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Dieses Haus braucht kaum fremden Strom

Energieheim Dieses Haus braucht kaum fremden Strom

Solarzellen auf dem Dach, Akku im Keller, Infrarotheizungen an den Zimmerdecken: Das Ehepaar Schnoor bewohnt eines der ersten Häuser im Land mit Eigenversorgung. Nur noch sehr selten brauchen sie Strom aus dem Netz.

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Architekt Stefan Thieme hat das Haus in Nahe vor den Toren Hamburgs mit einer 15 Zentimeter dicken Dämmung ausgestattet. Es ist nun als eines der ersten im Land nahezu unabhängig von der öffentlichen Strom- und Gasversorgung.

Quelle: Frank Peter

Nahe. Am Rand des kleinen Örtchens Nahe vor den Toren Hamburgs steht der Albtraum jedes Energieversorgers. Moderne Speichertechnik, effiziente Solarpaneele, eine ausgereizte Dämmung und neue Flächenheizkörper auf Infrarot-Basis machen dieses Haus als eines der ersten im Land nahezu unabhängig von der öffentlichen Strom- und Gasversorgung. Die Idee zur eigenen Energie für die eigenen vier Wände gibt es schon lange in den Köpfen vieler Eigenheimbesitzer. Doch erst allmählich wird die Technik zuverlässig und – im Vergleich mit herkömmlichen Lösungen – erschwinglich. Die Lebensdauer der Akkus steigt mit jedem Produktzyklus, und die Solarpaneele seien mittlerweile auch im Norden effizient einsetzbar.

Bei den Schnoors hieß es in den vergangenen Wochen vor allem: dämmen, dämmen, dämmen. Das ursprüngliche Haus aus dem Jahr 1965 hat einen dicken Mantel bekommen. Selbst an die Kellerdecke kommen 14 Zentimeter dicke Platten. „Uns ging es um die Zukunft. Wir sind sicher, dass der Strompreis im Laufe der Zeit immer weiter steigt“, sagt Angelika Schnoor. Etwa 15 bis 20 Jahre soll die Fünf-Kilowatt-Batterie im Keller des Hauses nach Angaben von Techniker Manfred Rebmann, der den Einbau der neuen Systeme organisiert hat, halten. Für die Batterie ist vor allem eine stabile Raumtemperatur wichtig, die von der Elektronik überwacht wird. Genau wie die Verteilung des Stroms im Haus. Eine Steuereinheit sorgt dafür, dass die Energie, die vom Dach kommt, so effizient wie möglich verteilt wird.

Dazu gehören neben dem Speicher im Keller auch intelligente Steckdosen. Diese schalten sich ein, wenn genügend Strom im System ist und können dann beispielsweise eine Spülmaschine oder eine Waschmaschine zuschalten. „Da müssen wir uns ein wenig umstellen und zum Beispiel das Geschirr über Nacht säubern lassen“, sagt Hausherrin Angelika Schnoor. Selbst die Wetterprognose wird vom Computer mit einberechnet. Wird Sonnenschein erwartet, leert sich der Akku und heizt zum Beispiel das warme Wasser zum Duschen.

Das Ehepaar Schnoor kann den Verbrauch des eigenen Hauses am Computer verfolgen. In den vergangenen vier Wochen hat das Haus nur drei mal für wenige Minuten Strom aus dem Netz gebraucht – die Kosten dafür lagen im Cent-Bereich. Aber: „Der erste Winter mit der neuen Technik kommt ja noch. Dann brauchen wir zum Heizen ganz sicher mehr Energie“, sagt Angelika Schnoor.

Dennoch werde sich das System rentieren, ist sie sicher, und rechnet vor: Etwa 30000 Euro haben die Bauherren in Zellen, Akkus, Heizkörper, Steuerungstechnik und Software investiert. „Auch für eine konventionelle Ölheizung inklusive Brenner, Tanks, Wasserspeicher und Heizkörper hätten wir bei unserem Haus ungefähr 25000 Euro einplanen müssen“, sagt Angelika Schnoor. Statt Öl wird an kalten Tagen nun mit Strom geheizt; an sonnigen Tagen im Sommer verdienen die Schnoors mit der Einspeisung von Strom sogar Geld. „Nicht mehr so viel wie noch vor ein paar Jahren, aber trotzdem besser als nichts“, sagt Angelika Schnoor.

Überstürzen sollte man beim Einbau solcher Anlagen jedoch nichts. „Das lohnt sich in der Regel nur, wenn ohnehin in eine neue Heizung investiert werden muss“, sagt Architekt Stefan Thieme, der das Haus der Schnoors umgebaut hat.

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Ein Artikel von
Paul Wagner
Redaktion Lokales Kiel/SH

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