legalen Alkoholkonsum und forderte ein „Recht auf Rausch“. Die Karlsruher Richter lehnten zwei Jahre später zwar eine Legalisierung von Hasch ab, öffneten aber eine Hintertür. Demnach ist eine Strafverfolgung von Kiffern dann „unverhältnismäßig“, wenn sie mit einer „geringen Menge“ Gras erwischt werden. Zum Leidwesen vieler Politiker ließ das Gericht damals allerdings offen, bei wie viel Gramm die geringe Menge für den Eigenbedarf endet.

Mit Blick auf den nur halben Sieg in Karlsruhe legte die SPD-Landesregierung 1995 nach, vorneweg Gesundheitsministerin Heide Moser. Die rote Powerfrau ließ sich von ihren Länderamtskollegen den Auftrag geben, in Schleswig-Holstein den Verkauf von Hasch zu erproben. Der Modellversuch, den die rot-grüne Regierung 1996 eintütete, war bis ins Detail geplant. Demnach sollten Apotheken erst in einigen Regionen Schleswig-Holsteins und dann landesweit Cannabisharz (Hasch) und Cannabis (Marihuana) in Fünf-Gramm-Tüten verkaufen. Der Preis sollte leicht über dem auf dem Schwarzmarkt liegen. Landesbürger (ab 16 Jahre) sollten eine fälschungssichere Kifferkarte erhalten, um Junkies etwa aus Hamburg abzuhalten.

Den Vorstoß begründete Moser mit der Hoffnung, über den Hasch-Verkauf die Drogenmärkte trennen und so den Dealern das Geschäft vermiesen zu können. Viele Apotheker protestierten, ebenso die CDU, die Schleswig-Holstein auf dem Weg zum „Mekka für Haschfreaks“ sah. Bundesweit hagelte es Proteste. Moser wurde als „Hasch-Heide“ diffamiert. Als eine deutliche Mehrheit der Landesbürger die Pläne ablehnte, bröckelte die Hasch-Offensive. Die Notbremse zog letztlich der damalige Bundesgesundheitsminister Horst Seehofer (CSU). Sein Bundesamt lehnte 1997 den Kieler Antrag für den Haschverkauf ab.

Geblieben sind in Schleswig-Holstein Drogenregelungen, die liberaler sind als in den meisten anderen Ländern. Die rot-grünen-blauen Koalition wollte hier nachlegen. Die Pläne, etwa vor Discos Drogen kostenlos zu testen (drug checking) liegen wegen juristischer Probleme allerdings auf Eis. Eine Anhebung der einst von Neskovic erkämpften Freimenge ist vertagt. Und auch ein weiterer Drogen-Vorstoß ist verpufft. Städte wie Kiel lehnten die rot-grün-blaue Idee ab, in größeren Orten Konsumräume für Drogen einzurichten.

Von Ulf B. Christen und Patrick Tiede

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KN-online (Kieler Nachrichten)

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Freigabe von Cannabis
Foto: In Deutschland verboten: Im US-Bundesstaat Colorado (Foto) blüht der Hanf. Das aus der weiblichen Pflanze gewonnene Harz ist eine psychoaktive Droge, die als Joint geraucht oder etwa als Haschkeks gegessen werden kann. Umstritten ist, ob die Droge harmloser oder gefährlicher ist als Alkohol.

Im Landeshaus ist der Streit über die Freigabe von Cannabis neu entbrannt. Grüne, FDP und Piraten sind dafür, CDU und SPD sprechen sich dagegen aus. Sozialministerium und Suchtexperten warnen davor, die Droge zu verharmlosen. Die Liberalen hatten die Debatte am Wochenende befeuert: Auf ihrem Bundesparteitag forderte die FDP eine Cannabis-Freigabe unter strengen Auflagen.

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