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Nur jedes vierte Opfer geht zur Polizei

Dunkelfeldstudie Nur jedes vierte Opfer geht zur Polizei

Die Schleswig-Holsteiner fühlen sich sicher im Land: Die Furcht, Opfer von Kriminalität zu werden, ist der ersten sogenannten Dunkelfeldstudie des Landeskriminalamtes zufolge, nur gering.

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Innenminister Stefan Studt (SPD).

Quelle: Carsten Rehder/Archiv

Kiel. Allerdings schränken sich viele Menschen dafür in ihrem Alltag ein: Ein Drittel meidet bestimmte Wege, Plätze und Parks, ein Viertel der befragten Schleswig-Holsteiner nutzt in den Abendstunden keine öffentlichen Verkehrsmittel wie Busse und Bahnen. Frauen fürchten demnach eher als Männer, Opfer einer Straftat zu werden.

„Jeder Schleswig-Holsteiner, der sich nicht sicher fühlt, ist einer zu viel“, betont Innenminister Stefan Studt (SPD) und bekennt, dass ihn die Ergebnisse der repräsentativen Befragung zu Sicherheit und Kriminalität nicht zufrieden stellen. 25000 Bürger ab 16 Jahren waren im Frühjahr 2015 vom Landeskriminalamt angeschrieben und um Beantwortung eines 54 Punkte umfassenden Fragebogens gebeten worden. „Der Rücklauf war mit 13070 ausgefüllten Fragebögen sehr hoch“, lobt Studt. Die Ergebnisse der 100000-Euro-Untersuchung würden seinem Ministerium, aber auch der Landespolizei wertvolle Hinweise zum subjektiven Sicherheitsempfinden der Menschen im Land geben. „Die Studie zeigt aber auch, dass die jährlich erhobene Polizeistatistik nicht einmal annähernd ein reales Bild der Kriminalität zeigt“, sagt Stephan Nietz, stellvertretender Direktor des Landeskriminalamtes.

Tatsächlich Opfer von Straftaten ist 2014 knapp ein Drittel der Befragten geworden. Überwiegend handelte es sich dabei um computerbezogene Kriminalität (16,7 Prozent), Diebstähle (15,5) oder Sachbeschädigung (8,3). Tatsächlich hat die Polizei nämlich nur von etwa einem Viertel aller Straftaten überhaupt Kenntnis erhalten, das Anzeigeverhalten der Schleswig-Holsteiner ist zu gering. „Das bereitet mir Sorgen“, räumt Studt ein. Am niedrigsten ist die Anzeigequote mit 7,9 Prozent bei Sexualdelikten. Nur bei der Computerkriminalität werden mit 10,6 Prozent ähnlich wenig Verbrechen gemeldet. Als Grund für die Nichtanzeige gaben 46 Prozent der Betroffenen an, die Angelegenheit selbst geregelt zu haben. Weitere 35 Prozent hätten die Tat als nicht so schwerwiegend empfunden. „Sexuelle Belästigung ist kein Kavaliersdelikt“, sagt Studt. Er appelliert an die betroffenen Frauen, in jedem Fall Strafanzeige zu erstatten. Einen ganz anderen Trend gibt es bei Opfern von Wohnungseinbrüchen: 83,8 Prozent zeigen Diebstähle an, was nach Einschätzung von Nietz aber auch an den Schadensersatzleistungen der Versicherungen liegen dürfte.

Überraschend deutliche Kritik gibt es an der Arbeit der Polizei: Insgesamt sei die Bevölkerung zwar mit den Leistungen zufrieden, allerdings vertritt fast ein Drittel der Befragten die Auffassung, dass die Polizei zu wenig getan habe, 24 Prozent beklagen eine Überlastung der Polizei. Mehr als die Hälfte kritisiert, dass die Beamten Betroffene von Gewalt über ihre Ermittlungen nicht auf dem Laufenden halte. 26,6 Prozent der Befragten gaben sogar an, man könne sich auf den Rechtsstaat nicht verlassen. „Wir müssen der Bevölkerung das Vertrauen in ihre Polizei zurückgeben“, sagt Nietz und kündigt an, Handlungsmaßnahmen auf den Weg zu bringen. Studt kündigt an, bestehende Strukturen anpassen und weiterentwickeln zu wollen: „Dazu gehört sicher auch, Polizei ein Stück weit neu zu denken

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Ein Artikel von
Bastian Modrow
Lokalredaktion Kiel/SH

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