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Minen im Meer rosten durch

Altlasten vor der Küste Minen im Meer rosten durch

1,6 Millionen Tonnen Munition lagern in deutschen Gewässern. Als Küstenland besonders betroffen: Schleswig-Holstein. Wie man mit der tickenden Zeitbombe als Erbe zweier Weltkriege umgeht, war am Dienstag Thema einer von Nabu und dem Umweltbildungszentrum des Landes organisierten Fachtagung in Eckernförde. Gefordert ist eine Art Bergungsroboter, um die dringendsten Altlasten effektiv zu beseitigen.

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Allein in dem Versenkungsgebiet vor Heidkate schlummern rund 5000 Großsprengkörper auf dem Meeresgrund.

Quelle: hfr

Eckernförde. Allein vor Heidkate schlummern rund 5000 Großsprengkörper auf dem Meeresgrund. Jede Mine enthält im Schnitt 350 Kilogramm Sprengstoff. 30 englische Grundminen wurden vergangenes Jahr in Randlage zum Schifffahrtsweg beseitigt. „Doch wir sind leider nur die Feuerwehr“, sagt Jürgen Kroll, zuständig beim Landeskriminalamt für Kampfmittelbeseitigung. „Wir laufen der Gefahrenabwehr ständig hinterher.“ 30 Mitarbeiter, davon sechs Taucher, seien nicht in der Lage, das Problem grundlegend anzugehen.

 Unterdessen rosten Minen und Granaten langsam durch. „Die Uhr tickt ein bisschen schneller“, sagt Jens Sternheim, zuständiger Referent im Umweltministerium und Leiter einer Bund-Länder-Expertengruppe. „Metall können wir noch orten, den hochgiftigen Sprengstoff nicht.“ Noch bis Anfang 2000 waren die Munitionsaltlasten für den Bund kein Thema, so Sternheim. Das scheint sich jetzt zu ändern. Denn auch für Offshore-Windparks und damit für die Energiewende stellen die Gefahren am Meeresgrund eine Hürde dar. Inzwischen wird die Sache systematisch angegangen: kartieren, Schwerpunkte setzen. „Das wird international als ’german way’ beobachtet“, sagt Sternheim.

 Schleswig-Holstein nimmt eine Vorreiterrolle ein. Im Koalitionsvertrag der Landesregierung ist ein Fokus auf die Beseitigung versenkter Munition gesetzt. Ferner gibt es jetzt länderübergreifend in Cuxhaven eine nationale Meldestelle für Munitionsfunde. 148 Fälle wurden hier 2013 angezeigt. Doch noch ist es eine Politik der kleinen Schritte, denn jeder hat Angst vor den Kosten. Einen ersten Projektantrag Schleswig-Holsteins zur Entwicklung eines Bergegeräts hatte der Bund abgelehnt. Derzeit wird an einem neuen Projekt in Kooperation mit dem Kieler Meeresforschungszentrum Geomar gearbeitet. „Wir sind da stur“, sagt Sternheim.

 Ziel ist die Entwicklung eines Bergungsroboters. Der würde die Minen unter Wasser aufbohren, aussaugen und entschärfen, erläutert Umweltminister Robert Habeck. Nach seinen Vorstellungen soll das Gerät im Land mit schleswig-holsteinischen Firmen entwickelt werden. Dazu sollen Bundes- und europäische Mittel eingeworben werden. Habeck: „Im Idealfall wird daraus ein europäisches Projekt“.

 Auch mit Blick auf den Tourismus muss etwas passieren. Schlagzeilen über Sprengstofffunde am Strand verunsichern Gäste. Punktuell werden immer wieder Schießwolle oder Stangensprengstoff angetrieben. Wer Ungewöhnliches entdeckt, sollte es nicht anfassen, sondern die Polizei informieren, die dann wiederum den Kampfmittelräumdienst verständigt. „Man muss die Gefahren nicht dramatisieren, aber kennen“, sagt Sternheim. Offensiv geht hier das Ostseebad Schönberg (Probstei) vor. „Wir entwickeln gerade einen Info-Flyer, um aufzuklären“, erzählt der Betriebsleiter Touristservice Folkert Jeske.crd

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Ein Artikel von
Christoph Rohde
Eckernförder Nachrichten