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Es holpert bei der Netzumstellung

Digitales Schleswig-Holstein Es holpert bei der Netzumstellung

Seit Monaten schreibt die Deutsche Telekom ihre Kunden an, um Telefonanschlüsse auf Internet-Technik umzustellen. Während der Konzern den Prozess als weitgehend reibungsarm bezeichnet, landen bei den Verbraucherzentralen immer mehr Beschwerden.

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Bei der Verbraucherzentrale melden sich viele enttäuschte Kunden.

Quelle: Sonja Paar

Kiel. „Bei uns beklagen sich so viel Kunden über massive Schwierigkeiten, dass man schon von einem relevanten Problem sprechen muss“, sagt Hanna Doreen Jeske, Juristin bei der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. Zum Teil fielen Anschlüsse wochenlang aus. Um das ganze Ausmaß der Schwierigkeiten zu erfassen, haben Verbraucherzentralen eine bundesweite Umfrage gestartet, die bis zum 10. Juli laufen soll.

 Nicht nur die Telekom, auch andere Anbieter stellen Telefon- und Internetanschlüsse auf die sogenannte IP-Technik um. Doch die Telekom-Wettbewerber, so Jeske, seien bei der Umstellung zum Teil deutlich weiter als der Marktführer. Ein Grund für den Technik-Wechsel: Die Wartung alter Kabelverzweiger und Hausanschlüsse aus Kupferdraht ist den Netzbetreibern zu teuer geworden.

 Telekom-Sprecherin Stefanie Halle räumt ein, dass es zu kurzfristigen Störungen auf der IP-Plattform gekommen sei. „Wir suchen sofort die Lösung , leiten umgehend die Entstörung ein und informieren parallel unsere Kunden auf allen verfügbaren Kanälen.“ Bei der Umstellung gehe es keineswegs nur um Wartungskosten: „Wir brauchen den Umstieg auf IP für mehr Kapazität, Leistung und Benutzerfreundlichkeit im Netz.“

 Verbraucherschützerin Jeske rät Kunden im Fall von Störungen, „vehement“ zu reagieren und dem Anbieter eine Frist zu setzen: „Bei längeren Ausfällen sollte man Schadenersatzansprüche prüfen lassen.“ Was Jeske auch kritisiert: In der Regel verbindet die Telekom die Umstellung mit einer Tarifänderung: „Das ist nicht akzeptabel.“ Zumal die Umstellung nicht im Rahmen der noch verbleibenden Vertragslaufzeit erfolge. Stattdessen müsse der Verbraucher neue Verträge mit einer Mindestvertragslaufzeit von 24 Monaten abschließen – oder aber den Anbieter wechseln. Jeskes Rat: „Auf jeden Fall muss der Verbraucher sich um den Umstellungsprozess kümmern und prüfen, ob er das möchte oder nicht.“

 Telekom-Sprecherin Halle begründet die Vertragskündigungen mit rechtlichen Vorschriften: Die Telekom mache „ein gutes Angebot“. Der Kunde habe viereinhalb Monate Zeit, darüber nachzudenken. Bislang seien knapp acht Millionen Kunden umgestellt worden, und nur „zu einem sehr geringen Teil“ gebe es Probleme. „Wir werden die Erhebungen der Verbraucherzentralen selbstverständlich auswerten und wenn nötig umgehend handeln. Die vorwiegend älteren Besitzer „reiner Telefonanschlüsse – also ohne Fernsehen oder Internet – würden von der technischen Umstellung nichts bemerken: Sie würden direkt in der Vermittlungsstelle umgeschaltet.

 Besondere Probleme ergeben sich durch die IP-Umstellung für die Nutzer von Hausnotrufsystemen, denn es ist nicht sicher, ob deren Hardware mit der neuen Technik noch funktioniert. Und so rät Kai Tange, Vorstand des DRK-Kreisverbandes Dithmarschen – dort ist die landesweite Notrufzentrale des DRK angesiedelt: „Kunden, die von der Umstellung betroffen sind, sollten sich auf jeden Fall mit ihrem Notrufanbieter in Verbindung setzen.“

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Ein Artikel von
Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

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