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Rarität wächst in Dithmarschen

Europäischer Wildapfel Rarität wächst in Dithmarschen

Seit Jahren durchstreift Malte Reichert immer wieder den Wald vor seiner Haustür. Und weil der Riesewohld in Dithmarschen ein ganz besonderer Wald ist, musste diese Beziehung irgendwann Früchte tragen. In diesem Fall sind es die Früchte des Wildapfels, eine pomologische Rarität, die jetzt Blüten trägt: Am Freitag will Malte Reichert sie Interessierten zeigen.

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Ein Holzapfel in voller Blüte: 27 Exemplare solcher Wildapfelbäume wurden im Riesewohld entdeckt. Es ist das nordwestlichste bekannte Vorkommen der seltenen Art in Deutschland.

Quelle: Thomas Voigt

Odderade. „Der Anstoß kam von einem Mitstreiter, der einen Baum einfach nicht zuordnen konnte“, erinnert sich Malte Reichert, der sich im Vorstand des Vereins für Dithmarscher Landeskunde engagiert. Dem rätselhaften Baum wollte er unbedingt auf den Grund gehen. Mit dabei: der Naturschutzbeauftragte Walter Denker und Dr. Volker Arnold, der lange Jahre das Museum für Archäologie und Ökologie in Albersdorf geleitet hat. „Zunächst dachten wir, dass es nur ein verwilderter Apfelbaum ist. Aber dann haben wir mehr als 25 weitere Exemplare gefunden“, berichtet Reichert: „Und es keimte der Gedanke, dass es sich um den Europäischen Wildapfel Malus sylvestris handeln könnte.“ Der wird wegen seiner harten Früchte auch Holzapfel genannt, ist bereits vor über 3000 Jahren genutzt worden und heute in Mitteleuropa vom Aussterben bedroht. Dabei ist dieser Wildapfel nach derzeitigem Wissen nicht der Vater jener Apfelsorten, die heute verzehrt werden. Diese Kultursorten gehen auf den Kaukasusapfel (Malus orientalis) und den Asiatischen Wildapfel (Malus sieversii) zurück – der Europäische Wildapfel soll sich parallel dazu erhalten haben.

 In Schleswig-Holstein, so recherchierte das Trio, sind einige vereinzelte Wildapfelbäume, etwa in Angeln und im Plöner Raum, bekannt. Aber waren die Bäume im Riesewohld tatsächlich Wildäpfel? 2013 erfassten Denker, Reichert und Arnold die Bäume per GPS. „Uns war schnell klar, dass wir unsere Funde sicher identifizieren lassen mussten. Dies konnte nur eine genetische Analyse gewährleisten“, sagt der Naturschutzbeauftragte Denker. Die Genanalyse aber ist aufwendig und daher nicht ganz billig. Man bat die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein, der etwa ein Drittel des rund 700 Hektar großen Waldes gehört, um Unterstützung. Mit ihrer Hilfe konnten Blattproben von 28 Bäumen in der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt in Hannoversch Münden genetisch untersucht werden. „Vom Ergebnis waren wir überwältigt“, sagt Reichert: Nur eine Probe wurde als Kulturapfel klassifiziert, die 27 restlichen aber als Wildapfel. Der Riesewohld, bekannt für seine Winterlinden und die seltene Stängellose Schlüsselblume, war um eine Attraktion reicher.

 „Da die Wildäpfel nicht nur das Ökosystem des Riesewohlds bereichern, sondern wegen ihrer geringen Anfälligkeit gegenüber Krankheiten auch eine wichtige Genressource für unseren Kulturapfel sein können, wollen wir unsere artenreinen Wildäpfel vermehren und an ausgesuchten Standorten auspflanzen“, erklärt Denker. Dafür werden nun mit Förderung der Stiftung 200 Stecklinge großgezogen.

 Direkt vom Baum essen kann man die Früchte übrigens nicht. Sie schmecken nur gedörrt oder gekocht. lm vergangenen Herbst hat Malte Reichert zum ersten Mal Wildapfelmarmelade daraus gekocht. „Recht herb, aber besonders im Geschmack“, lautete sein Kommentar.

 Wer die wieder entdeckten Bäume in Blüte erleben möchte, sollte zur kostenlosen Extratour der Stiftung Naturschutz kommen: Sie führt am Freitag, 24. April, ab 15 Uhr unter Leitung des Entdecker-Trios durch den Riesewohld.

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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