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Ohne Hasenbein läuft für die Segler nichts

Möltenorter Hafen Ohne Hasenbein läuft für die Segler nichts

Man hört es schon von weitem. Da kommt Hasenbein auf seinem Deutz-Trecker. Für die Männer, die an diesem Vormittag am Möltenorter Hafen stehen, ist das Tuckern das Startsignal für eine traditionelle Gemeinschaftsaktion. Und ohne Herbert Hasenbein, das 90-jährige Urgestein, läuft da gar nichts.

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Das Slippen ist bei den Seebären in Möltenort ein Gemeinschaftswerk. Herbert Hasenbein (90) und sein alter Deutz spielen bei der Aktion aber die wichtigste Rolle. Mit ihm dauert es nicht lange, bis alle zehn Segelschiffe auf dem Kai stehen.

Quelle: pae

Heikendorf. Herbert Hasenbein und die zehn anderen Männer auf dem Kai sind Seebären wie aus dem Bilderbuch. Männer wie Hasenbein, der in Memel auf dem Wasser groß geworden ist und bis 85 noch Eishockey gespielt hat – so konnte er auch im Winter auf dem Wasser sein. Oder wie Heinz Horn, Kapitän aus Schönkirchen und 86 Jahre alt, der als Rentner 17 Jahre ehrenamtlich die „Stadt Kiel“ gesteuert hat und privat mit seiner „Olsen 88“ gut 62000 Seemeilen gesegelt ist. Männer, für die der Winter ohne Wasser unter dem Kiel die Zeit der Sehnsucht ist.

 An diesem Tag ist sie zu Ende: Die Boote werden endlich wieder zu Wasser gelassen und das geht bei der „Gruppe Hasenbein“, wie sie hier jeder nennt, wie am Schnürchen. „Früher“, sagt Hasenbein, „da hat der Kran die Boote von jedem zu Hause abgeholt und zum Hafen gebracht“. Dann kam das Verbot. Mit schwebenden Lasten durfte der Kran nicht mehr auf öffentlichen Straßen fahren. Nur die Seglervereinigung Kiel macht das noch – am Wochenende wird dafür wieder die Kiellinie gesperrt.

 Doch für die Seebären auf dem anderen Fördeufer war das keine Lösung. Selbsthilfe war gefragt. Und das ist genau das Ding von Herbert Hasenbein. „Ich bin nach Plön zum Amt und da haben sie gesagt: Besorg dir etwas, was nicht schneller als sechs km/h fährt.“ Also kaufte Herbert Hasenbein den Deutz, Jahrgang 64, und übernahm von da an den Transport der Boote für die Seebären. Ehrenamtlich, versteht sich.

 Nun sitzt er auf dem grünen Deutz und zieht seine „Erika“ vom Hof hinunter zum Hafen. Auf dem Kai in die richtige Position bugsieren, abstellen, abkoppeln, weiter geht’s, das nächste Segelschiff holen. Der 90-Jährige steuert ruhig und routiniert durch Heikendorf. Immer wieder wird er gegrüßt, eine Frau ruft ihm zu: „Ist es soweit? Na dann schönen Sommer.“ Herbert Hasenbein ist bekannt wie ein bunter Hund, und man spürt die Achtung, die ihm entgegengebracht wird. 400 Jugendlichen hat er bei der Möltenorter Seglerkameradschaft das Segeln beigebracht. „Ich wollte die junge Leute warnen und mahnen, verantwortlich zu handeln und das zu verhindern, was ich erlebt habe: Krieg, Gefangenschaft in Sibirien. Als ich zurückkam, war ich fast 30.“ Er ging nach Heikendorf und blieb. „Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich mich frei gefühlt.“

 Es dauert nicht einmal zwei Stunden, da stehen alle zehn Segelschiffe auf dem Kai. Hasenbein hat den Kran beim Bau-Dienst Kiel bestellt. Jeder weiß jetzt, was er zu tun hat. Eine gute Stunde später sind alle Segelschiffe unversehrt und sicher auf ihren Liegeplätzen vertäut – trotz der Windböen, die aufs Land drücken. Nach knapp vier Stunden ist von der Aktion nichts mehr zu sehen. „Jahrzehntelange Routine“, sagen zwei Zuschauer. „Gute Vorbereitung“, sagt Herbert Hasenbein. Dann fährt er mit sechs km/h nach Hause.

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH