23 ° / 12 ° wolkig

Navigation:
Wer hat ihn erschossen?

Der Seeadler-Fall Wer hat ihn erschossen?

Der Tod des Seeadlers, der im vergangenen September auf einem Feldweg bei Muxall gefunden wurde, hat sich zum Kriminalfall entwickelt. Die Präparatorin Christel Kolligs aus Altenholz hat jetzt die wahre Todesursache entdeckt: Das Tier wurde erschossen. Jetzt ermittelt die Polizei.

Voriger Artikel
Bosse freut sich schon aufs Meer
Nächster Artikel
Motorradfahrer stirbt bei Verkehrsunfall

Peter Steffen musste lange warten, bis klar war, wie der mächtige Altvogel zu Tode gekommen ist: „Ich bin erschüttert, dass jemand so etwas macht.“

Quelle: Knief

Muxall/Altenholz. Peter Steffen kann sich noch genau an jenen 13. September 2013 erinnern. Eine Joggerin hatte den verendeten Seeadler entdeckt und ihn alarmiert. „Das Tier lag etwa 30 Meter von einer Hochspannungsleitung entfernt auf dem Feldweg, und ich hatte sofort ein merkwürdiges Gefühl. Es sah aus, als sei er dort abgelegt worden“, erinnert sich der Jagdpächter. Er informierte die Polizei und Wilfried Knief vom Vorstand der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Hamburg und Schleswig-Holstein und langjähriger Leiter der Staatlichen Vogelwarte. „Es waren keinerlei äußere Verletzungen zu erkennen. Aber am Schnabel war ein grünlicher Ausfluss“, erinnert sich der Ornithologe. Die Umstände deuteten also eher auf eine Vergiftung als auf eine Kollision mit der Hochspannungsleitung hin. Zudem war der wohlgenährte Altvogel nicht beringt – ungewöhnlich, denn die heimischen Seeadler werden seit 1968 von der Projektgruppe Seeadlerschutz bewacht, dokumentiert und seit 1977 die Nestlinge beringt.

 Um die Todesursache zu klären, wurde der Kadaver beim Leibniz Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin seziert und geröntgt. Die Auswertung ergab als Todesursache ein „Trauma unbekannten Ursprungs“. Ein unbefriedigendes Ergebnis für Peter Steffen – besonders, da das Tier in seinem Jagdrevier gefunden wurde. „Ich habe mich gefragt, ob der arme Vogel noch irgendwie dienlich sein kann und kam dann auf die Idee, ihn dem Gymnasium Heikendorf als Anschauungsobjekt zu schenken, wenn man dort die Präparation finanziert.“

 Endlich kam der Kadaver aus Berlin zu Präparatorin Christel Kolligs in Altenholz. Sie entdeckte am Kopf des Vogels ein kleines Loch. Neugierig suchte sie die Ursache – und entdeckte im Hirn des Seeadlers ein Hartgummigeschoss. Das schickte sie Peter Steffen, der unverzüglich die Polizei informierte. Ein Büchsenmacher stellte fest, dass es sich um ein Luftgewehrprojektil, ein sogenanntes Diabolo Kaliber fünf Millimeter handelte. Jäger Steffen ist überzeugt, dass der Seeadler woanders gezielt geschossen und dann zur Tarnung auf dem Feldweg abgelegt worden ist: „Vielleicht hatte der Täter Angst, dass das Tier gechipt ist, vielleicht wollte er den Verdacht gezielt auf die Hochspannungsleitung als Todesursache lenken, vielleicht hat er sogar die Beringung des Vogels entfernt.“ Das wird nicht mehr aufzuklären sein. Auf jeden Fall aber war die primäre Todesursache der Schuss, sind sich Steffen und Knief einig.

 „Solch ein gezielter Abschuss geschieht mit voller Absicht und zeugt von einer hohen kriminellen Energie, zumal Luftgewehre im Kaliber 5 Millimeter eher ungebräuchlich sind, ebenso wie Munition aus Hartgummi, die nicht in Röntgenaufnahmen zu erkennen ist und speziell für solche Zwecke beschafft werden muss“, sagt Knief und erinnert sich an einen drastischen Fall im Jahr 2009 ganz in der Nähe.

 Auch damals war Peter Steffen gerufen worden: Ein Landwirt hatte auf seiner Weide in unmittelbarer Ortsnähe einen toten Greifvogel entdeckt. Bei der Nachsuche wurden in den folgenden Tagen insgesamt sieben tote Mäusebussarde, ein Habicht und ein Kolkrabe entdeckt. „Und auf einen Zaun gespießt fanden sich Reste eines Huhns und einer alten Putenkeule“, erinnert sich auch Jäger Steffen. An der Universität Göttingen wurden dann die Mageninhalte der Vögel analysiert. In allen Proben fand sich Parathion – besser bekannt als E 605. Damit war klar, dass es sich um eine gezielte Vergiftungsaktion gehandelt hatte. Parathion wurde lange als Insektenvernichtungsmittel eingesetzt. Es ist auch für Warmblüter hochgiftig, wirkt schon beim Einatmen und wird leicht über die Haut aufgenommen. Bereits kleinste Mengen sind tödlich. Seit 2002 ist das Mittel auch in Deutschland verboten. Restbestände gelten als Sondermüll und müssen entsprechend entsorgt werden. „Wie so oft konnte der Täter auch 2009 nicht ermittelt werden. Nicht ausgeschlossen, dass es einen Zusammenhang mit dem toten Seeadler gibt“, sagt Ornithologe Knief.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

KN-KSV-Liveticker

Verfolgen Sie alle Spiele von Holstein Kiel im KN-KSV-Liveticker.

Anzeige
ANZEIGE
Mehr zum Artikel
Probsteierhagen
Keine äußeren Verletzungen erkennbar: Jagdpächter Peter Steffen mit dem toten Seeadler.

Er lag „nicht weit von einer Hochspannungsleitung“, erklärte Peter Steffen am Montag über den toten Adler, zu dem der Jagdpächter aus Muxall am Wochenende gerufen worden war. Grüner Schleim am Schnabel könnte ein Hinweis auf eine Vergiftung sein. Steffen glaubt eher, dass der Vogel verhungert ist.

  • Kommentare
Kostenpflichtiger Inhalt mehr