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Dünne raus, Dicke rein

Tonnenwechsel in der Nordsee Dünne raus, Dicke rein

Der Frühling hält auch im schleswig-holsteinischen Wattenmeer Einzug. Das bedeutet viel Arbeit für die Besatzung des Tonnenlegers „Triton“. Die Crew tauscht die Winter-Seezeichen gegen dicke Sommertonnen aus.

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Allein an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste markieren mehr als 600 Tonnen das Fahrwasser.

Quelle: Carsten Rehder/dpa

Büsum. Die „Triton“ neigt sich unter dem Gewicht der 5000 Kilogramm schweren Sommertonne mächtig zur Seite. Mit einem Kran des Tonnenlegers bugsiert Bernd Gericke das bauchige Seezeichen an seine Position im schleswig-holsteinischen Wattenmeer. Dann löst der Bootsmann den Haken, die frisch gestrichene Fahrwasser-Markierung mit der Nummer 21 schwimmt nun in der Nordsee. Für den Tonnenleger herrscht derzeit Hochbetrieb. Seit vier Wochen tauscht die Crew die wesentlich dünneren Eistonnen gegen Sommertonnen aus. Ende kommender Woche sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

Von der Brücke aus beobachtet Kapitän Jörg Diedrichsen die Arbeit seiner Männer. „Das Schwierigste dabei ist, den Tonnenleger bei Wind und Wetter auf Position zu halten“, sagt der 50-Jährige. An diesem Tag stehen drei Sommertonnen im Fahrwasser Süderpiep vor Büsum zum Wechsel an. In Sichtweite steuern gleich mehrere Fahrgastschiffe an dem knapp 50 Meter langen Pott vorbei. „Das hier ist die Hauptstrecke nach Helgoland“, sagt der von der Hallig Hooge stammende Diedrichsen.

Das Wattenmeer gilt als besonders anspruchsvolles Seegebiet. Rund 600 Seezeichen weisen der Schifffahrt an der schleswig-holsteinischen Küste in den engen und sich durch Sandverschiebungen stetig ändernden Fahrwassern ihren Weg durch die Nordsee. Beleuchtete Tonnen markieren die wichtigen Positionen. Das ist wichtig, denn viele Sportschiffer navigieren nur nach Sicht.

Etwa 70 Seezeichen werden jeden Herbst durch Eistonnen ersetzt. Die sind nicht nur deutlich schmaler, sondern auch weit weniger voluminös. „Sie werden bei Eisgang von der Eisscholle quasi heruntergedrückt und sie leuchten sogar, wenn sie komplett unter Wasser sind“, sagt Diedrichsen. Sommertonnen machen das dagegen nicht mit. „Die sind viel zu klobig und ihre Technik ist nicht wasserdicht.“ Bei Eisgang drohen die Seezeichen mit einem Durchmesser von zweieinhalb Metern zu verdriften, trotz langer Eisenkette mit drei Tonnen schwerem Steingewicht am Nordseeboden. „Die wird mitgenommen vom Eis.“

Hinzu kommt: Die LED-Seelaterne und die Solarpaneele haben ihren Preis. „Eine Sommertonne kostet rund 7000 Euro, eine Eistonne lediglich knapp 3000 Euro“, sagt Nautiker Kay Hulgaard vom Wasser- und Schifffahrtsamt im nordfriesischen Tönning. Ein Verlust durch Eisgang ist nicht nur eine Gefahr für die Schifffahrt, sondern auch teuer. Und im flachen Wasser des Wattenmeers bilden sich bei Minusgraden bereits relativ schnell kleine Eisschollen, die mit dem Tidenstrom driften.

Bootsmann Gericke hievt zur Kontrolle das nächste Steingewicht samt Eisenkette an Deck der „Triton“. „Die ist Schrott“, ruft er seinen Kollegen zu. Die 35 Meter lange Eisenkette muss ausgetauscht werden. Früher fischte er mit seinem Vater Krabben und Seezunge, seit gut fünf Jahren arbeitet Gericke auf dem Tonnenleger. „An manchen Tagen ist das schon ein Knochenjob“, sagt er. Und doch liebt er die Abwechslung auf See. „Geredet wird an Bord kaum, wir sind ganz schön eingespielt.“

Das ganze Jahr über ist das Schiff unterwegs, neben der schleswig-holsteinischen Nordseeküste ist die „Triton“ auch vor Cuxhaven und in der Elbe im Einsatz. „Jede Tonne wird etwa einmal im Jahr kontrolliert, einige aber auch öfter“, sagt Kapitän Diedrichsen. Die Ketten und die Steingewichte werden überprüft, die Seezeichen von Muschelbewuchs befreit. „Sonst geht die Tonne unter.“

Die aus der Nordsee gefischten Eistonnen werden in den kommenden Monaten in den Tonnenhöfen der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung gewartet, ausgebeult und neu gestrichen. Ab Herbst ersetzen sie dann wieder die bauchigen Sommertonnen.

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