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Carstensen warnt vor dem Wolf

Ruf nach neuem Jagdrecht Carstensen warnt vor dem Wolf

War es ein Wolf oder doch ein wildernder Hund? Nachdem am Dienstag auf einer Weide in Schierensee zahlreiche Schafe und Lämmer gerissen oder schwer verletzt worden waren (wir berichteten), hat die Diskussion um das Wolfsmanagement in Schleswig-Holstein von Neuem begonnen. Die Ansichten gehen dabei äußerst weit auseinander.

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Peter-Harry Carstensen warnt vor dem Wolf.

Quelle: Frank Peter

Schierensee. Jan Siebels, der den Verlust von fast 30 Tieren beklagt, hatte nicht viel Zeit, um sich von dem Schock zu erholen. Die Lammzeit hat den Schäfer aus Blumenthal fest im Griff. „Wir haben noch am Abend einen Zaun gesetzt, der einen Meter hoch ist und, außer am unteren Draht, mit Strom versehen ist“, erklärte er. Auch Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) war noch am Mittwochabend als Gast auf seinem Hof. Es habe ein intensives Gespräch mit dem Minister gegeben, sagte Siebels. „Ich habe ihn gefragt, ob er Wölfe will oder Weidehaltung. Da hat Herr Habeck gesagt: Weidehaltung.“ Gute Nachrichten hat Siebels von seinen mutterlosen Lämmern, die nach dem Angriff traumatisiert wirkten und die Nahrungsaufnahme zunächst verweigerten. „Es sah anfangs schlimmer aus, einige haben sich berappelt.“

 Während der Landwirt etwas entspannter wirkt, bleibt der zuständige Revierinhaber skeptisch. Das Revier Schierensee, wo sich die Weide von Schäfer Siebels befindet, gehört zum Naturpark Westensee, Jagdausübungsberechtigter ist Ex-Ministerpräsident Peter Harry Carstensen. „Wir haben mit dem Naturpark Westensee und dem Schierenseer Wald ein Naherholungsgebiet. An Wochenenden laufen dort bis zu 500 Besucher mit Kind und Hund durch. Ich rate jedem, die Wege derzeit nicht zu verlassen“, erklärt Carstensen mit Nachdruck.

 Er war es auch, der die Information über den Angriff an Habeck gegeben hat. „Ich habe bereits am Abend bei ihm angerufen und gesagt: Wir haben einen Wolf“, sagt Carstensen und stellt kritische Fragen: „Was mich erstaunt, ist die Tatsache, dass das Tier offenbar über mehrere Autobahnzäune gestiegen ist, um dorthin zu gelangen. Das kann ich mir fast gar nicht vorstellen.“ Carstensen möchte zudem wissen, „ob der Minister uns versichern kann, dass der Wolf nicht aktiv hierher gebracht wurde“. Der passionierte Jäger formuliert damit ganz offen die Frage, die seit Monaten immer wieder diskutiert wird. Denn für Carstensen steht fest: „Der Wolf ist kein Kuscheltier. Viele Reiter, die durch den Wald reiten, haben inzwischen Angst.“

 Eine deutliche Position nimmt der Landesjagdverband (LJV) mit Sitz in Flintbek ein. 17000 Jäger agieren landesweit in Wald, Feld und Flur. „Wir würden es begrüßen, wenn der Wolf in das Jagdrecht käme. Das bedeutet nicht, dass er bejagt wird, denn das werden der Seeadler oder der Fischotter, die im Jagdrecht mit einer ganzjährigen Schonzeit belegt sind, auch nicht“, betont LJV-Geschäftsführer Andreas Schober. „Aber es würde, zum Beispiel bei einem durch einen Wildunfall verletzten Wolf, einfacher, ein Tier zu erlösen, weil der Behördenweg dann erheblich kürzer wird“, erläutert der Jurist das Prozedere.

 Dass der Wolf sich im Norden wohlfühlt, sei klar. „Der Wolf ist ein intelligentes Raubtier, das im Land, bedingt durch die Weidehaltung, einen reich gedeckten Tisch vorfindet. Außerdem hat er gelernt, sich anzupassen: Bei Drückjagden in Brandenburg ist beobachtet worden, dass Wölfe mitjagen und sich ihren Teil nehmen“, sagt Schober. In Sachsen sei der Wolf bereits im Jagdrecht – und zwar ohne Probleme.

 Eine ganz andere Sichtweise hat Nabu-Landespressesprecher Ingo Ludwichowski. „Der Wolf gehört nicht ins Jagdrecht, denn das Problem besteht dabei in der missbräuchlichen Anwendung“, argumentiert Ludwichowski. „Die Hemmschwelle, den Finger krumm zu machen, ist dann gering.“ Zudem sollte erst festgestellt werden, ob die Schafe wirklich von einem Wolf gerissen wurden. „Der Gentest muss abgewartet werden. Zudem müssen die möglichenSchutzmaßnahmen genutzt werden. Dann werden auch die Schadensfälle weniger werden“, betont der Sprecher des Naturschutzbundes.

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Ein Artikel von
Sorka Susann Eixmann
Holsteiner Zeitung

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Angst vor Wölfen
Foto: Landwirt Jan Siebels (rechts) begutachtet mit Hauke Göttsch die Kehlbisse an seinen Mutterschafen.

Nach dem Vorfall mit 25 getöteten Schafen auf einer Weide bei Blumenthal ist eine neue Debatte um den Umgang mit Wölfen im Land entbrannt. Der Landesjagdverband (LJV) fordert eine Aufnahme ins Jagdrecht, Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) ist strikt dagegen. Auf der betroffenen Weidefläche wurden die Sicherungsmaßnahmen verschärft.

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