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Diskriminierende Praxis beim Blutspenden

Verbände und Parteien sind empört Diskriminierende Praxis beim Blutspenden

Kaum etwas ist kostbarer als Blut. Doch das Plasma für Transfusionen ist immer wieder mal knapp. Spender sind deshalb sehr gefragt. Homo- und bisexuelle Männer aber müssen draußen bleiben – zur Empörung nicht nur Schwuler.

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Der Aids-Schock sitzt tief: In den 1980ern waren Blutspenden massenhaft mit HIV infiziert. Homo- und Bisexuelle dürfen deshalb kein Blut spenden - auch wenn das Plasma dringend benötigt wird.

Quelle: dpa

Kiel. Wer spendet, tut Gutes. Aus medizinischen Gründen ist das vielen spendewilligen Patienten verwehrt, besonders, wenn Infektionen im Spiel sind. Nur bei homo- und bisexuellen Männern entscheidet vor dem Aderlass ihre sexuelle Orientierung, nicht ihr Sexualverhalten. Protest kommt da auch aus der Politik: Grüne und FDP setzen sich dafür ein, Blutspenden von Männern nicht von sexuellen Vorlieben abhängig zu machen. Heiner Garg (FDP) kennt die Diskriminierung von Landtags-Blutspendeaktionen: Auf die Frage anderer, ob er dabei sei, konnte er nur antworten „Wieso? Ihr wollt mein Blut doch gar nicht…“

 Das Universitätsklinikum Schleswig-Hostein (UKSH) weist Diskriminierungsvorwürfe zurück: „Das ist einfach eine Frage der Risikoabschätzung“, erklärt Sprecher Oliver Grieve. Von jährlich etwa 3000 Neuinfektionen mit dem HI-Virus (HIV, Humanes Immundefizienz Virus), die zur oft tödlichen Immunschwäche AIDS führen können, stammten laut Grieve 65 Prozent aus Kreisen Schwuler. Grieve spricht von einer „be- und erdrückenden Statistik“. Das Robert-Koch-Institut (RKI) empfehle, homosexuelle Männer vom Blutspenden auszuschließen.

 Der Aids-Schock sitzt in der Transfusionsmedizin tief: In den 80ern waren Blutkonserven massenhaft mit HIV inifiziert, nach Transfusionen hatten sich 1500 Bluter mit dem Virus infiziert. Vor Blutspenden fragen Ärzte auch nach „Intimkontakt mit homo- oder bisexuellen Männern“, Schwule und Bisexuelle werden in einem Atemzug mit Fixern, Prostituierten, Häftlingen genannt. „In europäischen Nachbarländern ist das anders“, kritisiert Alexander Nowak vom Homosexuellen Aktionskreis Kiel (HAKI), hofft aber auf „eine erfreuliche Weiterentwicklung“.

 Das jetzige „Alles eins“ ist auch für Uli Manthey von der Aids-Hilfe Kiel ein Unding: „Ich fühle mich da diskriminiert, denn da wird unterstellt, dass alle schwulen Männer häufig wechselnden Geschlechtsverkehr haben“. Das Vorurteil: Homosexuelle würden sich ständig in Darkrooms suhlen. Tatsächlich aber seien, so Manthey, viele männliche Partnerschaften sehr stabil.

 Doch nach Informationen von Nowak bewegt sich die Debatte zum Positiven: Das Langener Paul-Ehrlich-Institut (PEI), mit der Bundesärztekammer zuständig für das Transfusionsgesetz, denke über eine Trennung von Straftätern, Prostituierten und Schwulen in dem Fragebogen nach. Künftig würde dann nicht mehr von „homo- und bisexuellen Männern“ die Rede sein, sondern wissenschaftlich korrekt von „Männern, die Sexualverkehr mit Männern haben“.

 Wer Blut spendet, unterschreibt, „für den Schaden, der durch vorsätzliches oder fahrlässiges Verschweigen entsteht“, verantwortlich zu sein. Das allerdings ist vor allem ein Appell an das ethische Verantwortungsgefühl. Für Grieve ist die Sache klar: „Homosexuelles Blut kann Leben retten“.

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